Fußball
Kein Blatter-Klon

Eine der ersten Aufgaben des neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino (links) war die Eröffnung des Fifa-Museums mit dem Direktor Stefan Jost. Bild: dpa

Zürich. Kein Grüß-August, kein Blatter-Klon - mit forschen Tönen und einer klaren Abgrenzung zum omnipräsenten Vorgänger startet Gianni Infantino seine Mission als Fifa-Präsident. Obwohl er künftig zur finanziellen Nummer 2 degradiert wird, sieht sich der Schweizer keinesfalls als reiner Repräsentant des Fußball-Weltverbands. "Ich glaube nicht, dass ich vom Fifa-Kongress gewählt worden bin, um Botschafter zu sein", betonte Infantino am Sonntag bei der Eröffnung des neuen Fifa-Museums. "Ich bin vom Kongress gewählt worden, um ein Leader zu sein, um der neue Leader der Fifa zu sein."

Die neuen Statuten weisen dem Nachfolger des gesperrten Ex-Präsidenten Joseph Blatter nur noch die Rolle eines Aufsichtsratschefs zu. Als eine seiner ersten Amtsaufgaben will der 45-Jährige nun einen Generalsekretär finden - der ihn beim Gehalt sogar überflügeln wird. Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, zeigt sich die Machtbeschränkung des Weltverbandschefs auch dadurch, dass er weniger verdient als der künftige Spitzenmanager. Dieser soll das Alltagsgeschäft bestimmen, sein Chef eher präsidial repräsentieren.

Durch die beim Wahlkongress verabschiedeten Reformen werden die Vergütungen der bedeutendsten Funktionäre der Fifa künftig erstmals öffentlich gemacht. Mit dem Finanzbericht 2015 wird im März das lange streng gehütete Geheimnis um die Zahlungen an Joseph Blatter gelüftet. Mit dem Ende seiner Amtszeit am Freitag muss der 79 Jahre alte Schweizer die Miete für seine Fifa-Wohnung in Zürich nun selbst zahlen. Trotz seines faktischen Machtverlusts mischt sich Blatter mit Ratschlägen aber weiter kräftig in die Geschehnisse des Weltfußballs ein. In einem offenen Brief bot der 79-Jährige seinem Nachfolger Infantino Hilfe an und unterbreitete seinem Landsmann erste Tipps für die Amtsführung. "Wenn Du zufälligerweise eine Meinung oder einen Rat brauchst, zögere nicht", schrieb Blatter.

Ein vergiftetes Hilfsangebot - nichts würde Infantino mehr schaden, als öffentlich Kontakt zu Blatter zu suchen. Und so beeilte sich der bisherige Uefa-Generalsekretär seine Eigenständigkeit, zu betonen. "Infantino ist Infantino. Blatter ist Blatter", sagte er. "Sepp Blatter hat eine Ära in der Fifa geprägt. Ich hoffe, dass ich eine andere Ära in der Fifa prägen werde."
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