Fußball-EM 2016
Doppelte Brisanz bei Russland gegen Wales

Schon mal ein bisschen lockern für das Duell mit Russland: Die Waliser (vorne Mitte Superstar Gareth Bale) können schon mit einem Unentschieden den Achtelfinaleinzug schaffen. Bild: dpa

Für den WM-Gastgeber von 2018 geht es um Alles oder Nichts. Ein Vorrunden-Aus bei der EM hätte wohl auch für den russischen Nationaltrainer Leonid Sluzki Konsequenzen. Ein Sieg allerdings könnte der Sbornaja ein besonderes Achtelfinale bescheren.

Toulouse. In dem Duell Russland gegen Wales steckt nicht nur sportliche Brisanz. Nach den schlimmen Krawallen zwischen englischen und russischen Fans vor gut einer Woche in Marseille werden rund um die Partie der Fußball-EM am Montag (21 Uhr/Sat.1) im Stade Municipal von Toulouse neue Ausschreitungen befürchtet. Trotzdem sollen sich die walisischen Fußballfans keine Sorgen machen, sagte Wales-Trainer Chris Coleman am Sonntag in Toulouse. "Macht was ihr immer tut", forderte er die eigenen Anhänger auf: "Genießt das Spiel, genießt die Atmosphäre, am besten zusammen." Zu den russischen Gewalttätern sagte er: "Es ist leider eine Minderheit."

Erst vor wenigen Tagen hatten russische Hooligans eine Gruppe Waliser angegriffen, als beide Teams ihre Partien innerhalb von 24 Stunden in den benachbarten Städten Lens und Lille absolvierten. Zudem stehen die russischen Fans weiter unter Beobachtung der Uefa: Bei einem erneuten schweren Fehlverhalten droht der Elf der Turnierausschluss.

"Es geht nur um Fußball", sagte Coleman und lobte das bisherige Auftreten der eigenen Anhängerschaft: "Unsere Fans repräsentieren unser Land wie unsere Mannschaft. Bisher haben sie mit allen zusammen gefeiert, mit Franzosen oder mit den Slowaken." In Frankreich sind mehr als 20 000 walisische Fußballfreunde unterwegs.

Nicht nur sportlich steht der WM-Gastgeber von 2018 unter gewaltigem Druck. Auch gegen Wales mit Superstar Gareth Bale spielt die Sbornaja auf Bewährung und muss bei einem erneuten Fehlverhalten der eigenen Fans den Turnierausschluss fürchten. Der droht allerdings auch auf sportlichem Weg: Bei einem Remis oder einer Niederlage gegen den EM-Neuling ist die Fußball-Europameisterschaft für die ambitionierte Sportgroßmacht bereits nach der Gruppenphase beendet.

Bei einem Sieg dagegen und einem Erfolg Englands gegen die Slowakei wäre die Auswahl um den Schalker Bundesliga-Profi Roman Neustädter plötzlich Gruppenzweiter - und möglicherweise sogar der Achtelfinal-Gegner von Weltmeister Deutschland. "Die Situation ist sehr komplex", formulierte es Nationaltrainer Leonid Sluzki vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel. Für den Coach geht es auch um seinen Job: Ein Vorrunden-Aus zwei Jahre vor der WM im eigenen Land dürfte ihm die sportliche und politische Führung des Landes kaum verzeihen.

"Wir haben jetzt den Anspruch an uns selbst, das letzte Spiel gegen Wales zu gewinnen. Dann haben wir vielleicht noch die Chance, in die nächste Runde einzuziehen - mehr zählt erstmal nicht", sagte Neustädter. Der kurz vor EM-Beginn eingebürgerte Schalker steht sinnbildlich für das bisher behäbig-träge Auftreten der gesamten Elf.

Genießt das Spiel, genießt die Atmosphäre, am besten zusammen.Wales-Trainer Chris Coleman zu den eigenen Fans
Weitere Beiträge zu den Themen: EM2016 (336)Russland gegen Wales (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.