Fußball-EM 2016
DFB-Team gewinnt erste Etappe

Die deutsche Nationalmannschaft gewann das erste Gruppenspiel bei der Europameisterschaft in Frankreich gegen die Ukraine mit 2:0. Das Führungstor erzielte Shkodran Mustafi (weißes Trikot, Nummer 2) mit diesem Kopfball. Bild: dpa

Das war noch nicht weltmeisterlich. Mit einigen Wacklern in der Abwehr hat sich Mitfavorit Deutschland zu einem glücklichen Auftaktsieg gezittert. Die Treffer erzielten Shkodran Mustafi und Bastian Schweinsteiger.

Lille. Ein überglücklicher "Kurzarbeiter" Bastian Schweinsteiger war nach seinem langen Jubellauf völlig außer Atem und zeigte immer wieder den Daumen in Richtung der jubelnden deutschen Fans. Auch bei Manuel Neuer und Co. war die Erleichterung groß, nachdem der Weltmeister die erste Etappe seiner Tour de France mit großer Mühe gewonnen hatte. Denn beim 2:0 (1:0) zum EM-Auftakt gegen Außenseiter Ukraine am Sonntag in Lille traten bei der DFB-Auswahl noch große Probleme in der Abwehr auf. Nationaltorhüter Manuel Neuer musste mit mehreren Glanzparaden die makellose Bilanz von Bundestrainer Joachim Löw in Auftaktspielen retten. Bis zum zweiten Gruppenspiel am Donnerstag (21 Uhr) gegen Polen ist eine Steigerung nötig.

Die Tore vor 43 035 Zuschauern im Stade Pierre Mauroy erzielten ausgerechnet Shkodran Mustafi (19. Minute) und Schweinsteiger (90.+2). "Es ist unglaublich, dass es so etwas gibt. Ich habe gerade einmal 300 Spielminuten in den Knochen, dann passiert so etwas", sagte Schweinsteiger, der zwei Minuten nach seiner Einwechslung den Schlusspunkt setzte und sich eigentlich noch im Formaufbau für höhere Aufgaben befindet.

Auch das Tor von Mustafi hatte eine besondere Note. Der Verteidiger des FC Valencia war erst durch die Verletzungen von Mats Hummels (Muskelfaserriss) und Antonio Rüdiger (Kreuzbandriss) in die erste Elf gerückt und erzielte in seinem elften Länderspiel das erste Tor. "Es freut mich, ein Tor zu erzielen. Es war aber wichtig, gut ins Turnier zu starten." Damit gewann die deutsche Mannschaft auch ihr fünftes Auftaktspiel bei einem großen Turnier unter Löw, was stets ein gutes Omen war und mindestens ins Halbfinale führte.

"Die Erwartungen sind hoch, aber damit können wir gut umgehen. Wir sind gut vorbereitet", hatte Löw vor dem Duell mit dem EM-Gastgeber von 2012 angekündigt. Das traf aber nur bedingt zu, insbesondere in der Defensive leistete sich der mit zehn Helden von Rio angetretene Mitfavorit viele Wackler, mitunter verlor die Hintermannschaft um Abwehrchef Jérôme Boateng vor allem in den ersten 45 Minuten gar die Orientierung. Das Offensivspiel funktionierte da schon besser. Spielgestalter Toni Kroos war die ordnende Hand und leitete viele Angriffe ein.

Probleme in der Abwehr


Die Problemzone bleibt allerdings die Hintermannschaft, die Löw schon in der Vorbereitung durch die Ausfälle von Hummels und Rüdiger Sorgen bereitet hatte. Und der Puls des Bundestrainers dürfte in der ersten Halbzeit einige Male in die Höhe geschnellt sein. Schon in der vierten Minute musste Neuer bei einem Schuss von Jewgeni Konopljanka sein ganzes Können aufbieten, nachdem Mustafi den Ball vertändelt hatte. Erwartungsgemäß hatte Mustafi den Platz in der Innenverteidigung neben Boateng erhalten, weil Löw auf der Außenbahn Benedikt Höwedes nicht nach innen ziehen wollte.

Boateng klärt artistisch


Neuer hatte die deutsche Elf als Kapitän für den noch nicht fitten Schwein-steiger auf das Feld geführt. Und Neuer stand noch weitere Male im Mittelpunkt. Wie etwa in der 27. Minute, als er einen Kopfball von Jewgeni Chatscheridi parierte. Die größte Chance im ersten Durchgang besaß Konopljanka, dessen verunglückter Schuss von Boateng artistisch auf der Torlinie geklärt wurde.

Chancen hatte aber auch der dreimalige Europameister. Julian Draxler (4.) und Jonas Hector (12.) gaben erste Warnschüsse ab. So war die deutsche Führung sieben Minuten später zu diesem Zeitpunkt gar nicht unverdient. Ein Freistoß von Kroos landete haargenau auf dem Kopf von Mustafi, der zum 1:0 traf. Nach der holprigen ersten Halbzeit kam die DFB-Auswahl geordneter aus der Kabine. Kurz vor Schluss machte Schweinsteiger alles klar.

Es ist unglaublich, dass es so etwas gibt. Ich habe gerade einmal 300 Spielminuten in den Knochen, dann passiert so etwas.Bastian Schweinsteiger, Torschütze zum 2:0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.