Fußball-EM 2016
Französische Tränen

Enttäuschter Abmarsch: Antoine Griezmann (rechts) und Paul Pogba (Mitte) nehmen emotionslos ihre Silbermedaillen entgegen. Ganz Frankreich weinte nach der EM-Niederlage. Bild: dpa

Sie wollten diesen Pokal für sich, aber auch für die ganze Nation. Doppelt so groß ist nun der Schmerz bei Frankreichs Nationalspielern. "Ein Alptraum." Trainer Deschamps will sich jetzt nicht mit seiner Zukunft beschäftigen. In gut zwei Monaten geht aber die WM-Quali los.

Saint-Denis. Sie weinten, sie schluchzten, ihre Blicke gingen ins Nichts, reden fiel ihnen schwer. Der Anblick der jubelnden Portugiesen wurde zur Qual, die eigene Niederlage tat unerträglich weh. "Wir sind sehr unglücklich, weil wir die Franzosen enttäuscht haben", sagte Mittelstürmer Olivier Giroud. "Es ist schrecklich, es ist ein Alptraum", meinte Pierre-André Gignac, der Sekunden vor dem regulären Ende des EM-Finales mit einem Pfostenschuss die Entscheidung zugunsten der Franzosen verpasst hatte.

"Es ist grausam"


Blaise Matuidi saß auf der Bank und weinte, Antoine Griezmann mit der Medaille in der Hand auf einer Kühlbox, Paul Pogba zog sich das Trikot über den Kopf. "Es gibt keine Worte, um das Gefühl zu beschreiben. Die Enttäuschung ist immens. Es braucht Zeit, um das zu verarbeiten", meinte Trainer Didier Deschamps, "es ist grausam, so zu verlieren".

Für Fragen nach seinem Vertrag, der bis zur WM in Russland gültig ist, stand dem ehemaligen Welt- und Europameister nach dem 0:1 nach Verlängerung am späten Sonntagabend im Stade de France von Saint-Denis gegen Portugal nicht der Sinn. "Ich denke jetzt nicht an mich selbst", meinte er mit leiser Stimme. "Es wäre so wunderbar gewesen, für die Zuschauer diesen Pokal zu holen." Dabei spielte sich die Mannschaft während der fünf Wochen EM in die Herzen der vom Terror im vergangenen Jahr gebeutelten und traumatisierten Grande Nation. Gerade mal 48 Prozent hatten vor dem EM-Start Sympathie für die Équipe tricolore empfunden, bis zum Endspiel kletterte der Wert auf 84 Prozent in einer Umfrage des "Journal du Dimanche". Als Trost lud Staatspräsident François Hollande Mannschaft und Betreuer in den Élysée-Palast ein. Dies wie auch die Prämie fürs Erreichen des Finales von 250 000 Euro dürfte aber kaum über den Schmerz hinweghelfen. "Es gibt tolle Zeiten und traurige Zeiten", meinte Antoine Griezmann. Den Goldenen Schuh für den Toptorjäger der EM (sechs Treffer) hätte er nur zu gern gegen den Silbernen Pokal eingetauscht. "Es nervt. Aber ich werde versuchen, stärker zurückzukommen", versprach Griezmann.
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