Fußball-EM 2016
Stimmungskiller für Stimmungshoch

Manuel Neuer parierte den Schuss von Leonardo Bonucci im Elfmeterschießen. Der deutsche Keeper war der Sieggarant gegen Italien. Bild: dpa
 
Mario Gomez (rechts) musste gegen Julian Draxler (links) ausgewechselt werden. Es war die letzte Aktion des Stürmers bei dieser EM. Gomez erlitt einen Muskelfaserriss und kann nicht mehr eingesetzt werden. Bild: dpa

Ein Jahrhundertspiel ist's nicht gewesen - aber ein Elfmeterschießen, das in Deutschlands Fußballhistorie eingeht. Turnierneuling Hector und Torwartgigant Neuer sind die Helden gegen Italien. Der Erfolg fordert einen hohen Preis - drei Verletzte und einen Gesperrten.

Évian-les-Bains. Der Dreifach-Schock riss Joachim Löw und seine Italienfluch-Besieger jäh aus dem Stimmungshoch. Für Mario Gomez ist das EM-Turnier beendet. Auch Kapitän Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira kann der Bundestrainer wegen neuer Verletzungen nicht mehr für den Kampf um den so nah gerückten Europameistertitel in Frankreich einplanen. "Es ist sehr bitter, wenn in der entscheidenden Phase des Turniers wichtige Spieler ausfallen", erklärte Löw nach den deprimierenden Diagnosen am Tag nach dem Elfmeterdrama mit Happy-End in Bordeaux. Der erste Turniererfolg einer deutschen Nationalmannschaft gegen Angstgegner Italien forderte einen extrem hohen Preis - der Freudenrausch verflog.

Der zweifache Turniertorschütze Gomez erlitt beim umjubelten 7:6 nach Elfmeterschießen, das sich an ein packendes 1:1 nach 120 Minuten anschloss, einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel. Schweinsteiger zog sich bei einem Schlag auf die Innenseite seines in diesem Jahr schon zweimal verletzten rechten Knies diesmal eine Außenbandzerrung zu.

Und beim im Viertelfinalduell früh verletzten Khedira wurde bei den Untersuchungen im Krankenhaus in Annécy eine Adduktorenblessur im linken Oberschenkel festgestellt. Bei Schweinsteiger und Khedira verbreitete der DFB aber noch eine Resthoffnung für einen weiteren Turniereinsatz.

"Besonders für Mario tut es mir leid. Er hat bei der EM starke Leistungen gezeigt und der Mannschaft nicht nur mit seinen Toren sehr geholfen", äußerte Löw in einer Verbandsmitteilung. Der Bundestrainer richtete den Blick trotzdem kämpferisch nach vorne: "Für uns heißt das, dass wir die neue Situation annehmen und Lösungen finden müssen. Und das werden wir." Die Qualität des Kaders sei hoch. "Ich habe volles Vertrauen in alle Spieler - wir werden am Donnerstag bereit sein und freuen uns auf das Halbfinale in Marseille", sagte er.

Die Euphorie in der Heimat bleibt, aber im DFB-Quartier in Évian herrscht plötzlich Notstand. Schon in der Nacht nach dem Blutdruck steigernden Elfmeterkrimi mit der Rekordzahl von 18 Schützen gab es keine Party, sondern einen Schwur. "Wenn man im Halbfinale steht, will man auch ins Endspiel nach Paris", sagte Teufelskerl Manuel Neuer, neben dem allerletzten Schützen Jonas Hector der Held des Abends am Atlantik. "Was die Mannschaft geleistet hat, ist eines Champions würdig", sagte Khedira, der da schon ahnte, dass er kaum noch helfen kann. Im Halbfinale fällt zudem Abwehrspieler Mats Hummels als weiterer Leistungsträger wegen einer ärgerlichen Gelb-Sperre aus.

Es war kein Jahrhundertspiel gegen Italien, aber ein unglaubliches Elfmeterschießen. Fesselnd, dramatisch, ein ständiges Auf und Ab mit persönlichen Dramen und Glücksmomenten. Und dem Happy-End für das Team, das das Spiel bis zur Elfmeter-Lotterie dominiert hatte. "Wir haben Italien am Ende ein bisschen glücklich niedergerungen, aber wir waren die überlegene Mannschaft", sagte Löw. Mesut Özil (65.) hatte Deutschland in der regulären Spielzeit in Führung gebracht, Leonardo Bonucci (78.) mit einem Handelfmeter ausgeglichen. Nach 120 Minuten stand es auch noch 1:1 - der Wahnsinn folgte.

Was die Mannschaft geleistet hat, ist eines Champions würdig.Sami Khedira
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