Fußball-EM 2016
Häme für Ronaldo

Die Ordner mussten warten: Ein Flitzer machte ein Selfie mit Cristiano Ronaldo. Bild: dpa
 
Jeder verarbeitet seinen Frust anders: Cristiano Ronaldo malträtierte nach dem 0:0 gegen Österreich seine Klamotten. Bild: dpa

Cristiano Ronaldo und diese Fußball-EM - das ist bislang noch keine Erfolgsgeschichte. Beim 0:0 gegen Österreich verschoss der Superstar einen Elfmeter und vergab zahlreiche Chancen. Jetzt droht Portugal mal wieder das vorzeitige Aus.

Paris. Cristiano Ronaldo stand im Pariser Prinzenpark noch auf dem Rasen, da gingen die dicken, manchmal auch hämischen Schlagzeilen schon um die Welt. "CRNull", titelte etwa die Zeitung "Globo" in Brasilien. Portugals "Record" stellte nur ein einziges Wort über ein Foto des Superstars von der traurigen Gestalt: "Gescheitert!"

Wenn man so will, hat Ronaldo auch dieses EM-Spiel gegen Österreich allein entschieden - nur eben nicht so, wie man das von dem dreimaligen Champions-League-Sieger und dreimaligen Weltfußballer von Real Madrid kennt. Portugals Stürmerstar verschoss am Samstagabend einen Elfmeter (79.), vergab noch fünf weitere klare Chancen und traf nur einmal aus dem Abseits ins Tor (83.). 23:3 für Portugal lautete am Ende die Torschussstatistik, 0:0 das Ergebnis. "So ist Fußball", sagte Ronaldo selbst dazu. "So haben wir uns das nicht vorgestellt."

Wie immer, wenn der teuerste und am meisten polarisierende Fußballer der Welt besonders aus dem Rahmen fällt, ist die Wucht der Reaktionen danach noch weitaus größer als das, was eigentlich passiert ist. Das war schon nach seinen abschätzigen Kommentaren zum 1:1 gegen Island so und jetzt auch nach seinem Fehlschuss gegen Österreich. Gigabyteweise Schadenfreude ergoss sich im Internet über Ronaldo. Dazu gehörte auch ein Twitter-Foto von jenem Torpfosten, an den zuvor sein Elfmeter geprallt war. Der Kommentar dazu: "Champions-League-Sieger-Besieger".

Nur ein paar Floskeln


Ronaldo selbst gab nur ein paar Floskeln zu diesem Spiel ab. "Wir müssen weiter an uns glauben. Wenn wir das nächste Spiel gegen Ungarn gewinnen, sind wir trotz dem weiter." Das war's.

Ronaldos Bild bei dieser EM ist zwar noch nicht ganz fertiggezeichnet. Aber das, was sich nach zwei Spielen erkennen lässt, erinnert fatal an das vergangener Turniere. Wie schon bei der WM 2014 droht Portugal erneut ein schnelles Aus, vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Ungarn ist der Gruppenfavorit nur Dritter. Von der vorzeitigen Heimreise über ein Achtelfinalduell mit Titelverteidiger Spanien bis hin zum Gruppensieg ist am Mittwoch (18 Uhr/Sat.1) noch alles möglich.

Paris. Als der Superstar endlich ganz nah war, begann ausgerechnet die Technik zu streiken. Nach einem mehr als 100 Meter langen Sprint über den Platz war ein portugiesischer Fußballfan am Samstagabend tatsächlich bei Cristiano Ronaldo angelangt. Gleich vier Ordner hatten das ungleiche Duo schnell umzingelt, als der Mann seelenruhig an seinem Handy herumhantierte. Mitten auf dem Rasen des Pariser Prinzenparkstadions setzte er zum Selfie mit seinem Idol an, doch die Zeit lief ihm davon - sein Handy wollte einfach nicht funktionieren. Nur der Gnade des dreimaligen Weltfußballers war es zu verdanken, dass es am Ende doch noch mit dem Foto klappte.

Denn der nach dem 0:0 gegen Österreich und seinem verschossenen Foulelfmeter schwer gefrustete Ronaldo hielt die Ordner zurück. Er gab dem Fan die Zeit, sein Handy in den Griff zu kriegen. Hochnervös suchte dieser die Kamerafunktion seines Geräts, schien sie gefunden zu haben, um dann doch wieder zu scheitern. Erst nach rund einer Minute klappte es schließlich. Zigfach drückte der Fan auf den Auslöser und wurde anschließend zufrieden von den Ordnern aus dem Innenraum geführt.
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