Fußball-EM 2016
Qualität abrufen und hart arbeiten

Vor der EM musste Vieles besprochen werden. Besonders Manager Oliver Bierhoff erwartet ein hartes Stück Arbeit. Bild: dpa

Das Ziel ist klar: Nach 1972, 1980 und 1996 will Deutschland den vierten EM-Titel. Für den Bundestrainer ist es auch als Weltmeister eine schwierige Mission. Die holprigen zwei Jahre nach dem Triumph beunruhigen Joachim Löw nicht, auch wenn der Manager warnt.

Berlin. Dieser 28. Juni 2012 hat lange Zeit genagt an Joachim Löw. Sein Team war im EM-Halbfinale in Warschau gegen den Erzrivalen Italien 1:2 unterlegen, die taktische Ausrichtung und Personalauswahl war misslungen. "Wir ärgern uns immer noch, dass wir die Chance damals hergegeben haben", sagte Teammanager Oliver Bierhoff noch Monate später. Mit dem WM-Titel zwei Jahre danach in Rio tilgten Löw und die Nationalelf die Enttäuschung des vorangegangenen Turniers.

Nun möchte der DFB-Chefcoach auch noch bei einer Europameisterschaft den ganz großen Wurf schaffen. Er will den vierten deutschen Titel. "Unsere Spieler haben eine enorme Qualität. Es wird darauf ankommen, das wieder auf den Punkt abzurufen", sagte Löw vor seinem fünften Turnier als Bundestrainer. Bierhoff warnte aber auch: "Niemand sollte glauben, dass man auch nur ein paar Prozent von der maximalen Leistungsfähigkeit nachlassen kann und trotzdem Europameister wird."

Turniere sind für Löw etwas ganz Besonderes. Hier hat der Freiburger die Kontrolle, bestimmt die Abläufe, kann alle Entscheidungen auf kurzem Weg treffen. Der WM-Triumph in Brasilien hat gezeigt: Wenn dazu in den Spielen volle Konzentration, Leidenschaft und Disziplin kommen, wird Deutschland auch beim EM-Turnier schwer zu besiegen sein.

Steigerung notwendig


Die EM hat Löw geschickt zum Zwischenschritt zur WM-Titelverteidigung in zwei Jahren in Russland ernannt, um den großen Erwartungsdruck ein wenig zu senken. "Der Titelgewinn in Frankreich wird ein ganz hartes Stück Arbeit. Im Schongang geht das nicht, das haben wir in der Qualifikation gesehen", betonte Bierhoff. Die durchwachsenen zwei Jahre nach dem Triumph in Brasilien beunruhigen Löw aber nicht. "Wir wissen, woran es lag", sagte der 56-Jährige: "Wir müssen uns aber auf jeden Fall um einiges steigern."

Nach den Terroranschlägen in Paris im November des Vorjahres, den das DFB-Team im Stade de France hautnah miterlebt hatte, steht das Turnier in Frankreich für Spieler, Trainer und den Betreuerstab unter einem besonderen Aspekt. "Natürlich ist es ein Thema. Man kann das ja jetzt nicht alles einfach ignorieren", erklärte Löw bei seiner ersten Rückkehr nach Paris zur EM-Auslosung vor fünf Monaten. Schon früh im Turnier wird die DFB-Auswahl gegen Polen am 16. Juni wieder im Stade de France spielen. Fünf Tage später ist Nordirland im Pariser Prinzenpark der letzte Vorrundengegner. Unmittelbar vor der EM, die für Deutschland am 12. Juni in Lille gegen die Ukraine beginnt, soll das Thema noch einmal besprochen werden. "Ansonsten glaube ich, dass Frankreich alles dafür tut, dass hier die Sicherheit gewährleistet ist", sagte Löw.

In Frankreich soll nach 1972, 1980 und 1996 der EM-Pokal zum vierten Mal nach Deutschland geholt werden. Für eine Überraschung sorgte Joachim Löw bei der Kader-Bekanntgabe am 31. Mai. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2014 wird Marco Reus der Nationalmannschaft erneut verletzungsbedingt fehlen. "Er kann nur geradeaus laufen, mehr war im Training zuletzt gar nicht möglich", begründete der Bundestrainer seine Entscheidung. "Wir waren sehr skeptisch, ob er bei dem zehrenden Turnier voll belastbar ist. Es ist für uns und für ihn eine bittere Entscheidung. Mit vollkommener Fitness wäre er eine enorme Bereicherung für uns alle gewesen."

Der Titelgewinn in Frankreich wird ein ganz hartes Stück Arbeit. Im Schongang geht das nicht, das haben wir in der Qualifikation gesehen.Oliver Bierhoff
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