Fußball
Jetzt wartet der Angstgegner

Gegen Nordirland noch Ersatzspieler, nun der Matchwinner: Julian Draxler zeigte eine starke Leistung im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei und erhielt viel Lob von seinen Mitspielern und dem Bundestrainer. Bild: dpa
 
"Wenn du im Viertelfinale oder Halbfinale ausscheidest, bringt es dir alles nichts, gut drauf zu sein. Dann kriegst du es um die Ohren." Zitat: Mario Gomez

Noch ist nichts erreicht. Mit dieser Einstellung geht Weltmeister Deutschland die erste echte Bewährungsprobe gegen Italien an. Das Personal hält Löw weiter unter Spannung.

Évian-les Bains. Schon wieder gegen den Angstgegner. Im Teamhotel in Évian-les Bains konnten Joachim Löw und seine Viertelfinalisten den bärenstarken Auftritt ihres nächsten Kontrahenten live im Fernsehen begutachten. "Italien hat eine unglaublich gute Defensive und gute Spieler nach vorn", sagte der Bundestrainer über die Qualitäten der neuen "Squadra Azzurra". Der Europameister von 1968 gehört für Löw nicht erst nach dem 2:0 im Achtelfinale gegen Titelverteidiger Spanien zu den "Topfavoriten" auf die EM-Krone.

Noch nie konnte die deutsche Nationalmannschaft bei einer EM oder WM-Endrunde gegen die Ergebnisspezialisten aus Italien gewinnen. Für Löw ist auch der aktuelle italienische Jahrgang eine "potenzielle Finalmannschaft".

Ohnehin hatte der Freiburger nach dem souveränen Viertelfinaleinzug in Lille schnell auf Alltag umgeschaltet und ließ nur 16 Stunden nach dem Abpfiff wieder am Genfer See trainieren. Toni Kroos wollte von einer titelreifen Leistung beim lockeren 3:0 gegen einen überforderten Gegner nichts wissen. "Das ist nach einem Achtelfinale gegen die Slowakei noch nicht seriös einzuschätzen", sagte er: "Wir haben es so gemacht, wie wir es machen mussten."

Parallelen zur WM 2014


Der EM-Masterplan von Löw geht bisher auf. Alle Entscheidungen des Chefs sitzen. Und auch Löws Crew um eine erstklassige medizinische Abteilung bekommt alles so hin, dass immer mehr Parallelen zur WM in Brasilien gezogen werden. Der weiter gegentorfreie Weltmeister sieht sich bereit für die erste wahre Bewährungsprobe am Samstag (21 Uhr) gegen einen ganz Großen: Italien.

"Ja, nach diesem Spiel müssen wir selbstbewusst sein. Wir sind gut drauf, müssen das aber im nächsten Spiel umsetzen und durchziehen", betonte Jérôme Boateng. Der wiedererstarkte Torjäger Mario Gomez wies als Warnung lieber auf die EURO 2012 als auf die WM 2014 hin. "Wenn du im Viertelfinale oder Halbfinale ausscheidest, bringt es dir alles nichts, gut drauf zu sein. Dann kriegst du es um die Ohren", erklärte jener Angreifer, der nun mit fünf Toren gemeinsam mit Jürgen Klinsmann die deutsche EM-Torjägerliste anführt.

Der Bundestrainer hält die Spannung hoch, auch wenn er seinem Team für Dienstag noch einmal frei gab. Die 23 Spieler sollten "die Akkus noch einmal aufladen". In strengem Ton forderte Löw aber auch: "Wir müssen auf jeden Fall noch stärker werden, wenn wir ein entscheidendes Wort mitreden wollen. Die ersten Mannschaften, gegen die wir gespielt haben bei der EM, zählen nicht zu den Top Ten."

Mehr Chancen verwerten


Das wird sich jetzt ändern. "Nein", sagte Löw zwar, "schlaflose Nächte habe ich nicht." Aber auch der 56 Jahre alte Tüftler hat eben in einem Turnier noch nicht gegen die Azzurri gewonnen. Zuletzt beim Testspiel im März gab es ein klares 4:1 in München. "Wir dürfen uns keine Unaufmerksamkeiten leisten", sagte Löw und sprach einen Mangel an: "Man muss auch besser mit den kostbaren Chancen umgehen."

Gegen die Slowakei musste das DFB-Team eigentlich weit mehr Tore schießen als die von Boateng, Gomez und vom plötzlich zum "Mann des Spiels" aufgestiegenen Julian Draxler. Der mit 22 Jahren noch immer recht junge Wolfsburger war von Löw vom Ersatzspieler zurück in die erste Elf befördert worden und drehte kräftig auf. "Julian Draxler hatte das letzte Mal eine Pause bekommen, jetzt war er frisch. Das hat dem Spiel gutgetan", unterstrich Löw. "Ich habe gut trainiert, ich habe Gas gegeben. Aber der Bundestrainer lässt sich nicht gerne in die Karten schauen, ob man spielt oder nicht spielt", beschrieb Draxler. Er hat sich mit seinen "Zauberfüßen" (Gomez) im Duell mit Götze einen Vorteil erspielt. "Er hatte den Mut, in die Eins-zu-eins-Situationen zu gehen mit seinem Tempo. Das zweite Tor hat er klasse vorbereitet. Das dritte selbst gemacht", lobte Löw.

Auf eine nun gefundene Turnier-Elf will sich der Weltmeistercoach nicht festlegen. "Ich weiß nicht, ob ich die Mannschaft habe. Es kann sein, dass ich gegen Italien vielleicht den einen oder anderen Wechsel vornehme", verkündete Löw.

Wenn du im Viertelfinale oder Halbfinale ausscheidest, bringt es dir alles nichts, gut drauf zu sein. Dann kriegst du es um die Ohren.Mario Gomez
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