Fußball
"Keine Stimmen gekauft"

Frankfurt. Wir haben nichts gewusst. Wir können die Millionen-Zahlungen nach Katar nicht erklären. Und vor allem: "Wir haben keine Stimmen gekauft!" Die Schlüsselfigur Franz Beckenbauer und der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach halten in der WM-Affäre auch nach der Veröffentlichung des Freshfields-Reports an ihrer zumindest zweifelhaften Verteidigungsstrategie fest.

Beide wurden durch den Untersuchungsbericht vom Freitag besonders belastet, beide wehrten sich am Wochenende via Interview. Beckenbauer sagte der "Bild am Sonntag", erst "am Mittwoch" erfahren zu haben, dass eine verdächtige Millionen-Zahlung 2002 "nach Katar gegangen ist". Ausgangspunkt war ein gemeinsames Konto von ihm und seinem kurz darauf verstorbenen Manager Robert Schwan. Man müsse dazu aber wissen, so Beckenbauer: "Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen." Von dem Konto und der Überweisung an den mittlerweile lebenslang gesperrten Fifa-Funktionär Mohamed bin Hammam habe er "nichts" gewusst.

Bei Niersbach liegt der Fall anders. Ihm wird durch den Freshfields- Report in erster Linie nachgewiesen, von den dubiosen Geldflüssen rund um die WM 2006 schon früher erfahren zu haben, als er öffentlich einräumte. Seine Posten in den Exekutivkomitees des Weltverbands Fifa und des europäischen Verbands Uefa will er trotzdem behalten. "Das habe ich vor, ja", sagte er der "Welt am Sonntag". Eine Entscheidung darüber werde die Ethikkommission der Fifa fällen.

"Was die WM angeht, habe ich für mich ein absolut reines Gewissen", betonte Niersbach. Was sein Verhalten im Sommer 2015 angeht, müsse er aber sagen, "dass ich das Präsidium früher hätte informieren sollen. Das bedaure ich." Über das Verschwinden einer möglicherweise wichtigen Akte aus dem DFB-Archiv könne er nichts sagen. "Ich habe weder angewiesen, dass ein Ordner aus dem Archiv geholt wird, noch habe ich einen verschwinden lassen."

Ein Problem für Beckenbauer und Niersbach ist, dass sowohl Medienrecherchen als auch der Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer viele ihrer zentralen Aussagen in der WM-Affäre widerlegen. Beide erklärten stets, die ominösen 6,7 Millionen Euro im Zentrum des Skandals seien an die Finanzkommission der Fifa geflossen. Das stimmt erwiesenermaßen nicht.
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