Fußball
Keine Glaskabinen

Gianni Infantino: Ein Showman durch und durch, der auf den Posten des Präsidenten hofft. Bild: dpa

Zürich. Der spannende Endspurt um das Erbe von Fifa-Boss Joseph Blatter wird nicht gerade vom viel beschworenen neuen Geist beim Fußball-Weltverband bestimmt. Mitfavorit Gianni Infantino sorgte am Mittwoch mit Aussagen über eine angebliche Bevormundung der fünf Präsidentschaftsbewerber durch die Fifa für Aufsehen. Deren Vorstandsmitglied Witali Mutko beklagte derweil, dass ein Kandidaten-Deal nach alter Schule zwischen Infantino und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa gescheitert ist. Stattdessen werden die Favoriten am Freitag (09.30 Uhr) beim außerordentlichen Fifa-Kongress im Zürcher Hallenstadion gegeneinander um das wichtigste Amt im Weltfußball antreten.

"Meiner Meinung nach hätte es eine Übereinkunft geben sollen. Wir haben diese Idee auf jede mögliche Art unterstützt", erklärte Russlands Sportminister Mutko. "Wenn jemand die Wahl mit fünf bis zehn Stimmen verliert und sich entscheidet, nicht aufzugeben, kommt dabei nichts Gutes heraus." Bis vor kurzem war spekuliert worden, dass Infantino zugunsten des Scheichs verzichtet und dafür von diesem für den Posten des mächtigen Generalsekretärs nominiert wird. Spätestens seit der Kritik des Scheichs an unseriösen finanziellen Versprechungen des Schweizers, die Infantino am Mittwoch zurückwies, ist die Atmosphäre zwischen den Funktionärs-Alphatieren frostig.

Weiter in Pole Position


Infantino denkt jedenfalls keinesfalls an Aufgabe und wähnt sich weiter in der Pole Position um die Mehrheit. Derzeit sind nach der Suspendierung von Kuwait und Indonesien weiter 207 Fifa-Mitglieder wahlberechtigt. Der Schweizer monierte am Mittwoch vehement und süffisant zugleich eine vermeintliche Einflussnahme der Fifa auf erste Statements des Wahlsiegers. Der Weltverband habe demnach die Kandidaten um Details aus ihren möglichen Sieger-Ansprachen gebeten. Zudem hätten die Bewerber Vorschläge für Antworten in ihrer Pressekonferenz nach der Wahl beim Kongress am Freitag in Zürich erhalten. Infantino erklärte auch, er werde jedem Kontrollversuch durch die Fifa widerstehen. "Jeder kann vorschlagen, was er will. Ich werde sagen, was ich will", sagte der Schweizer. Die Fifa wies die Darstellung zurück. Bei dem Briefing der Kandidaten habe es sich um die übliche Sitzung gehandelt, bei der den Bewerbern Inhalte zu administrativen und institutionellen Themen erklärt worden seien. Verbindliche inhaltliche Vorgaben für ihre Aussagen seien bei dem Treffen mit Infantino sowieso dessen Konkurrenten al Chalifa, Prinz Ali bin al-Hussein, Jérôme Champagne und Tokyo Sexwale nicht gemacht worden.

Transparenz war auch das Thema von Außenseiter-Kandidat Prinz Ali. Der Internationale Sportgerichtshof CAS lehnte aber am Mittwoch dessen Antrag auf Aufstellung von durchsichtigen Wahlkabinen ab. Damit ist auch Prinz Alis Forderung nach einem neuen Kongresstermin hinfällig.

"Augen auf uns gerichtet"


Das Fifa-Exekutivkomitee forderte die Nationalverbände in einem eindringlichen Appell auf, dem Paket für umfassende Strukturreformen am Freitag zuzustimmen. "Die Augen der Welt sind in dieser Woche auf uns gerichtet nach einer der herausforderndsten Zeiten unserer Geschichte", sagte Fifa-Interimschef Issa Hayatou. Beim Kongress müssen mindestens drei Viertel der derzeit 207 Wahlberechtigten das Reformpaket befürworten. Nur dann können die Statuten geändert werden. Im Kern geht es um die Trennung politischer und ökonomischer Entscheidungen. So sollen künftig Korruption und Vetternwirtschaft im Weltverband verhindert werden. Ein Scheitern könnte weitreichende Konsequenzen bis zu einer möglichen Auflösung der Fifa in ihrer bisherigen Form haben.
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