Fußball-EM
Frakreich vor Psycho-Test

Frankreichs Spieler wollen auch in der nervenaufreibenden K.-o.-Runde jubeln. Im Achtelfinale wartet Irland, das in der letzten Partie der beiden Nationen durch ein Handspiel um die WM 2010 gebracht wurde. Auch wenn die Spieler von einer Revanche nichts wissen wollen, wird überall darüber gesprochen. Bild: dpa

Sie beteuern, im Spiel nicht dran zu denken. Fans, Medien - jeder redet aber von der Revanche der Iren. Frankreich ist mehr als gewarnt. Das erste K.-o.-Spiel ist für den Gastgeber ein Psycho-Test.

Lyon. Jetzt soll Fußball-Frankreich büßen. "Sie haben es nicht vergessen", fürchtet William Gallas, dessen Tor im November 2009 die Iren auf dem Weg zur WM gestoppt hatte und das durch ein klares Handspiel von Thierry Henry eingeleitet worden war. "Das wird heiß", prophezeit Gallas am Freitag in der französischen Sportzeitung "L'Équipe" und kündigt seinen Besuch bei der Achtelfinal-Partie der EM im Stade du Lyon am Sonntag (15.00 Uhr/ZDF) an.

"Natürlich wird darüber gesprochen, aber ich glaube nicht, dass es uns beeinflussen wird, wenn wir spielen", betont Irlands Trainer Martin O'Neill. Doch selbst ihre Immer-Gute-Laune-Fans sinnen auf Wiedergutmachung und wollen den EM-Gastgeber in jene deprimierte Stimmung versetzen, in der sie das Playoff-Aus ertragen mussten.

Fünf Iren waren an jenem 18. November schon dabei, als die Franzosen in der Verlängerung im Stade de France das entscheidende 1:1 schossen. Aus dem 23-köpfigen Kader der Franzosen erlebten sechs Spieler den Abend im Stade de France entweder auf dem Platz oder der Ersatzbank mit. Er glaube nicht, dass die Iren speziell die Revanche in den Köpfen hätten, meinte Frankreichs Co-Trainer Guy Stephan am Freitag bei einer Pressekonferenz im EM-Quartier in Clairefontaine: "Sie zeichnen sich generell durch Kampfgeist aus."

Die Équipe tricolore ist also mehr als gewarnt. "Wir sind jetzt im Achtelfinale, das ist eine andere Sache", sagt Innenverteidiger Adil Rami vom Europa-League-Seriensieger FC Sevilla, der seine leichten Beschwerden ebenso wie Mittelstürmer Olivier Giroud überwunden hat und wie die restlichen 21 Akteure bereit ist für das Spiel: "Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle einen Zacken zulegen."

Frankreichs vermeintlich großen Vorteil - mehr Zeit zur Erholung - schränkte Stephan ein: "Man muss genau das Mittelmaß zwischen Erholung und Training finden." Drei Tage früher als die Iren bestritten die Franzosen ihr letztes Gruppenspiel am Sonntag gegen die Schweiz (0:0). Zu Wochenbeginn habe man sich auch eher auf einen anderen Gegner vorbereitet, meinte Stephan, schließlich standen die Chancen deutlich höher, gegen Nordirland anzutreten.

Die Iren zogen aber in die nächste Runde am Mittwoch durch das 1:0 gegen Italien ein. "Es sieht nach ein bisschen unverhältnismäßig viel Zeit aus, die ein Team mehr als das andere zur Erholung hat. Das könnte sehr, sehr wichtig werden", sagt O'Neill. Zumal die irische Spielweise auf Physis ausgelegt ist - laufen, kämpfen, kämpfen, laufen. Erst gegen 3.30 Uhr in der Nacht auf Donnerstag kehrten die Iren in ihre Herberge unterhalb des Schlosses von Versailles zurück.

Die Franzosen wissen eins: Je länger es im ersten K.-o.-Spiel Unentschieden steht, umso schwieriger wird es. "Es ist immer noch das Gleiche, wir müssen Fußballspielen. Und wenn möglich das Spiel vor der 85. Minute gewinnen. Denn das könnte psychologisch hart werden", betont Adil Rami.

Sie haben es nicht vergessen. Das wird heiß.William Gallas, ehemaliger französischer Nationalspieler über das irreguläre Tor, das den Iren die WM 2010 kostete
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