Fußball
Fußball-Fest in Zeiten des Terrors möglich?

EM-Organisationschef Jacques Lambert schloss nicht aus, dass EM-Spiele auch vor leeren Rängen stattfinden könnten. Bild: dpa

Paris. Frankreichs Behörden wollen jedem Zweifel entgegentreten: Die Fußball-Europameisterschaft findet statt - und es wird alles getan, um Spieler und Fans zu beschützen. Sportminister Patrick Kanner wiederholt wie ein Mantra, dass kein Sportereignis dieser Größenordnung in Frankreich jemals so stark geschützt worden sei.

Steht die EM jetzt infrage?

Die Gastgeber sagen Nein. "Das wäre eine Niederlage, damit würde man den Terroristen einen Sieg geben", sagte Premierminister Manuel Valls. Frankreich habe mit der UN-Klimakonferenz wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bewiesen, dass es solche Großereignisse stemmen könne. Immer wieder wird darüber gesprochen, ob Spiele notfalls vor leeren Rängen stattfinden könnten. Nun fachte Uefa-Vizepräsident Giancarlo Abete die Debatte neu an. "Das Risiko von Partien hinter verschlossenen Türen existiert immer, weil es um einen Wettbewerb geht, der um jeden Preis stattfinden soll", sagte er nach den Brüsseler Anschlägen. "Man kann keine Spiele auf andere Tage verschieben, weil in einem Turnier alles davon abhängt, dass festgelegte Daten eingehalten werden." EM-Organisationschef Jacques Lambert schloss nicht aus, dass solche Szenarien für den Notfall existieren. Er betonte jedoch in einem Interview, dies sei absolut nicht das Ziel - "das wäre eine offenkundige Absurdität".

Wie ist die Sicherheitslage in Frankreich?

Das Land steht noch immer unter dem Eindruck der blutigen Terroranschläge des vergangenen Jahres. Die Behörden warnen, die Bedrohung sei noch nie so hoch gewesen. Nach wie vor gilt der Ausnahmezustand.

Werden die EM-Stadien zur Festung?

In jedem Fall müssen Fans Geduld mitbringen: Jeder Zuschauer soll durchsucht werden. Die Stadien sollen konsequent abgeriegelt werden, nach einem Bericht von "L'Équipe" könnten Metalldetektoren und Drohnen genutzt werden. Die Polizei hat demnach Urlaubssperre. Die Uefa will 10 000 private Sicherheitsleute engagieren. Fans sollten frühzeitig zum Stadion kommen, die Zahl der Polizisten wurde verdreifacht, beim Sicherheitsdienst standen statt sonst 750 etwa 900 Mitarbeiter bereit, Spürhunde und Scharfschützen wachten am Stadion.

Wie sieht es außerhalb der Stadien aus?

Dies ist nach Ansicht von Kritikern der eigentliche schwache Punkt. Sie warnen, vor allem die Fanmeilen seien mögliche Anschlagsziele, die nur schwer zu sichern sind. Zu den 51 Spielen werden rund 2,5 Millionen Zuschauer in den Stadien erwartet, in den zehn Fanzonen könnten es weitere 7 Millionen sein. Die Behörden haben angekündigt, auch hier strenge Vorkehrungen zu treffen. Zugänge werden gesichert, Besucher durchsucht, die Gelände per Video überwacht. Und Innenminister Bernard Cazeneuve schließt nicht aus, Fanzonen bei Gefahr abzusagen.

Können die Mannschaften sich überhaupt auf das Spiel konzentrieren?

Sport-Staatssekretär Braillard betonte, Elite-Polizisten seien zum Schutz von Spielern und Mannschaftsquartieren abkommandiert. Nach Ansicht von Uefa-Funktionär Abete ist die Bedrohung eine Realität, mit der der Sport leider leben müsse: "Wir müssen den Kopf hoch halten und unseren eigenen Werten vertrauen."
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