Fußball-EM 2016
Traumtor und Alptraum für die Schweizer

Xherdan Shaqiri hebt ab: Mit einem sensationellen Seitfallzieher erzielte der Schweizer den 1:1-Ausgleich gegen die Polen. Im Elfmeterschießen versagten den Eidgenossen aber die Nerven. Bild: dpa

Granit Xhaka spielt eine überragende EM für die Schweizer, bis er im Elfmeterschießen gegen Polen den entscheidenden Fehler macht. Beim Sieger fällt der Jubel nicht allzu euphorisch aus.

Saint-Étienne. Granit Xhaka verband die Entschuldigung für seinen folgenschweren Fehlschuss mit einer demonstrativen Ankündigung. "Wenn's bald wieder ein Elfmeterschießen gibt, werde ich wieder anlaufen, das kann ich versprechen", bekannte der Schweizer Mittelfeldstratege. Für das bittere Achtelfinal-Aus bei der Fußball-EM gegen Polen trug letztlich er die Hauptverantwortung. Als einziger der fünf Schweizer Schützen zielte der bei diesem Turnier sonst so überragende Mittelfeldstratege im Shootout daneben - vorbei war die Chance auf den ersten Viertelfinal-Einzug. Vorwürfe machen wollte dem 23-Jährigen aber niemand aus seinem Team. "Auch Beckham und Ronaldo verschießen Elfmeter", kommentierte Stürmer Haris Seferovic und meinte: "Granit braucht man jetzt nicht groß aufbauen, der hat eine tolle EURO gespielt." Das hatte er in der Tat - und doch bleibt am Ende viel Frust.

Bereits bei der WM vor zwei Jahren in Brasilien war für die Schweizer nach einer Niederlage gegen Argentinien im Achtelfinale Endstation. "Wir haben kein Spiel verloren und sind dennoch ausgeschieden", beklagte Trainer Vladimir Petkovic nun mit Blick auf das 1:1 (1:1, 0:1) nach 120 Minuten. "Wir müssen aus dem Turnier die Lehren ziehen, müssen uns verbessern und es beim nächsten Mal noch besser machen."

Verbandspräsident Peter Gilliéron zeigte sich nach der Rückkehr des Teams in die Schweiz am Sonntag zuversichtlich. "Wir haben einen sehr guten Teamgeist gehabt. Es hat einfach ein wenig die Effizienz vor dem Tor gefehlt", sagte er der Zeitung "Blick". "Aber alle Elemente stimmen mich auch für die Zukunft zuversichtlich." Einen Empfang für die Mannschaft gab es in Zürich nicht, wegen des Erlebniswochenendes am Flughafen war kein Platz für eine Feier mit den Fans.

"Er ist sehr enttäuscht"


Mittelfeldantreiber Xherdan Shaqiri, der die Schweizer mit einem spektakulären Seitfallzieher-Tor überhaupt erst ins Elfmeterschießen geführt hatte, gab Einblick in den Gemütszustand seines Teamkollegen Xhaka: "Er ist sehr enttäuscht, aber jeder kann Fehler machen", kommentierte der Ex-Münchner.

Beim Sieger aus Polen war der Jubel nicht allzu euphorisch und auch in der Heimat war die Begeisterung über das erste EM-Viertelfinale der polnischen Fußball-Historie eher gedämpft. "Der bisher größte Erfolg der Weiß-Roten in der EM-Geschichte erfreut, aber nur, wenn die Umstände außer Betracht bleiben", urteilte der öffentlich-rechtliche Fernsehensender TVP Info. Es gebe vor dem Viertelfinale gegen Portugal am Donnerstag (21.00 Uhr) "einige Gründe für eine tiefere Reflexion", hieß es.

Auch deshalb, weil der Sieg gegen die Schweiz unerwartet hürdenreich war. "Wir mussten bis zum Ende kämpfen und haben wahrscheinlich einen Tick mehr Glück gehabt", gestand Robert Lewandowski, der auch Stunden nach dem Spiel noch mit den Folgen des Brutalo-Fouls von Fabian Schär zu kämpfen hatte. "Wenn ich beim Foul von Schär den Fuß auf dem Boden gehabt hätte, möchte ich gar nicht wissen, was passiert wäre. Ich fürchte, dass ich bei diesem Turnier nicht mehr gespielt hätte", sagte der Bayern-Stürmer mit Blick auf die schmerzhafte Szene aus der zweiten Halbzeit am Samstag. Immerhin scheint sein Einsatz gegen Portugal nach jetzigem Stand nicht gefährdet.
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