Fußball-EM 2016
Englands EM-Exit vor dem Brexit?

Der englische Trainer und einer seiner Stürmer: Roy Hodgson (links) könnte Jamie Vardy ohne Bedenken bringen. Der Leicester-Stürmer ist topmotiviert. Bild: dpa

Saint-Étienne. Mit royaler Unterstützung will England einen schmerzvollen Euro-Exit unbedingt verhindern. Drei Tage vor der britischen Schicksals-Abstimmung über einen EU-Austritt reicht bei der Fußball-EM mit Prinz William als Tribünengast schon ein Punkt fürs Weiterkommen. Doch insgeheim peilen die Three Lions statt des schnöden Achtelfinal-Einzugs bereits den Titel an.

"Das maximale Ziel"


"Wenn du mit dem Gedanken ins Turnier gehst, dass du nichts schaffst, wirst du niemals was erreichen", tönt Jamie Vardy vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen die Slowakei am Montag (21 Uhr/ARD) in Saint-Étienne. "Du musst dir immer das maximale Ziel setzen. Es macht keinen Sinn, vor irgendeinem Team Angst zu haben."

Dank des 2:1 über Wales geht die Auswahl von Trainer Roy Hodgson mit einer komfortablen Ausgangslage in den Vorrunden-Showdown. Während die Slowaken nur bei einem eigenen Sieg keine Schützenhilfe für die Runde der besten 16 brauchen, würde England womöglich sogar eine Niederlage reichen, wenn andere Teams mitspielen.

Doch das Achtelfinale würde für Hodgson noch nicht genügen, um seinen Job zu sichern. Englands Verbandschef Greg Dyke erhöhte nun den Druck - und nannte Bedingungen für eine Vertragsverlängerung mit dem Trainer-Routinier. "Das Halbfinale wäre großartig. Das Viertelfinale, wenn wir wirklich gut gespielt haben, auf eines der besten Teams treffen und dabei verlieren oder im Elfmeterschießen ausscheiden", erklärte der FA-Vorsitzende.

Genervter Hodgson


Hodgson reagierte sichtlich genervt auf die Debatte zur Unzeit. "Ich kümmere mich nur um eine Sache: die nächste Partie zu gewinnen", sagte er. "Ob es das Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale wird? Wer weiß, das hängt von unseren Leistungen ab." Keine Diskussion gibt es in England über einen Startelf-Auftritt des englischen Kapitäns. "Wer wirklich einen Schulterklopfer verdient, ist Wayne Rooney", sagte Hodgson vor dem Gruppenfinale über den neuen Mittelfeld-Organisator. "Wir sind glücklich mit seiner Regie, mit seiner Ruhe - er ist auch aus der Distanz gefährlich, und wir profitieren so sehr von seiner Erfahrung."

Schlüsselspieler auf der anderen Seite ist Marek Hamsik - der slowakische Star beeindruckte nicht nur durch den entscheidenden Treffer beim 2:1 über Russland. "Wir sollten uns nicht zu sehr auf dieses Resultat gegen Russland konzentrieren", warnte der Offensiv- Anführer. "Wir spielen jetzt gegen das stärkste Team der Gruppe."

Neutral in Brexit-Fragen


Dies ist auch das Selbstverständnis des Hodgson-Teams - dem sein immenser Auftrag in den sportlich wie politisch entscheidenden Tagen für England von ganz oben verdeutlicht wurde. "Denkt daran, die Nation steht hinter euch", sagte Prinz William, zugleich Verbandspräsident, pathetisch. Ähnlich wie der Queen-Enkel verhalten sich auch Rooney & Co. in der Brexit-Frage neutral - reden zumindest aber beim Abendessen über das Referendum am Donnerstag, wie Verteidiger Ryan Bertrand verriet.

Kein Bus für Titelfeier


Zunächst steht aber der Fußball im Mittelpunkt - und spätestens mit dem Achtelfinale dürfte die Euphorie des englischen Boulevards dann keine Grenzen mehr kennen. "Die Geschichte Englands zeigt, dass ausgenommen von einem glorreichen Sommer schnell die Dunkelheit auf Begeisterung folgt", warnte die "Times" schon mal vorsorglich. "Der Verband ist weise genug, noch keinen offenen Bus für die Titelfeier gebucht zu haben."
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