Fußball-EM 2016
Löw setzt auf Helden von Rio

Das Ziel von Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und seinem Assistenten Thomas Schneider ist klar: der EM-Titel! Am Sonntag startet die deutsche Nationalmannschaft mit dem Gruppenspiel gegen die Ukraine in die EM-Endrunde in Frankreich. Bild: dpa

Einen gemütlichen EM-Start schließt Joachim Löw aus. Die Ukraine ist für den Bundestrainer eine "gefährliche Mannschaft". Die Helden von Rio sollen es im Auftaktspiel richten. Kapitän Bastian Schweinsteiger fehlt es noch an Substanz. Thomas Müller sieht sogar mehr Kader-Qualität als 2014.

Évian-les Bains. Joachim Löw lässt seine Weltmeister los. Die Helden von Brasilien sollen im kniffligen Auftaktspiel gegen die hart einsteigenden Konterfußballer der Ukraine für einen Traumstart sorgen und beweisen, dass sie wieder hungrig auf einen Siegerpokal sind. Der Bundestrainer ermahnte seine so erfahrenen Startelf-Kräfte aber vor dem Ernstfall am Sonntag (21 Uhr) in Lille, sofort an die Schmerzgrenze zu gehen.

"Dass man gemütlich durch die Vorrunde kommt, ist bei einem Turnier nie der Fall - und jetzt ganz besonders nicht", erklärte Löw. Die letzte Trainingseinheit im Basis-Quartier in Évian-les-Bains wurde am Freitag bei strahlendem Sonnenschein hinter dem Sichtschutz des Trainingsplatzes absolviert. "Wir sind bereit, man merkt die Anspannung der Jungs", berichtete Löws Assistent Thomas Schneider.

Der Weltmeister-Coach erwartet beim Start in seine dritte EM ein zähes Anlaufen gegen eine ukrainische Mannschaft, deren erstes Ziel es sein werde, Gegentore zu vermeiden. Geduldig sein, den Gegner müde spielen und dann konsequent zuschlagen, lauten Löws Vorgaben an sein Team. "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir in Zweikämpfe verwickelt werden, dass wir unsere gesamte Kampfkraft investieren müssen, dass wir durchsetzungsfähig sein müssen", glaubt Löw.

"Gefährliche Mannschaft"


Die Auswahl der Ukraine und ihre Spieler sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Aber Löw hat mit seinem Trainerstab und der Scouting-Abteilung den Gegner bis ins letzte Detail analysiert. "Sie spielen defensiv sehr strukturiert und sehr diszipliniert. Sie kontern schnell, haben schnelle Außenstürmer." Die Flügelzange Andrej Jarmolenko/Jewgeni Konopljanka gilt als größte Gefahrenquelle. Dazu kommt Härte. "Sie sind körperlich robust und alles andere als zimperlich", mahnte Löw. Das Gesamtfazit des Bundestrainers lautet: "Das ist eine gefährliche Mannschaft!"

Im DFB-Team steckt aber dennoch mehr Potenzial. "Wir haben jetzt einen noch breiteren, tieferen Kader", sagte Angreifer Thomas Müller beim Vergleich des aktuellen 23-Mann-Aufgebots mit dem vor zwei Jahren beim WM-Triumph: "Auch die Spieler auf der Bank sind individuell top. So gesehen sind wir meiner Meinung nach schon stärker geworden."

Die vorhandene Klasse gilt es auf den Punkt abzurufen. In den zwei Jahren nach dem WM-Titel hat sich das Nationalteam in viel zu vielen Länderspielen einen Schlendrian erlaubt. Im Turnier soll das auf Knopfdruck wieder anders sein. Löw muss zum Start entstandene Lücken schließen. Kapitän Bastian Schweinsteiger kann der Mannschaft nach seinem Kurz-Comeback gegen Ungarn im ersten Gruppenspiel höchstens ein paar Minuten als Einwechselspieler helfen. "Basti hat sicherlich noch nicht die Substanz, über einen längeren Zeitraum zu gehen", äußerte Co-Trainer Schneider deutlich. Wichtig sei er dennoch.

Für den noch nicht fitten Innenverteidiger Mats Hummels muss Löw nach dem Turnier-Aus des Ersatzmannes Antonio Rüdiger (Kreuzbandriss) die C-Lösung ins Abwehrzentrum stellen - aller Voraussicht nach Shkodran Mustafi. Löw setzt - wenn die wenigen gewährten Trainingseinblicke am Genfer See nicht trügen - auf volle Weltmeister-Power.

Turnierneuling Hector


Bis zu zehn der noch 14 Brasilien-Champions im EM-Kader dürften den Anpfiff am Sonntagabend auf dem Rasen erleben: Manuel Neuer im Tor, Benedikt Höwedes, Jérôme Boateng und Mustafi in der Abwehr, davor im defensiven Mittelfeld Sami Khedira und Toni Kroos sowie in der Offensive Thomas Müller, Mesut Özil, Mario Götze und Julian Draxler. Einziger Turnierneuling in der deutschen EM-Elf wird Jonas Hector sein, der sich den Platz auf der linken Abwehrseite erarbeitet hat.

Dass man gemütlich durch die Vorrunde kommt, ist bei einem Turnier nie der Fall - und jetzt ganz besonders nicht.Bundestrainer Joachim Löw
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