Fußball
Hannes Löhr fehlt dem Fußball

Die Spieler der deutschen Olympiamannschaft Uwe Kamps, Ralf Sievers, Jürgen Klinsmann, Michael Schulz und Kapitän Frank Mill (von links) tragen Trainer Hannes Löhr, nachdem sie am 30. September 1988 in Seoul das Spiel um die Bronzemedaille gegen Italien mit 3:0 gewonnen hatten. Bild: dpa

Der Bundesliga-Rekordtorschütze des 1. FC Köln lebt nicht mehr: Hannes Löhr, einer der beliebtesten Spieler des Geißbock-Clubs. Auch im DFB genoss der in Eitorf geborene Löhr einen exzellenten Ruf. Er führte die DFB-Auswahl 1988 in Seoul zu Olympia-Bronze.

Köln. Einer der Großen des deutschen Fußballs ist tot. Johannes "Hannes" Löhr ist am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben. Im Frühjahr 2015 hatte der am 5. Juli 1942 in Eitorf an der Sieg geborene Löhr einen Schlaganfall erlitten. Noch kurz vor Weihnachten hatte er im DFB-Interview über die Folgen dieser Erkrankung gesprochen und sich für 2016 zuversichtlich geäußert: "Ich habe noch viel vor."

Kein Lautsprecher


Ein Lautsprecher seiner Zunft war Löhr nie - eher ein Mann der leisen Töne, bescheiden im Auftreten, obwohl er Großes leistete. Häufig war er bei den Heimspielen seines Stammvereins in Müngersdorf unter den Zuschauern, "das ist mir ganz wichtig", ließ er einst wissen. Der FC war für ihn auch immer eine Art Familie. Die FC-Profis werden im Gedenken an Hannes Löhr im Spiel beim FC Ingolstadt am Dienstagabend mit Trauerflor antreten.

"Der Tod von Hannes Löhr trifft mich sehr. Er gehörte ohne Zweifel zu den größten Persönlichkeiten, die ich kennenlernen durfte", sagte FC-Vizepräsident Toni Schumacher über den Verstorbenen. Löhrs Qualitäten als Spieler, Trainer und auch als Funktionär seien unbestritten, fügte Schumacher hinzu. Löhrs langjähriger Weggefährte und Freund Wolfgang Overath sagte der "Bild": "Das ist grausam. Wir haben fast 50 Jahre miteinander verbracht."

Auch Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich betroffen: "Mich macht die Nachricht vom plötzlichen Tod von Hannes Löhr sehr traurig. Nicht nur in Köln war er eine Fußball-Institution, auch beim DFB hat er Spuren hinterlassen, besonders bei der U21 und im gesamten Nachwuchsbereich." Für die DFB-Auswahl bestritt Löhr 20 Länderspiele. Er gehörte beim EM-Sieg 1972 zum Nationalkader und war 1970 in Mexiko WM-Teilnehmer. Für "seinen" FC absolvierte er zwischen 1964 und 1978 insgesamt 381 Bundesligapartien, in denen ihm 166 Treffer gelangen. Damit ist Löhr, der wegen seiner Nase in Köln nur "De Nas" gerufen wurde, noch immer Rekord-Torschütze des Geißbock-Clubs. 1968 war er mit 27 Treffern Torschützenkönig der höchsten deutschen Spielklasse.

Olympia-Bronze 1988


Als DFB-Trainer feierte Löhr seinen größten Erfolg 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul. Damals führte er das Team, zu dem unter anderem Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler, Frank Mill oder der vor einem Jahr gestorbene Wolfram Wuttke gehörten, zum Gewinn der Bronzemedaille. "Besonders in Erinnerung geblieben ist mir diese einmalige Stimmung und Atmosphäre" - so dachte Löhr noch vor gut drei Monaten an das Turnier von Südkorea zurück.

"Hannes Löhr war über seine Zeit als Spieler, Trainer und Funktionär hinaus dem FC immer eng verbunden, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen", sagte Werner Spinner, Präsident des 1. FC Köln. "Wir werden Hannes Löhr unendlich vermissen und ihn nie vergessen."
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