Fußball
Islands Wikinger wollen Frankreich stoppen

Die Väter des Erfolgs - Lars Lagerbäck (links) und Heimir Hallgrimsson - haben mit Island Unerwartetes geschafft. Jetzt soll Gastgeber Frankreich aus dem Heim-Turnier geworfen werden. Bild: dpa

Erst England, nun Frankreich. Das kleine Island will die nächste Großmacht aus der EM werfen. Die Partie gegen den Gastgeber ist für sie das Spiel der Spiele. Für die Franzosen soll es nicht der ultimative Alptraum werden. Sie müssen von Beginn an wach sein.

Clairefontaine/Annecy. Die Wikinger sind noch lange nicht fertig, jetzt soll der EM-Gastgeber höchstpersönlich dran glauben. Berauscht von sich selbst wollen Islands Sensations-Fußballer die Titelträume der Équipe tricolore zerstören und sich ins Halbfinale der Fußball-EM schießen. "Frankreich kann nur verlieren, das wäre grausam für die ganze französische Nation", sagt Trainer Heimir Hallgrímsson.

Genau das wissen die Franzosen. Der Druck lastet am Sonntag (21 Uhr/ZDF) im Stade France von Saint-Denis allein auf ihnen, um ein zigfaches schwerer noch als bei den bisherigen Auftritten. "Ich habe keine Lust, wieder im Viertelfinale auszuscheiden", betont Routinier Patrice Evra. Auf ein mögliches Elfmeterschießen bereitet sich die Équipe tricolore aber nicht vor. "Wir gehen davon aus, dass wir uns vorher durchsetzen", meinte Abwehrspieler Bacary Sagna.

Nur 100 Profi-Fußballer


Vor zwei Jahren hieß der Gegner bei der WM in Brasilien Deutschland - und wurde später Weltmeister. Nun ist es Island, das 332 500-Seelen-Land mit gerade mal 100 Profifußballern. Ein Land, dessen künftiger Präsident Gudni Th. Jóhannesson das Team im Trikot auf der Tribüne anfeuern wird.

Es treffen Fußball-Welten aufeinander. Selbst wenn die französische Mannschaft immer wieder ihr Kollektiv feiert, entschieden wurden die Spiele durch die Genialität einzelner. Bezeichnend: Die bisherigen sechs Tore teilen sich drei Spieler auf: Antoine Griezmann (3), Dimitri Payet (2) und Olivier Giroud (1).

Die sechs Treffer der Isländer teilen sich auf sechs Spieler auf. Hallgrímsson und sein Kollege Lars Lagerbäck schickten zudem in den bisherigen Partien immer dieselbe Startformation aufs Feld. Deschamps wechselte Personal und System, von Griezmann über Bayerns Kingsley Coman bis Paul Pogba. "Die Franzosen spielen mit höherem Tempo, sie haben sehr gute individuelle Spieler", warnte Jon Bödvarsson vom 1. FC Kaiserslautern.

Schwache erste Hälfte


Frankreichs größte Malaise bisher: erhebliche Anlaufschwierigkeiten, kein Tor in der ersten Hälfte. "Eines Tages klappt das nicht mehr", prophezeit Evra mit Blick auf die Last-Minute-Erfolge. "Wir müssen uns verbessern am Anfang der Spiele, ansonsten ist das nicht gut fürs Herz der Franzosen", meint auch Griezmann: "Wir haben ein Team, das bis zum Schluss dabei sein kann, aber wir müssen das auch auf dem Platz zeigen."

Erst recht gegen die willensstarken Wikinger, die ihre wundersame und in ganz Europa herzerobernde EM-Story weiterschreiben wollen. "Für uns ist es das größte Spiel unserer Geschichte. Auf Frankreich in Frankreich zu treffen, ist fantastisch", sagt Mittelfeldspieler Birkir Bjarnason, dessen angeschlagener Kapitän Aron Gunnarsson am Freitag ins Training zurückkehren sollte. Ein Einsatz sei "kein Problem", betonte Trainer Lars Lagerbäck.

Deschamps ist gezwungen, erstmals seine Viererabwehrkette zu verändern. Für den gesperrten Innenverteidiger Adil Rami ist der 22 Jahre alte Samuel Umtiti eine von zwei Alternativen - er hat noch kein Länderspiel absolviert. Im Mittelfeld ist N'Golo Kanté gelbgesperrt ebenfalls nicht dabei.
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