Fußball
Flankengott aus dem Ruhrpott

Gelsenkirchen. In den 1970er Jahren war er so etwas wie Leroy Sané heute beim FC Schalke 04. Rüdiger Abramczik, von allen nur "Abi" gerufen, durfte schon mit 16 Jahren bei den Profis trainieren und feierte mit 17 sein Debüt in der Fußball-Bundesliga. Mit Torjäger Klaus Fischer bildete der "Flankengott aus dem Kohlenpott" einst ein kongeniales Sturmduo. Noch immer kickt Abramczik gern mit früheren königsblauen Stars in der von Olaf Thon betreuten Traditionself.

Wenn Abramczik am Donnerstag seinen 60. Geburtstag feiert, muss der Ball ein paar Tage ruhen. "Am Wochenende werde ich schön mit der Familie essen gehen", verriet der frühere Rechtsaußen. Tochter Johanna (26) und Sohn Felix (30) kommen aus Gießen bzw. Hamburg zu Besuch nach Gelsenkirchen. "Schalke hat mich eingeladen, mit zum Europa-League-Spiel nach Lwiw gegen Donezk zu fliegen, aber das habe ich abgesagt. In der nächsten Woche gibt es eine kleine Feier vom Verein."

"Flanke Abramczik, Tor Fischer" - so lautete es häufig in der Frühphase der Bundesliga. In einer hoffnungsvollen Schalker Elf ließ vor allem dieses Duo die Fans von der Meisterschaft träumen. Bis sich das später als "FC Meineid" beschimpfte Team 1971 in den Bundesligaskandal verstrickte. Abramczik war als Jugendspieler in das düsterste Kapitel der Clubgeschichte aber nicht involviert.

Zum großen Nachbarn


Mit 10 Jahren wechselte er von seinem Stammclub Erle 08 zum großen Nachbarn. Sein Vater war Schlosser und wie viele im Ruhrgebiet "auf Zeche" tätig. Seinem talentierten Sohn wollte er eine Zukunft unter Tage ersparen, führte ihn dennoch mit harter Hand. "Er war sehr kritisch und hat mich nach schlechten Spielen schon mal stehen lassen. Da musste ich nach Hause laufen oder mir 50 Pfennig für die Straßenbahn leihen", erklärte Abramczik. Er wurde erst zum Herausforderer und dann zum Nachfolger von Schalker-Idol Reinhard "Stan" Libuda. "Er hat mich als Konkurrent gesehen und mir gleich mitgeteilt, dass ich nie so gut werde wie er", erzählte Abramczik. Gleichwohl gelingt ihm mit 316 Bundesligaspielen (77 Tore) zwischen 1973 bis 1988 eine beeindruckende Karriere. Wie zuvor Libuda wagte er den Tabubruch und wechselte von Schalke zum Rivalen Borussia Dortmund. "Schalke hatte wieder mal kein Geld und musste mich verkaufen. Ich war schnell einig mit Dortmund, doch kurz darauf wollte mich Uli Hoeneß zu den Bayern holen", gab Abramczik zu, deswegen "schlaflose Nächte" gehabt zu haben.

Weil er für die WM 1974 noch zu unerfahren war und er es sich später aufgrund seiner vorlauten Art mit dem DFB verscherzte, brachte es Abramczik nur auf 19 Länderspiele. Im Spätherbst der Karriere versuchte er sich auch im Ausland, spielte ein Jahr lang für Galatasaray Istanbul. Als Trainer wurde er mit Engagements in der Türkei, in Bulgarien und Lettland fast zum Weltenbummler. Noch immer erreichen Abramczik ab und zu Anfragen aus aller Welt, doch die aus China und Aserbaidschan seien zuletzt nicht "richtig reizvoll" gewesen. Da bleibt er lieber in Gelsenkirchen, wo er nach wie vor sein Geschäft "Abis Sport-Shop" im Stadtteil Erle betreibt.
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