Fußball
Emotionaler Abschied

In seinem letzten Länderspiel durfte Bastian Schweinsteiger (Nummer 7) noch einmal einen Sieg bejubeln. Die deutsche Nationalmannschaft gewann in Mönchengladbach gegen Finnland mit 2:0. Bild: dpa

"Servus Basti": Es war ein emotionaler Schweinsteiger-Abschied. Gegen Finnland trägt der Weltmeister zum letzten Mal die Kapitänsbinde. Bundestrainer Löw wird das Amt vor dem Start in die WM-Qualifikation neu vergeben. Das 2:0 in Mönchengladbach hat wenig sportlichen Wert.

Mönchengladbach. Von Manuel Neuer und Thomas Müller wurde er auf den Schultern in die Fankurve getragen - die ganze Mannschaft warf ihren scheidenden Kapitän in die Luft. Dieser Abend gehörte nur Bastian Schweinsteiger. Bei seinem tränenreichen Abschied hat der scheidende DFB-Kapitän mit einer blutjungen Nationalmannschaft noch einmal einen Sieg bejubeln können. "Jeder ist traurig. Wir wissen, was für ein großartiger Kerl und Fußballer er ist", sagte Mesut Özil. "Ohne ihn wären die Erfolge nicht möglich gewesen", betonte Bundestrainer Joachim Löw nach zwölf gemeinsamen Jahren.

2:0-Sieg gegen Finnland


Die Weltmeister-Auswahl gewann im letzten Länderspiel ihres Anführers gegen Finnland mit 2:0 (0:0) und schenkte dem 32-Jährigen ein herzliches Servus der 30 121 Fans. Der gut elf Jahre jüngere Max Meyer (54. Minute) und Özil (78.) in seinem 80. Länderspiel erzielten am Mittwoch in Mönchengladbach die Tore. "Dass es so schön sein würde, hätte ich mir nicht erträumt. Es hat mich sehr gerührt", sagte Schweinsteiger. "Die Nationalmannschaft ist wie eine Familie."

Sportlich wieder ernst wird es für die Fußball-Nationalelf am Sonntag in Oslo, wenn gegen Norwegen gleich der erste Sieg auf dem Weg zur WM-Titelverteidigung 2018 in Russland gelingen soll. Im Mittelpunkt stand im Borussia-Park noch einmal Schweinsteiger, der nach 66 Minuten für Julian Weigl ausgewechselt wurde und seine schwarz-rot-goldene Binde mit auf die Bank nahm. "Schweinsteiger, Fußball-Gott", skandierten die Zuschauer. "Besser kann ich es mir nicht vorstellen", bemerkte Torschütze Meyer.

Schon vor dem Anstoß war die Stimmung emotional. "Es war für mich eine große Ehre, für Deutschland und euch Fans zu spielen", sagte der 32 Jahre alte Schweinsteiger über das Stadionmikrofon. Die Zuschauer im Borussen-Park applaudierten minutenlang. Schweinsteiger liefen die Tränen über das Gesicht, seine Familie jubelte auf der Tribüne. "Ich spüre einen tiefen Dank", rief der Weltmeister.

Spiel ein Talente-Test


In seinem letzten Einsatz nach über zwölf Jahren im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes musste Routinier Schweinsteiger ein junges und völlig neu zusammengestelltes Team anführen. Bundestrainer Joachim Löw machte aus der Generalprobe für die am Sonntag in Norwegen startende WM-Qualifikation einen Talente-Test. Der scheidende Kapitän konnte allein auf mehr Länderspiel-Einsätze verweisen (121) als seine zehn Mitspieler zusammen (117).

Schweinsteiger leitete die erste gefährliche Aktion ein - doch Torhüter Lukas Hradecky war zur Stelle. Der zum FC Arsenal gewechselte Shkodran Mustafi, neben Schweinsteiger und Mario Götze der einzige Weltmeister in der Startelf, köpfte wenig später aus sechs Metern über das Suomi-Tor. Den größten Beifall aber gab es immer, wenn Schweinsteiger - meist unbedrängt - am Ball war.

Die drei olympischen Silbermedaillen-Gewinner von Rio, die Löw ins A-Team und gleich in die Startelf befördert hatte, brachten sich gut ins deutsche Spiel ein. Der Hoffenheimer Niklas Süle als 83. Neuling in der Ära Löw verteidigte in der Dreierkette ohne Probleme und schoss mutig aus der Distanz (42.). Der agile Schalker Meyer und der Leverkusener Julian Brandt waren an gefälligen Offensiv-Kombinationen beteiligt. Die Anfangself wies einen Altersschnitt von gerade einmal 22,6 Jahren auf - Schweinsteiger nicht mitgerechnet.
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