Fußball-EM 2016
Kroatien droht harte Strafe

Bengalos brennen vor der kroatischen Fankurve, die Anhänger prügelten sogar gegenseitig auf sich ein: Die Partie gegen die Tschechen am Freitag stand kurz vor dem Abbruch. Bild: dpa

Immer mehr Fußballverbände geraten bei der EM in den Fokus der Uefa. Die Disziplinarkommission ermittelt wegen zahlreicher Bengalos, Prügeleien und sonstigem Fan-Fehlverhalten. Besonders hart könnte es am Montag die Kroaten treffen.

Paris. Feuerwerkskörper im Stadion, Prügeleien auf den Rängen und nun auch rassistisches Verhalten: Die Liste der Fan-Verfehlungen bei der Fußball-EM wird immer länger. Die Europäische Fußball-Union ermittelt mittlerweile gegen die Verbände Kroatiens, Belgiens, Ungarns, Portugals und der Türkei. Bereits am Montag wird die Disziplinarkommission die ersten Strafen gegen Kroatien und die Türkei aussprechen. Den bereits mehrfach durch die Uefa "vorbestraften" Kroaten droht eine ähnlich harte Strafe wie den Russen, die im Gruppenfinale gegen Wales am Montag auf Bewährung spielen.

Beim 2:2 gegen Tschechien am Freitagabend hatten sich einige kroatische Anhänger im Stadion untereinander Schlägereien geliefert und Bengalos auf das Spielfeld geworfen, woraufhin die Partie in Saint-Etienne sogar für vier Minuten vom Schiedsrichter unterbrochen worden war. Laut Uefa sollen einige Kroaten auch mit rassistischen Äußerungen aufgefallen sein. Erst im vergangen Sommer war es vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Italien in Split zu einem Skandal gekommen. Unbekannte hatten ein Hakenkreuz in den Rasen des Stadions gebrannt. Auch bei zwei Freundschaftsspielen im März waren diskriminierende Gesänge zu hören gewesen.

Kroatiens Spielmacher Ivan Rakitic hat unterdessen an den europäischen Fußball-Verband appelliert, seine Mannschaft nach den Fan-Ausschreitungen vom Freitag nicht von der EM in Frankreich auszuschließen. "Ich hoffe, dass die Uefa eines versteht: Wir möchten unseren Traum hier weiterleben. Und das ist, am Dienstag gegen Spanien zu spielen und danach in die nächste Runde einzuziehen", sagte der Mittelfeldspieler des FC Barcelona am Sonntag.

Türkei-Fan will auf den Platz


Empfindliche Geldstrafen könnten die anderen Verbände treffen. In den Fanblocks der Türkei, Belgiens und Ungarns waren am Wochenende Bengalos gezündet und Gegenstände geworfen worden. Bei der Partie der Türken gegen Spanien (0:3) in Nizza soll zudem ein Anhänger versucht haben, den Platz zu stürmen. Am Dienstag will die Kommission über die Strafe Ungarns entscheiden, deren Anhänger das 1:1 gegen Island ebenfalls mit Feuerwerkskörpern gefeiert hatten.

Auf den Platz schaffte es am Samstag ein portugiesischer Fan nach dem 0:0 gegen Österreich, der ein Selfie mit Superstar Cristiano Ronaldo ergatterte (siehe Bericht Seite 11). Die kuriose Aktion wird Portugals Verband aber wohl nicht allzu teuer zu stehen kommen.

Ich hoffe, dass die Uefa eines versteht: Wir möchten unseren Traum hier weiterleben.Kroatiens Spielmacher Ivan Rakitic
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