Fußball
Italien entthront Titelverteidiger

Italien jubelt! Die Squadra Azzurra schaltete im EM-Achtelfinale Titelverteidiger Spanien mit 2:0 aus und trifft nun im Viertelfinale auf Weltmeister Deutschland. Hier freuen sich Torschütze Giorgio Chiellini (Mitte), Eder Citadin Martins (rechts) und Emanuele Giaccherini über das 1:0. (Foto: dpa)

Oh je, Spanien: Für den Titelverteidiger ist die EM frühzeitig beendet. Italien besiegte die Iberer im Achtelfinale und trifft nun am Samstag im nächsten K.-o.-Kracher auf Weltmeister Deutschland.

Saint-Denis. Erst tröstete Gianluigi Buffon den enttäuschten Kollegen Iker Casillas, dann hängte sich Italiens Torwart-Oldie spielerisch leicht und lächelnd an die Latte: Nach dem 2:0 (1:0) über den entthronten EM-Champion Spanien ließen sich die ausgepumpten Spieler der Squadra Azzurra von ihren Fans feiern. Und sie fühlen sich trotz großen Respekts bereit für den nächsten K.-o.-Kracher gegen Weltmeister Deutschland.

"Deutschland Favorit"


"Zwei großartige Mannschaften, es ist klar, dass sie der Favorit sind. Wir müssen wirklich etwas Außergewöhnliches schaffen, noch mehr als heute, sonst reicht es gegen Deutschland nicht", sagte mit Blick auf das Viertelfinale am Samstag in Bordeaux 1:0-Torschütze Giorgio Chiellini. "Wir haben im März 1:4 in Deutschland verloren, das haben wir nicht vergessen", ergänzte Trainer Antonio Conte. "Wir spielen gegen die beste Mannschaft dieses Wettbewerbs und werden ein enormes Spiel zeigen. Wir wissen, wenn die Dinge schwierig werden, können wir antworten. Ab morgen denken wir an Deutschland. Die beste Mannschaft, besser als wir. Ich habe kein Problem, das zu sagen."

Nach der geglückten Revanche an Spanien für die bittere 0:4-Pleite im EM-Finale 2012 und dem ersten Pflichtspiel-Erfolg über die Iberer seit 1994 kann Deutschland kommen. Chiellini (33.) und Graziano Pellè (90.+1) schossen die von Conte unerwartet mutig eingestellten Azzurri am Montag vor 76 165 Besuchern im Stade de France in Saint-Denis zum verdienten Erfolg. "Conte ist ein Maestro", schwärmte Chiellini.

"Gegen Deutschland wird es sehr schwer. Wir erholen uns nun, genießen diesen Zug und bereiten uns vor, auch wenn wir wissen, dass es wohl noch schwerer wird", erklärte Conte, der seinen Kollegen Vicente del Bosque und dessen Akteure überraschte. Spaniens ebenso enttäuschender wie enttäuschter Spielmacher Andrés Iniesta räumte ein, dass das Aus verdient war: "Wir müssen die Enttäuschung akzeptieren. Die Italiener waren in den entscheidenden Momenten effektiver." Und Del Bosque, der seine Zukunft nach der Partie offen ließ, gab zu: "Wir haben alles versucht, aber wir müssen die Niederlage akzeptieren."

Conte verändert Startelf


Während er demselben Team wie in den drei Gruppenspielen vertraute, veränderte Conte seine Startelf im Vergleich zum 0:1 gegen Irland gleich auf acht Positionen. Und die übernahm gleich das Kommando. Die Spanier kamen hingegen über weite Strecken nicht ins Spiel. Ihr Innenverteidiger-Duo Piqué/Ramos hatte größte Mühe, hinten den Laden zusammenzuhalten. Und vorne kam vor allem von Iniesta viel zu wenig.

Del Bosque lief ungewohnt aufgeregt an der Seitenlinie auf und ab, denn das Durcheinander in der Defensive seines Teams ging munter weiter. Dann fiel das verdiente 1:0 für Italien: De Gea ließ Eders scharfen Freistoß abprallen, und der nachsetzende Chiellini erzielte sein siebtes Länderspieltor. Es war das erste EM-Gegentor für Spanien in einer K.-o.-Runde seit 2000.

Iniesta taucht ab


Auch wenn Spielmacher Iniesta weiter weitgehend abtauchte, kam der Europameister von 2008 und 2012 und Weltmeister von 2010 in der zweiten Halbzeit deutlich besser ins Spiel. Auch, weil die Italiener ihrem hohen Tempo Tribut zollen mussten und hinten zu wackeln begannen. Aber der viermalige Weltmeister hatte ja auch noch Buffon im Tor. Pellé sorgte dann nach Darmians Vorlage dafür, dass die Tifosi nach einer Zitter-Schlussphase jubeln durften.
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