Fußball
Hrubesch mit Kompromissen

Für die Bender-Zwillinge Lars (links) und Sven ist das olympische Turnier in Rio eine besondere Herausforderung. Bild: dpa

Zum ersten Mal seit 1988 startet wieder ein deutsches Männerteam im olympischen Fußball-Turnier. Coach Hrubesch hatte eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Sylvia Neid steht mit den deutschen Frauen vor ihrem letzten großen Turnier als Bundestrainerin.

Frankfurt. Olympia kann kommen: Einen Tag später als geplant haben Horst Hrubesch und Silvia Neid am Freitag ihre Kader für die Fußball-Turniere bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro benannt. Bei den Männern musste U21-Nationalcoach Hrubesch unter schwierigen Umständen sein 18-köpfiges Aufgebot zusammenstellen. Die Personalentscheidungen bei den Frauen gingen weit reibungsloser vonstatten.

Den früheren Bundesliga-Stürmer Hrubesch zwangen die Bedürfnisse einiger Ligaclubs und die gerade beendete Europameisterschaft zu Kompromissen. Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC etwa gaben ihre Spieler nicht ab, weil sie schon früh in der Champions-League- und Europa-League-Qualifikation antreten müssen. Auf die EM-Fahrer Joshua Kimmich, Leroy Sané, Julian Weigl und Jonathan Tah muss der Coach ohnehin verzichten.

Hrubesch ist dennoch von seinem Kader überzeugt. "In der Mannschaft haben wir eine gute Mischung aus der aktuellen U21-Nationalmannschaft und älteren Spielern gefunden. Die Qualität des Teams ist trotz der schwierigen Nominierung absolut top", bekräftigte der 65-Jährige.

Ohne Superstar


Mit Weltmeister Matthias Ginter von Borussia Dortmund, den 27 Jahre alten Zwillingen Lars und Sven Bender (Leverkusen/Dortmund) sowie den bereits in der A-Mannschaft erprobten Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Max Meyer und U21-Kapitän Leon Goretzka (beide Schalke) hat Hrubesch einige namhafte Akteure dabei. Einen Superstar wie den Brasilianer Neymar kann Hrubesch allerdings nicht aufbieten.

Hrubesch und die Spieler können die Sommerspiele kaum abwarten. "Das Ziel Rio begleitet mich schon sehr lange. Das wird für uns ein einmaliges Erlebnis, von dem die Spieler noch ihren Enkeln erzählen werden", sagte der DFB-Coach. Dortmunds Ginter hatte "schon früh signalisiert, dass ich gerne mitfahren möchte". Und für den Leverkusener Lars Bender ist "die Nominierung etwas ganz Besonderes". Einziger Legionär im Team ist Serge Gnabry vom FC Arsenal. Die DFB-Elf trifft in der Vorrunde des olympischen Turniers auf Mexiko, Südkorea und Fidschi.

Neid auf Abschiedstour


Bundestrainerin Silvia Neid geht mit sechs Bronze-Gewinnerinnen von Peking 2008 in ihr Abschiedsturnier, bevor sie ihr Amt an Steffi Jones übergibt. Saskia Bartusiak, Simone Laudehr, Annike Krahn, Babett Peter, Anja Mittag und Melanie Behringer spielten bereits vor acht Jahren in Peking mit. Meister FC Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg stellen mit jeweils fünf Spielerinnen das Gros im 18-köpfigen Aufgebot, in dem Stürmerin Anja Mittag von Paris St. Germain mit 137 Länderspielen die Erfahrenste ist.

"Die Entscheidung fiel uns natürlich nicht leicht. Wir haben in den drei Vorbereitungs-Lehrgängen viele Eindrücke gesammelt und uns nach jeder Einheit innerhalb des Trainerteams intensiv ausgetauscht", begründete Neid ihre Wahl. Deutschland trifft in der Vorrundengruppe F auf Simbabwe (3. August), Australien (6. August) und Kanada (9. August).
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