Fußball-EM 2016
Island sorgt für Riesensensation

Der Name war Programm: Kolbeinn Sigthorsson schoss seine Isländer zum Sieg gegen hochfavorisierte Engländer. Der Traum des EM-Außenseiters lebt weiter. (Foto: dpa)

Nizza. Islands Fußball-Helden feierten mit ihren ekstatischen Fans völlig losgelöst eine der größten Überraschungen der EM-Geschichte, Englands konsternierter Teamchef Roy Hodgson verkündete nach der Blamage umgehend seinen Rücktritt. Der Sensations-Neuling aus dem hohen Norden Europas hat desaströsen Engländern den EM-Brexit verpasst und will sein Fußball-Märchen nun auch im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich fortsetzen. Mit dem 2:1 (2:1)-Sieg schossen die kampfstarken Isländer den enttäuschenden Favoriten am Montag aus dem Turnier und versetzten ein ganzes Land in Jubelstimmung.

Island trifft auf Frankreich


Wayne Rooney brachte England vor 33 901 Zuschauern in Nizza bereits in der 4. Minute per Foulelfmeter in Führung. Doch Ragnar Sigurdsson (6.) und Kolbeinn Sigthorsson (18.) schlugen innerhalb von nur zwölf Minuten zurück und bejubelten am Ende den größten Erfolg in Islands Fußball-Geschichte. "Es ist der Glaube und die Power als Team, die uns stark machen. Das ist der größte Moment meiner Karriere. Unser Ziel war es, die Gruppenphase zu überstehen. Es ist einfach alles unglaublich", sagte Sigurdsson. Am Sonntag will der Außenseiter im Final-Stadion von Saint-Denis nun auch den Titeltraum des EM-Gastgebers beenden. "Es ist wunderbar, Teil dieser Geschichte zu sein", erklärte Mittelfeldspieler Birkir Bjarnason. "Jetzt können wir auch Frankreich schlagen."

Zwei Jahre nach dem peinlichen Scheitern in der WM-Vorrunde erlebte Hodgson eine weitere Schmach und zog umgehend Konsequenzen. "Es tut mir leid, dass es so enden muss", sagte der 68-Jährige. "Es ist nun an der Zeit für jemand anderen, den Fortschritt dieser jungen, hungrigen und extrem talentierten Truppe zu verantworten." Der Weltmeister von 1966 muss weiter auf den ersten Sieg in der K.-o.-Phase einer EM-Endrunde außerhalb des eigenen Landes warten.

In einer denkwürdigen Partie ging es sofort in die Vollen. Kein Abtasten, kein Zögern - Power-Fußball von Beginn an. England agierte wie schon in den ersten drei Turnierspielen im sehr offensiven 4-1-2-3-System und erwischte die Nordeuropäer kalt. Eine Flanke aus dem Halbfeld von Daniel Sturridge erreichte den von Medien und Fans zuletzt scharf kritisierten Raheem Sterling, der von Island-Keeper Hannes Thor Halldorsson im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Rooney verwandelte sicher vom Elfmeterpunkt - es war sein 53. Treffer im 115. Länderspiel.

Dicker Patzer von Hart


Nur 80 Sekunden später jubelten die Isländer. Nach einem weiten Einwurf verlor Rooney das entscheidende Kopfballduell mit Kari Arnason, dessen Vorlage Sigurdsson aus Nahdistanz zum Ausgleich verwertete. Und es kam noch besser für den krassen Außenseiter. Bei einem der wenigen Vorstöße durfte der EM-Neuling vor dem Strafraum weitgehend ungestört kombinieren, Sigthorsson bedankte sich für die Freiheiten mit dem 2:1. Beim 14-Meter-Schuss des Frankreich-Legionärs vom FC Nantes leistete sich Joe Hart im Tor der Engländer allerdings einen dicken Patzer. Der Rückstand wirkte wie ein Schock. Den einfallslosen Engländern fiel gegen die Defensive der Isländer, die teilweise mit neun Mann um den eigenen Strafraum verteidigten, nichts ein.
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