Fußball-EM 2016
Österreich am Boden zerstört

Aleksandar Dragovic (vorne) ist nach seinem verschossenen Elfmeter den Tränen nahe. Trost spendet Florian Klein. Bild: dpa

Island jubelt, Österreich trauert: Nach dem 2:1-Sieg des Außenseiters ist eine große Überraschung bei dieser EM perfekt. Die Isländer dürfen im Achtelfinale gegen ihren großen Wunschgegner England spielen. Österreich fährt nach Hause.

Saint-Denis. Alles, was ein blaues Trikot trug, drehte nach einer der größten Sensationen der EM-Geschichte beinahe völlig durch. Isländische Spieler und isländische Fans standen sich in der Stadionkurve gegenüber, sie sangen, tanzten und jubelten zusammen. Durch einen 2:1 (1:0)-Sieg gegen Österreich schaffte es der krasse Außenseiter aus dem hohen Norden bei seiner ersten großen Turnier-Teilnahme ins Achtelfinale dieser EM. "Ich glaube, wir werden den Nationalfeiertag jetzt vom 17. Juni auf den heutigen Tag umlegen", meinte Trainer Heimir Hallgrimsson. "Was diese Mannschaft hier geleistet hat, ist unglaublich."

Und während in der einen Hälfte des Stade France am Mittwoch alles in einem großen blauen Jubelmeer versank, lagen auf der anderen Seite Bundesliga-Stars wie David Alaba oder Julian Baumgartliner völlig enttäuscht auf dem Rasen. Als eine der großen Enttäuschungen der Europameisterschaft fahren die deutlich stärker eingeschätzten Österreicher nach der Vorrunde nach Hause.

"Das ist ein schwarzer Tag in meiner Karriere. Solche Tage wünscht man sich natürlich nicht", sagte Kapitän Christian Fuchs. "Das Wichtigste ist aber, dass man nach solchen Tagen wieder aufsteht. Es wird schnell wieder vergessen, dass wir uns auf sportlichem Weg zum ersten Mal überhaupt für eine EM-Endrunde qualifiziert haben."

Als Islands Stürmer Jon Dadi Bödvarsson vom 1. FC Kaiserslautern kurz darauf gefragt wurde, wie er sich fühlt, sagte er zunächst: "Keine Ahnung. Das ist zu viel auf einmal." Nach einem kurzen Moment der Besinnung legte er los. "Das ist der größte Moment in der Geschichte des isländischen Fußballs. Wir sind stolz und glücklich."

Im Achtelfinale treffen die Isländer am Montag ausgerechnet auf ihren absoluten Wunschgegner England. Das ist jene Fußball-Nation, die man in dem kleinen Inselstaat mit seinen nur 330 000 Einwohnern traditionell am meisten verfolgt. "England ist das Dream-Team für mich", meine Bödvarsson. "Die habe ich bei Europameisterschaften immer angefeuert, seit ich vier Jahre alt bin. Das ist fantastisch für uns alle."

Der Lauterer Zweitliga-Stürmer hatte sein Team vor 65 714 Zuschauern in Saint-Denis in der 18. Minute in Führung gebracht. Den Siegtreffer erzielte Arnor Freyr Traustason (90.+4) mit der letzten Aktion des Spiels. Dazwischen hatten die Österreicher durch Aleksandar Dragovic (37.) zunächst einen Foulelfmeter verschossen und dann nach dem Ausgleich des Schalkers Alessandro Schöpf (60.) doch noch einmal Hoffnung geschöpft. Sie brauchten unbedingt einen Sieg.

Eine Halbzeit spielte die Mannschaft von Trainer Marcel Koller erschreckend schlecht, nach der Pause machte sie aber viel Druck. "Wir sind super aus der Halbzeit gekommen. Wir hatten genug Chancen, um das Spiel zu entscheiden", haderte Schöpf, der unmittelbar nach dem Ausgleich die große Gelegenheit zum 2:1 vergab. "Eigentlich ist das ein sehr schöner Moment, bei so einem großen Turnier zu treffen. Aber bei mir ist die Enttäuschung viel größer, dass wir ausgeschieden sind."

Das Wichtigste ist aber, dass man nach solchen Tagen wieder aufsteht.Christian Fuchs
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