Fußball-EM
Mit Schnarch-Sieg eine Runde weiter

Lens. Cristiano Ronaldo akzeptiert für den großen Traum vom EM-Titel sogar den grauslichen Weg des Zweck-Fußballs. Kein Spiel konnte die Fußball-Stilikone auf dem Weg ins Viertelfinale mit Portugal in der regulären Spielzeit gewinnen. Der Schnarch-Sieg gegen Kroatien brachte nun auch noch Häme und Kritik. Doch: Nach dem 1:0 (0:0) nach Verlängerung im Achtelfinal-Langeweiler gegen Kroatien scheint der Weg ins erste Endspiel seit der Heim-EM 2004 für Ronaldo und Co. offen zu stehen.

Kroatiens Coach Ante Cacic brachte die Groteske nach dem teils quälenden Gekicke am Samstagabend in Lens auf den Punkt: "Portugal ist jetzt der neue Favorit. Sie können es bis ins Finale schaffen." Im Viertelfinale am Donnerstag in Marseille (21.00 Uhr) warten die schwächer als Kroatien eingeschätzten Polen. "Das ist das Ergebnis unseres tollen Teamspirits - und von sehr viel harter Arbeit", meinte Innenverteidiger Pepe, der gegen Kroatien wertvoller war als Ronaldo.

Seit der traumatischen 0:1-Niederlage gegen Underdog Griechenland in Lissabon vor zwölf Jahren läuft Ronaldo dem Ziel hinterher, Portugal mit einem internationalen Titel zu beglücken. 2006 WM-Halbfinale, 2008 EM-Viertelfinale, 2010 WM-Achtelfinale, 2012 EM-Halbfinale, 2014 WM-Vorrunde lautet die Bilanz des bisherigen Scheiterns.

Ein einziger Torschuss in 120 Minuten genügte Portugal, um Kroatien auf dem Weg ins Endspiel aus dem Weg zu räumen. Und natürlich hatte Ronaldo seine Füße im Spiel. Kroatiens Danijel Subasic parierte seinen Schuss aus kurzer Distanz. Der eingewechselten Ricardo Quaresma köpfte den Abpraller aber ein. "Fast 120 Minuten lang war es ein ziemlich einfacher Job für uns gegen Ronaldo. Doch dann kam sein Moment", klagte Kroatiens Innenverteidiger Vedran Corluka. Bekommt Ronaldo doch noch einmal die große Chance, auch mit dem Nationalteam etwas zu holen? "Ich habe immer gesagt, dass es mein Traum ist, mit der Nationalmannschaft einen großen Titel zu gewinnen", hatte der inzwischen 31-Jährige bereits vor dem Spiel gesagt. Angesichts der bisherigen Leistungen im Turnier erscheint diese Aussage verblüffend. Zwar spielte Portugal unter dem Strich besser, als es die nackten Ergebnisse erahnen lassen. Doch ein Titelkandidat tritt eigentlich anders auf.

"Kroatien hat in der Gruppenphase den besten Fußball gespielt", meinte auch Portugals Coach Fernando Santos. Als erstes Team gelang es Portugal, die hochgelobten Ivan Rakitic, Luka Modric und Co. zu entwaffnen. "Sie haben uns weit vom Tor weggehalten. Deren Defensive war sehr gut", lobte Kroatiens Coach Cacic. Dies war zwar furchtbar unansehnlich, am Ende aber der Schlüssel zum Sieg.

"Das war ein sehr taktisches Match. Wir haben versucht, das Spiel zu machen, aber Kroatien hat uns nicht gelassen. Und Kroatien hat auch versucht, das Spiel zu machen, aber wir haben sie auch nicht gelassen", beschrieb Santos ein mit Spannung erwartetes Spiel, das sich am Ende als einer der größten Langeweiler bei dieser bislang ohnehin an Höhepunkten so armen EM entpuppte.

Portugal ist jetzt der neue Favorit. Sie können es bis ins Finale schaffen.Kroatiens Coach Ante Cacic
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