Fußball
"Jede Serie endet mal"

Mehr denn je wird es für Manuel Neuer (Bild) am Samstag nötig sein, sein gesamtes Potenzial abzurufen. Denn dann kommt es zum Duell gegen Torwart-Legende Gianluigi Buffon und seine Italiener. Bild: dpa

Am Genfer See sind Versteckspielchen angesagt. Bundestrainer Löw reizt alle Mittel aus, um sein Team möglichst geheim auf den "größten Prüfstein" im Turnierverlauf vorzubereiten. "Basti rein, Sami raus" - die Verwirrung läuft vor der Italien-Kraftprobe auf Hochtouren.

Évian-les-Bains. Joachim Löw schöpft alle Mittel aus, um den Italien-Fluch zu beenden. Auch Spionage-Abwehr gehört dazu. Nur noch das Allernötigste soll über die Vorbereitung des Weltmeisters auf den Turnier-Angstgegner aus dem von Sicherheitskräften bewachten Quartier am Genfer See nach außen dringen. Das Training am Donnerstag war komplett geschlossen. Und sogar das Abschlusstraining für das EM-Viertelfinale wird am Freitag noch in Évian stattfinden und nicht am Spielort in Bordeaux, wie es normal üblich wäre.

"Lasst Euch überraschen", bemerkte Mittelfeldspieler Toni Kroos am Donnerstag im DFB-Medienzentrum lächelnd zum Versteckspiel. Die Botschaft war auch an die anwesenden Reporter aus Bella Italia gerichtet. Heiteres Aufstellungs- und Taktikraten ist angesagt vor der Stunde X am Samstag (21 Uhr/ARD). "Da gibt es die nächsten Tage noch ein bisschen was zu spekulieren und diskutieren. Es gibt da ja alle möglichen Varianten: Basti (Schweinsteiger) rein, Sami (Khedira) raus, Sami mit dabei. Wir wissen, dass Jogi Löw sich immer mit vielen Varianten beschäftigt", sagte Oliver Bierhoff am 20. Jahrestag des letzten deutschen EM-Titels.

Wie im März?


Bringt Löw doch wieder Mario Götze, der beim 4:1 im Test gegen Italien Ende März aufgetrumpft hatte? Dieser Sieg in München glückte mit einer Dreierkette sowie dem Überraschungs-Duo Toni Kroos und Mesut Özil im defensiven Mittelfeld. "Wir haben diese Option nicht zum Spaß gespielt", bemerkte Geheimnisträger Kroos. "Wir haben uns intensiv mit den Italienern beschäftigt. Wir werden auf sie vorbereitet sein", äußerte Joachim Löws Assistent Andreas Köpke. Die Normallösung wäre freilich, dass exakt jene Elf beginnt, die beim 3:0 gegen die Slowakei von vorne bis hinten funktioniert hatte. Auch der Kölner Jonas Hector, der nach einer Grippe angeschlagen war, soll einsatzfähig sein.

Der Respekt vor der Squadra Azzurra ist nicht nur wegen der düsteren deutschen Turnierbilanz (acht Spiele, kein Sieg) groß. Aber auch der Wille, eine Zeitenwende zu erzwingen. "Jede Serie geht irgendwann einmal zu Ende", sagte Reinhard Grindel. Der DFB-Präsident vertraut dem Bundestrainer. Löw habe in den ersten Spielen "eindrucksvoll bewiesen, dass er auf alle Gegner eine sehr gute Antwort findet". Der Chefcoach agiere als Teamworker und sei nicht "beratungsresistent".

Ein Torfestival ist nicht zu erwarten. Beide Teams treten in Frankreich mit sehr stabilen Abwehrreihen und zwei noch unbezwungenen Torhütern auf. Bayern-Schlussmann Manuel Neuer (30, vier Spiele ohne Gegentor) und Juventus-Keeper Gianluigi Buffon (38, drei Einsätze zu Null) sind aus Sicht von Bundestorwarttrainer Köpke die beiden klar besten Tormänner des Turniers. "Es sind Nuancen, die sie unterscheiden", erklärte Köpke, selbst 1996 Europameister.

Gelbe Gefahr


Die Chefs des deutschen Sicherheitsdienstes - Boateng und Hummels - schweben in Gefahr. Sie sind ebenso wie Khedira, Özil und Joshua Kimmich mit einer Gelben Karte vorbelastet. "Das hat keinen Einfluss auf mein Spiel", versicherte Hummels zur drohenden Sperre im Halbfinale gegen Frankreich oder Island. Ein Zurückziehen im Zweikampf kommt für Hummels in seinem 50. Länderspiel nicht in Frage. "Ein Gegentor ist für die Mannschaft schlimmer als meine persönliche Strafe", sagte er entschlossen. Jedes Mittel ist recht, um den Italien-Fluch am 2. Juli 2016 zu beenden.

Es sind Nuancen, die sie unterscheiden.Andreas Köpke über Gianluigi Buffon und Manuel Neuer
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