Fußball-EM
Rache für WM-Aus

Mats Hummels (links) hatte beim WM-Halbfinale 2014 den französischen Torhüter Hugo Lloris überwunden und zum 1:0 eingeschossen. Jetzt wollen die Franzosen dafür Revanche. Bild: dpa

Marseille statt Maracana: Frankreich bekommt seine Chance auf Wiedergutmachung. Die Mannschaft will Revanche nehmen für das WM-Aus gegen Deutschland. Der Favorit aber bleibt auch für die Franzosen nach der eigenen Gala gegen Island der Weltmeister.

Saint-Denis. Nach der glorreichen Nacht von Saint-Denis wollen Frankreichs Fußballer nun Ruhm und Rache mit einem Sieg gegen den Weltmeister. "Da ist auch eine Revanche offen gegen Neuer und seine Kameraden", betonte Olivier Giroud. Und ergänzte: "Deutschland ist ein bisschen unser Angstgegner. Wir wollen diese Tendenz ändern." Wie schwer der Gipfelsturm aber werden wird, lässt die Schlagzeile der "L'Équipe" vermuten: "Jetzt der Everest."

Bei aller Euphorie nach der mitreißenden 5:2-Vorstellung gegen Island: Die Favoritenrolle schieben die Franzosen der deutschen Mannschaft vor dem Duell am Donnerstag im Stade Vélodrome von Marseille zu. "Selbst wenn auf deutscher Seite Spieler fehlen, können wir uns darauf nicht ausruhen. Wir wissen, dass Deutschland Weltmeister ist, wir wissen, was uns erwartet", meinte Dimitri Payet.

Er und Giroud mit jeweils drei und Antoine Griezmann mit vier Treffern belegen die ersten drei Plätze der Torjägerliste dieser EM - eine derartige Ausbeute gelang in der EM-Historie noch keinem anderen Team. Einen Treffer steuerte der rechtzeitig vor dem Kracher gegen die DFB-Elf immer besser in Form kommende Paul Pogba bei. Fünf der elf Tore in fünf Spielen erzielten die Franzosen mit dem Kopf - ebenfalls ein EM-Bestwert.

Und Giroud meinte trotz des großen Respekts vor Manuel Neuer: "Er ist ein Schlüsselspieler der Mannschaft, aber ich habe schon gegen ihn getroffen. Er ist keine unüberwindbare Mauer." Deutschland ist also gewarnt. "Es ist schwer, gegen Frankreich zu spielen, weil sie neben den Fähigkeiten der einzelnen Spieler auch noch so variabel spielen können", analysierte Islands Trainer Lars Lagerbäck. Allerspätestens seit Sonntagabend ist nicht nur ganz Paris voller Liebe für die Équipe Tricolore. Schon vor der Partie liefen die Spieler in die Fan-Kurve, nach der Gala-Vorstellung defilierten sie ein zweites Mal an den Tribünen vorbei, erschöpft, aber überglücklich und Doppeltorschütze Giroud sogar mit der Tricolore über den Schultern. "Frankreich hat vibriert", schrieb "Le Parisien".

Der Torlos-Fluch der ersten Halbzeit ist beendet, vier Treffer erzielte die Mannschaft von Didier Deschamps im ersten Spielabschnitt. Der Coach hatte sein Team erneut umgestellt, ließ sie im 4-2-3-1-System spielen, so dass Giroud als Spitze und Griezmann direkt dahinter eine Achse bilden.

Wird das auch die Variante sein gegen Deutschland, das bei seinen Personalsorgen in der Abwehr den gesperrten Mats Hummels ersetzen muss? Deschamps lächelte. "Ich habe ein bisschen Zeit, um darüber nachzudenken und werde genau das auch tun." Im Gegensatz zu Kollege Joachim Löw stehen ihm alle Spieler zur Verfügung, keiner ist verletzt, keiner gesperrt.

Vor zwei Jahren war Deschamps mit der Équipe Tricolore im Viertelfinale der WM im Maracana von Rio de Janeiro an Deutschland gescheitert - das Tor zum 1:0-Sieg schoss damals Hummels. Und auch die Halbfinal-Niederlage 1982 in Sevilla mit dem brutalen Foul des damaligen deutschen Torwarts Toni Schumacher gegen Patrick Battiston spukt noch in den Köpfen zumindest der älteren Generationen herum.

Selbst wenn auf deutscher Seite Spieler fehlen, können wir uns darauf nicht ausruhen. Wir wissen, dass Deutschland Weltmeister ist, wir wissen, was uns erwartet.Dimitri Payet
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