Fußball-EM 2016
EM-Zaungäste – zum Zuschauen verdammt

Der Schiedsrichter Björn Kuipers ist der einzige Niederländer bei der EM in Frankreich. Bild: dpa

Paris. Ganz Fußball-Europa schaut in diesen Tagen nach Frankreich. Ganz Europa? Nicht ganz. Immerhin hatten in der Qualifikation 51 Mannschaften um die 23 freien EM-Plätze gekämpft, so dass 28 von ihnen diesen Sommer zu Hause bleiben mussten. Die Fans dieser Teams müssen nun mit ansehen, wie andere um die Fußballkrone wetteifern. Ein Blick in einige der Fußballnationen, die bei der EURO 2016 nicht dabei sind:

Niederlande: Was war das schön bei der WM 2014: Oranje-Fieber überall - orange geschmückte Straßen, Häuser, Menschen. Doch im Sommer 2016: Nichts. Straßen und Kneipen sind öde und still. Für viele sind die Schmach und der beißende Spott kaum zu ertragen. Wer kann, verlässt das Land. Die Reiseveranstalter verzeichneten einen ungewöhnlichen Buchungsanstieg vor der eigentlichen Hochsaison. Nur echte Fußball-Liebhaber schauen sich die Spiele der EM an - ohne Robben, van Persie, Sneijder.

Dem Rest bleibt nur die Erinnerung. Kneipen organisieren "Oranje-Abende" und zeigen alte Erfolge der Elftal. Der Hit ist die EM von 1988, als die Niederlande in Deutschland Europameister wurde - "briljant". Die meisten Fans halten nun zu Belgien, ohnehin eine Art "Reserve-Niederländer". Doch nach dem 0:2 gegen Italien schwant vielen Niederländern Böses, so nach dem Motto: Ein klassischer Fall "vom Regen in die Traufe".

Schottland: Nicht dabei zu sein bei dieser vergrößerten EM, das ist für die Schotten schon schmerzhaft genug. Doch noch schlimmer ist, dass Schottland der einzige britische Landesteil ist, der nicht mitspielen darf. Selbst die Rugby-Nation Wales mischt mit und misst sich in der Vorrunde mit England. Ein Duell, das sich viele Schotten sehnlichst für ihre Elf gewünscht hätten.

Schotten feuern traditionell jeden Gegner der Engländer bei internationalen Turnieren an. Vor der WM 2006 gaben in einer Umfrage nur 69 Prozent der Schotten an, bei einem möglichen Endspiel zwischen England und Deutschland die britischen Nachbarn zu unterstützen. Dieses Mal dürfte es kaum anders aussehen.

Griechenland: Nicht dabei? Das haben die griechischen Fans längst verschmerzt. Sie genießen es, stressfrei im Café die aktuelle europäische Elite kicken zu sehen. Eine Teilnahme wäre ja auch viel zu aufregend, man denke nur an 2004, als die Griechen unter Trainer Otto Rehagel Europameister wurden und das ganze Land Kopf stand! Dieser Überraschungserfolg, das Erbe von "Rehakles", ist in der kollektiven griechischen Fußballseele noch immer präsent. Entsprechend kenntnisreich wird die EM verfolgt.

Unterstützung genießen in Griechenland von jeher die Italiener. Ebenso die Portugiesen, nicht zuletzt deshalb, weil man 2004 in ihrer Heimat zweimal so schamlos gegen sie gewonnen hat. Aber auch die Deutschen, zu denen die griechischen Fans eine Art Hassliebe pflegen, werden gerne gesehen. Und dann natürlich die Türkei, die viele in der Hoffnung verfolgen, sie möge es nicht besonders weit schaffen.
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