Fußball-EM
Zweikämpfer mit schlechtem Ruf

Nicht zimperlich geht der Portugiese Pepe (rechts), wie hier gegen den Polen Kamil Grosicki, zu Werke. Allerdings ist sein Einsatz für das Halbfinale wegen einer Verletzung fraglich. Bild: dpa

Marcoussis. Pepe rennt, kämpft, grätscht, reklamiert und bearbeitet seine Gegner: Der portugiesische Verteidiger nutzt bei dieser Fußball-Europameisterschaft wieder einmal alle Mittel, um die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung zu treiben. Und das mit Erfolg: Portugal steht im EM-Halbfinale gegen Wales, und der 33 Jahre alte Pepe spielt ein starkes Turnier. Der Fußballer von Real Madrid, der vor allem durch seinen Ruf als Schauspieler und fieser Zweikampfer bekannt ist, steht bislang auch exemplarisch für Portugals EM.

Noch nicht geglänzt


Die Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo und Talent Renato Sanches glänzt bei diesem Turnier noch nicht durch berauschendes Offensivspiel und traumhafte Kombinationen. Vielmehr wurschtelte sich die Selecção ins EM-Halbfinale, gewann von ihren bislang fünf Spielen noch keines über 90 Minuten. Dass sie dennoch erfolgreich ist, daran hat auch Pepe einen gewaltigen Anteil. Der Abwehrchef spielt eine starke EM und fiel statt mit Schauspieleinlagen oder Tätlichkeiten mit starkem Verteidigen und Leader-Qualitäten auf.

"Pepe ist ein echter Anführer unseres Teams", lobte Trainer Fernando Santos den Verteidiger, der mit bürgerlichem Namen Képler Laveran Lima Ferreira heißt. "Teams brauchen Anführer, und Pepe macht das fantastisch", sagte er. Umso bitterer ist es für die Portugiesen, dass Pepe nun für das EM-Halbfinale ausfallen könnte. Am Montag pausierte der Abwehrspieler wegen Oberschenkelproblemen mit dem Training - nach Verbandsangaben eine "Vorsichtsmaßnahme". Eine genaue Diagnose gab es zunächst nicht.

Pepe polarisiert mit seinem Verhalten auf dem Platz oft, kaum ein Spieler hat so einen schlechten Ruf wie er. Zwar spielt er seit 2007 für Real Madrid und bringt dort konstant gute Leistungen, doch mit seinen Schauspieleinlagen wie im Königsklassen-Finale gegen Atlético Madrid oder Tätlichkeiten hat er sich viele Feinde gemacht.

Privat ganz anders


"Pepe ist ein gigantisches Arschloch", schrieb Ex-Profi Gary Lineker noch während Portugals erstem EM-Spiel gegen Island auf Twitter. Schon während des Champions-League-Finals hatte er Pepe beschimpft. Doch so rücksichtslos und arrogant Pepe sich auf dem Platz gibt - privat soll der Profi ganz anders sein. Und bei dieser EM glänzt er und war bislang für sein Team sogar oft wichtiger als Superstar Cristiano Ronaldo.
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