Fußball-EM 2016
Piqué rettet Spanien

Trotz drückender Überlegenheit dauerte es bis kurz vor Schluss, ehe Gerard Piqué (rechts) den entscheidenden Treffer für Spanien erzielte. Der Europameister von 2008 und 2012 hat damit den ersten Schritt in Richtung Titelverteidigung gemacht. Bild: dpa

Bei der WM 2010 verlor Spanien zum Auftakt gegen die Schweiz - und wurde später Weltmeister. Auch bei der EM tat sich der Titelverteidiger schwer, weil er gegen Tschechien fast bis zum Schluss das Toreschießen vergaß.

Toulouse. Matchwinner Gerard Piqué und Spaniens Fußballer durften sich für ein paar Momente an die glorreiche WM 2010 erinnert fühlen. Nach dem mühsamen 1:0-Sieg gegen Tschechien, tönte immer wieder das "Waka Waka" (This Time for Africa) von Shakira durch das Stade Municipale von Toulouse. Die WM-Hymne von Südafrika war dem Torschützen gewidmet: Schließlich ist die Popsängerin Piqués Lebensgefährtin.

Mit dem späten Kopfballtreffer des Innenverteidigers vom FC Barcelona in der 87. Minute meldete sich Spanien auf der großen Bühne zurück. Zwei Jahre nach dem blamablen Vorrunden-Aus in Brasilien verhinderte "La Roja" gerade noch so eine Enttäuschung. Vor 33 000 Zuschauern blieben die Iberer im 13. EM-Endrundenspiel unbesiegt - und Piqué winkte nach dem Schlusspfiff freudestrahlend ins Publikum.

"Ich glaube, dass wir sehr gut gespielt und die Partie kontrolliert haben. Wir haben viele Chance herausgespielt, aber der Ball wollte einfach nicht rein, und am Schluss hatte ich das Glück, das Tor zu machen", sagte Piqué und lobte seine Teamkollegen: "Die Arbeit, die die Mannschaft geleistet hat, war sensationell."

Allerdings wollten die Spanier den Ball ins Tor tragen. Immer wieder legte der überagende Andrés Iniesta auf, doch weder Alvaro Morata noch Nolito oder die später eingewechselten weiteren Stürmer Aritz Aduriz und Pedro Rodríguez trafen. Erst Iniestas letzte auffällige Aktion, eine Flanke von der linken Seite, führte zum 1:0.

"Wir haben dominiert und die Kontrolle über das Spiel gehabt, das ist das Wichtigste", sagte Trainer Vicente del Bosque. Kritik am mitunter pomadigen Auftritt der Selección wollte er nicht hören. "Wir sind mit dieser Spielweise in den vergangenen Jahren nicht schlecht gefahren." Der Weltmeister-Coach von 2010 verwies kühl darauf: "Es gibt hier eine große Ausgeglichenheit. Nur einmal hat es hier bisher einen Sieg mit mehr als einem Tor Unterschied gegeben."

Del Bosque hatte sich auch von den Schlagzeilen um David de Gea nicht aus der Ruhe bringen lassen: Der Keeper von Manchester United, der in Ermittlungen zu einem Skandal um einen Porno- und Zuhälterring verwickelt ist, durfte zwischen die Pfosten. Für Iker Casillas endete so möglicherweise eine Ära.

Die Tschechen mit ihrem mittlerweile 35 Jahre alten Spielgestalter Tomás Rosicky konnten de Gea nicht groß beschäftigen. Im ersten Duell beider Teams bei einer EM-Endrunde setzten die Tschechen den spielstarken Spaniern immer wieder zwei kompakte Defensivreihen entgegen.

"Zwei Minuten", meinte Tschechiens Trainer Pavel Vrba später bei der Pressekonferenz mit Blick auf Piqués spätes Tor stöhnend. "Zwei Minuten haben gefehlt. Wir haben das Maximale rausgeholt. Es ist schade, dass wir nicht einen Punkt mitnehmen durften." Nach dieser Lehrstunde hat Vrba keinen Zweifel daran, dass der Gegner den Weg zum möglichen dritten EM-Titel eingeschlagen hat: "Spanien hat große Qualität."
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