Fußball
Englands Top-Joker entfachen Sturmdebatte

Der Joker ebnete England den Weg zum Sieg: Jamie Vardys gute Leistung im Spiel gegen Wales sorgt für eine Stürmerdebatte in der englischen Nationalmannschaft. Bild: dpa

Lens. Den Kau-Tabak ließ Jamie Vardy nach seinem Traum-Einstand bei der EM lieber in der Tasche. Statt mit seinem Lieblings-Laster will Englands Top-Joker in Frankreich durch weitere sportliche Großtaten für die Three Lions Schlagzeilen machen. "Wir haben noch nichts gewonnen", warnte Vardy nach dem 2:1 über Wales. "Wir brauchen jetzt unbedingt einen Sieg im letzten Spiel, um die Gruppe auch als Erster abzuschließen."

Mit seinem Ausgleichstreffer ebnete der 29-Jährige nicht nur den Weg für eine Top-Ausgangslage im Kampf um den Achtelfinaleinzug, sondern setzte auch einen weiteren Höhepunkt in seinem persönlichen Fußball-Märchen. Dabei offenbarte Vardy ein neues prickelndes Detail in der Geschichte vom Amateurkicker, der vor vier Jahren noch in der fünften Liga spielte, hin zum gefeierten Multi-Millionen-Mann.

Begeisterte Medien


Der britische Boulevard hatte in Frankreich begeistert registriert, als Vardy vor einem Training mit Energydrink und Kautabak-Döschen in der Hand von Paparazzi abgelichtet wurde. Das habe er schon immer so gemacht, erklärte der Stürmer von Englands Meister Leicester City mit einem breiten Grinsen den für einen Profi ungewöhnlichen Konsum. Schulterzucken - alles ganz normal.

"Angetrieben von Koffein und Nikotin entfacht ein aufgedrehter Vardy den Funken bei England", titelte die "Daily Mail" nach dem ersten Turniersieg seit vier Jahren folgerichtig. "Jamie hat so viel Selbstvertrauen. Ich hatte keinerlei Zweifel in der Halbzeit, ihn zu bringen", lobte Trainer Roy Hodgson. "Es ist großartig, dass wir jemanden wie Jamie Vardy haben."

Weil auch Daniel Sturridge als zweiter Einwechselspieler beim emotionalen Sieg traf, ist vor dem Gruppen-Showdown mit der Slowakei am Montag in England nun eine große Sturm-Debatte entbrannt. Weder Premier-League-Torschützenkönig Harry Kane noch Raheem Sterling bisher überzeugen - und stehen nun vor der Verbannung auf die Bank.

"Roy musste seinen Kopf riskieren und diese Wechsel machen. Sie waren mutig und sie waren richtig", schrieb der frühere England-Kapitän Alan Shearer in der "Sun" zur Doppel-Einwechslung. "Kanes Chance könnte im nächsten Spiel bereits vorbei sein, weil Roy Hodgson nun mit Vardy und Sturridge starten muss." Der "Guardian" forderte: "Wenn sich der Mut für Hodgson bezahlt gemacht hat, warum sollte er jetzt damit aufhören."

Rashford jüngster Spieler


Lange Zeit war Englands 68 Jahre alter Coach als konservativ verschrien - während des Turniers beweist er wie schon bei der Nominierung eines extrem jungen Kaders neuen Sinn für Wagnis. "Das war wahrscheinlich die beste Doppel-Auswechslung, die ich je gemacht habe bei dieser EURO - aber es waren ja erst zwei Spiele", scherzte Hodgson. In der Schlussphase brachte er zudem noch den 18 Jahre alten Youngster Marcus Rashford als jüngsten Spieler der englischen EM-Geschichte aufs Feld.

Gegen die Slowakei reicht nun ein Punkt zum sicheren Weiterkommen, mit einem Sieg wäre der Gruppensieg perfekt. Bis Montag wird die Frage, wer für die Three Lions stürmt, Englands Fans beschäftigen - und auch Hodgson. "Die Spieler haben zwei Partien in kurzer Zeit absolviert", erklärte er. "Die Aufstellung für das dritte Spiel bereitet dir immer Kopfschmerzen."
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