Fußball-EM
Von rechts hinten kommt zu wenig

Schwarzenfeld. Ein Weltmeister muss bei einer Europameisterschaft einfach dominanter auftreten - dieser Meinung ist fast ganz Fußball-Deutschland. Auch Adolf Götz reiht sich in die Schar der Enttäuschten ein. "Das war bislang nicht überzeugend von der deutschen Mannschaft. Was wir gegen die Ukraine und Polen gezeigt haben, hat mich nicht vom Hocker gehauen", urteilt der Trainer des Bezirksligisten SV Schwarzhofen.

Während viele Fans ihre Sündenböcke im Offensivbereich suchen, bei einem Mesut Özil oder Mario Götze etwa, zäumt Götz das Pferd aber von hinten auf. "Philipp Lahm ist einfach nicht zu ersetzen. Von der rechten Abwehrseite kommt rein gar nichts für die Offensive", nennt er die Wurzel des Übels. Deshalb plädiert er für einen Wechsel auf dieser Position. "Höwedes raus, Can rein", lautet sein Vorschlag.

Es ist nicht die einzige Umstellung, zu der Götz seinem Trainerkollegen Joachim Löw raten würde. Götze könnte demnach zwar einen Platz in der Anfangsformation behalten, allerdings statt in vorderster Front zurückgezogen auf der Zehner-Position. Özil müsste auf der Bank Platz nehmen. Für "Super-Mario" würde Götz "Besiktas-Mario" als Brecher in das Sturmzentrum stellen. "Die langen Bälle von Boateng könnte Gomez auch mal nach hinten ablegen, zu Götze oder Kroos", beschreibt er seine taktische Variante.

Überhaupt Boateng. Auf ihn lässt Götz nichts kommen. "Dass wir noch kein Gegentor bekommen haben, ist ihm geschuldet. Zusammen mit Hummels ist er eine Macht." In der Summe, mutmaßt der Schwarzhofener Coach, könnte eine funktionierende Abwehr der Schlüssel sein. "Das schnelle Umschaltspiel in die Offensive funktioniert noch nicht", hat Götz beobachtet. "Vielleicht ist diesmal eine kompakte Defensive das Erfolgsrezept." Auf keinen Fall jedoch dürfe man die Nordiren unterschätzen: "Die sind kopfballstark und bei Standardsituationen gefährlich. Das ist keine schlechte Truppe, die man im Vorbeigehen mitnehmen kann." Sein Tipp lautet dennoch: 3:1 für Jogis Mannen.

Ob's im weiteren Verlauf zum vierten deutschen EM-Titel nach 1972, 1980 und 1996 reicht? "Spanien ist ein ernsthafter Kandidat, aber ich tippe auf Frankreich oder unser Team", sagt Götz. Allerdings hofft er, dass die Qualität der Spiele spätestens in der K.-o.-Runde endlich besser wird. "Es sind die selben Spieler, aber zwischen den Partien in der Champions-League und dem Niveau dieser EM liegen fast schon Welten."

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Adolf Götz ist seit Jahren als Fußball-Trainer unterwegs. Seinen größten Erfolg feierte der 48-Jährige beim 1. FC Schwarzenfeld mit dem Aufstieg in die Landesliga. Mehr als zehn Jahre lang leitete der Schwarzenfelder auch den DFB-Stützpunkt an seinem Heimatort. Beim Bezirksligisten SV Schwarzhofen geht Götz als Coach in die fünfte Saison.
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