Fußball
Hoeneß wird wieder Bayern-Boss

Strahlende Gesichter bei Uli Hoeneß (vorne) und Franz Beckenbauer: Hoeneß kandidiert nach Verbüßung seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wieder für das Präsidentenamt beim FC Bayern München, Ehrenpräsident Beckenbauer hat sich immer dafür ausgesprochen. Bild: dpa
 
"Uli ist für den Verein sowas von wichtig. Ohne ihn wäre der FC Bayern nicht da, wo er jetzt steht." Zitat: Bayern-Kapitän Philipp Lahm über Uli Hoeneß

Jetzt ist es perfekt: Uli Hoeneß übernimmt wieder das Kommando beim FC Bayern München. Im November kann er gewählt werden - neun Monate nach seiner Entlassung aus der Haft wegen Steuerhinterziehung.

München. Der FC Bayern bekommt seinen Uli Hoeneß zurück und Uli Hoeneß seinen FC Bayern. Ein knappes halbes Jahr nach seiner Haftentlassung lüftete der 64-Jährige am Montag das längst offene Geheimnis um seine Zukunft beim deutschen Fußball-Rekordmeister. Im November kandidiert er wieder als Präsident. Amtsinhaber Karl Hopfner verzichtet bei der Jahreshauptversammlung, die Wahl von Hoeneß ist ohnehin Formsache. Hopfner wird als Hoeneß' Platzhalter in die Vereinshistorie eingehen. Der so erfolgreiche wie streitbare Macher Hoeneß steht nach seinem tiefen Fall damit vor dem von vielen ersehnten Comeback an der Säbener Straße.

Ob der 2014 wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilte und Ende Februar vorzeitig aus der Haft entlassene Manager dann auch wieder Aufsichtsratsvorsitzender wird, wurde zunächst nicht bekannt. Traditionell leitet bei den Bayern der Vereinspräsident auch das Kontrollgremium der Profi-Abteilung.

"Das war's noch nicht!"


"Das war's noch nicht!", hatte ein emotionaler Hoeneß im Mai 2014 den jubelnden Anhängern bei seiner bis dato letzten Mitgliederversammlung zugerufen. So wollte sich der Ex-Profi nicht von seinem Lebenswerk verabschieden, als verurteilter Steuerhinterzieher, als Sträfling.

Das Comeback zeichnete sich länger ab. Die Meisterfeierlichkeiten im Mai in der Allianz-Arena und im Rathaus genoss Hoeneß und trat sogar auf, als sei er längst wieder in Amt und Würden. Zuvor war er bereits wieder mit den Bayern auf Champions-League-Reisen gegangen und hatte in einer TV-Show über die Basketball-Abteilung referiert.

Einigkeit bei Bayern-Familie


Die Bayern-Familie demonstrierte zuletzt Einigkeit darin, Hoeneß zur Rückkehr zu ermutigen - vor allem als sich abzeichnete, dass der Club-Patron nur die Hälfte der Haftstrafe absitzen muss und er schließlich am 29. Februar entlassen wurde. "Er ist grundsätzlich eine Bereicherung für den FC Bayern", sagte etwa Nationalspieler Thomas Müller. "Uli ist für den Verein sowas von wichtig. Ohne ihn wäre der FC Bayern nicht da, wo er jetzt steht", betonte Kapitän Philipp Lahm. Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, mit dem Hoeneß die Bayern zum Weltverein geformt hatte, und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sprachen sich stets für eine Rückkehr aus.

Auch die mächtigen Sponsoren der Münchner wichen Hoeneß nicht von der Seite - selbst als dieser vom Landgericht wegen Steuerhinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig gesprochen wurde. "Der Uli Hoeneß hat so viel für den FC Bayern gemeistert", sagte Adidas-Chef und Aufsichtsrats-Vize Herbert Hainer der Deutschen Presse-Agentur am Montag. "Jeder im Verein sehnt sich danach, dass er wieder stärker eingebunden wird. Ich habe es heute gelesen; es war für mich nicht überraschend, und natürlich freut mich das."

Hainer selbst hatte nach dem Rücktritt von Hoeneß am 14. März 2014 den Vorsitz im Aufsichtsrat interimsmäßig übernommen, ehe Karl Hopfner auf den Posten gewählt wurde. Dieser soll nun wieder ins zweite Glied rücken, auch wenn er in den vergangenen Monaten Gefallen gefunden hat an den neuen Aufgaben an der Spitze des Rekordchampions.

"Dies haben Karl Hopfner und Uli Hoeneß bei sehr angenehmen Gesprächen einvernehmlich so vereinbart", hieß es in der Mitteilung zum Verzicht Hopfners auf eine neue Kandidatur. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber, selbst im Aufsichtsrat, lobte diese Entscheidung als "Bayern-like".

21 Monate in Haft


Hoeneß war 21 Monate in Haft, 14 davon im offenen Vollzug. Bei den Bayern hatte er Anfang 2015 als Freigänger einen Job im Jugendbereich bekommen. An der Säbener Straße war er immer schon mehr als nur ein Profi, Manager und bis zu seiner Verurteilung 2014 Präsident. Der gebürtige Ulmer führte den Verein an die nationale und internationale Fußball-Spitze und wurde das Gesicht des stolzen "Mia-san-Mia"-Clubs.

Jeder im Verein sehnt sich danach, dass er wieder stärker eingebunden wird.Adidas-Chef und Aufsichtsrats-Vize Herbert Hainer


Uli ist für den Verein sowas von wichtig. Ohne ihn wäre der FC Bayern nicht da, wo er jetzt steht.Bayern-Kapitän Philipp Lahm über Uli Hoeneß
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