Fußball-EM 2016
Eine ganz besondere Partie

Über Gareth Bales Sticheleien wollte Englands Trainer Roy Hodgson (rechts) nicht mehr sprechen. Die Aufmerksamkeit richtet sein Team um Kapitän Wayne Rooney (links) voll und ganz auf das Spiel gegen Wales, um im brisanten Nachbar-Duell nicht den Kürzeren zu ziehen. Bild: dpa

Im Battle of Britain geht es für England auf und neben dem Platz schon fast um alles. Den ersten Wirkungstreffer landet Gareth Bale. Der walisische Superstar genießt die beleidigten Antworten auf seine Provokationen geradezu.

Lens. England zittert vor Gareth Bale. Die erneuten Provokationen des walisischen Superstars und die Angst vor Fan-Krawallen heizen das brisante britische Bruder-Duell kräftig an. Dünnhäutig reagierten die Männer um Wayne Rooney auf die Sticheleien des Außenseiters und offenbaren, dass sie angesichts des dringend benötigten Siegs im Hochsicherheitsspiel mächtig nervös sind. "Ich mag nicht mehr kommentieren, was andere Leute sagen", sagte Trainer Roy Hodgson vor dem zweiten Spiel am Donnerstag (15 Uhr/ZDF) in Lens.

Trotz des bitteren Last-Minute-Schocks beim 1:1 gegen Russland ist der englische Glaube an den Gruppensieg zwar ungebrochen. Um ein Zitter-Finale um das Weiterkommen am letzten Spieltag gegen die Slowakei zu vermeiden, muss das Hodgson-Team im 102. Duell mit Wales aber unbedingt die erste Niederlage seit 32 Jahren verhindern. "Durch das Turnier wird es eine ganz besondere Partie", sagte Kapitän Rooney.

Dabei sorgt vor allem die Frage, wie Bale nach seinem direkten Freistoßtreffer beim 2:1-Auftaktsieg gestoppt werden kann, für Unruhe. "Er ist ein fantastischer Spieler, wahrscheinlich einer der besten fünf der Welt. Wir sollten ihn aber nicht in Manndeckung nehmen", warnte Rooney vor einer zu großen Fokussierung auf den walisischen Kapitän.

Es wird erwartet, dass Rooney wie bei seinem überraschend starken Auftritt zum EM-Start wieder im Mittelfeld Regie führen soll. Bei Wales konnte Stammkeeper Wayne Hennessey nach Rückenbeschwerden wieder trainieren, seine Rückkehr ins Tor ist aber fraglich. "Wir müssen sehen, ob er die Einheit gut übersteht und abwarten, ob sein Rücken eine Reaktion zeigt", sagte Trainer Chris Coleman. Als Ersatz stünde wieder Danny Ward bereit.

Nach dem Auftaktsieg gibt sich der EM-Debütant tiefenentspannt. "Wir sind an der Tabellenspitze, sie haben nur unentschieden gespielt, aller Druck liegt auf ihnen", sagte Arsenals Aaron Ramsey. "Jeder erwartet, dass sie gewinnen. Wir haben keinen Druck, wir haben Spaß."

In der erwartet brodelnden Atmosphäre vor 35 000 Zuschauern im Stade Bollaert-Delelis dürfte auch Felix Brych vor einer schwierigen EM-Premiere stehen. "Er ist einer der besten Referees in Europa, soweit ich weiß. Er hat schon die besten Mannschaften der Welt gepfiffen", sagte Hodgson zur Sorge, dass der Münchner mit dem britischen Spielstil nicht zurecht kommen könnte. "Ich habe nie irgendwelche Angst wegen des Schiedsrichters."

Englands Verband FA hofft auch, dass seine Fans sich unter Kontrolle haben. Bis zu 50 000 Anhänger beider Teams werden in der nordfranzösischen Kleinstadt erwartet - sollten die englischen Zuschauer ähnliche Ausschreitungen wie in Marseille rund um das Spiel gegen Russland anzetteln, droht die UEFA-Exekutive mit dem Ausschluss.
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