Fußball
Löw fällt heute Kader-Urteil

Ob Mats Hummels bis zur EM wieder fit ist? Bundestrainer Jochim Löw verlässt sich da auch auf Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Bild: dpa
 
Wenn Bundestrainer Joachim Löw heute seine Streichliste bekannt gibt, hat er sicher überlegt, ob es sinnvoll ist, Bastian Schweinsteiger aufgrund seiner Verletzung mit nach Frankreich zu nehmen. Bild: dpa

Das letzte Vorspielen der EM-Kandidaten ist praktisch wertlos. Das verhagelte 1:3 gegen die Slowakei beweist Löw vor allem, dass es ohne die Besten wie Neuer, Müller, Kroos und Özil nicht läuft. Das Streichquartett richtet sich an Schweinsteiger und Hummels aus.

Ascona. Joachim Löw verkündet sein Kader-Urteil. Vier Fußball-Nationalspielern muss der Bundestrainer am Dienstag den finalen Zutritt zum EM-Paradies verwehren. "Es wird schwierig, klar. Verdient hat es niemand, dass er nach Hause fahren muss", sagte Löw zu den womöglich größeren Härtefallentscheidungen. Das für höhere Turnieransprüche untaugliche 1:3 beim verhagelten Probelauf gegen die Slowakei, bei dem in Augsburg nach einem Unwetter in der zweiten Spielhälfte praktisch nur noch Wasserball gespielt werden konnte, wird bei der Auslese 4 aus 27 nicht den Ausschlag geben.

Engster Stab entscheidet


Hinter verschlossenen Türen zog sich Löw am Montag in Ascona mit seinem engsten Stab zur Beratung zurück. Und Ausgangspunkt aller Strategien und Personalkonstellationen werden für den erfahrenen Kaderplaner Löw seine Promi-Akteure mit Verletzungs-Handicap sein. Wieviel Sinn macht es, die maladen Weltmeister Mats Hummels und Bastian Schweinsteiger mit nach Frankreich zu nehmen? Wie schnell werden die angeschlagenen Marco Reus und Karim Bellarabi fit? "Wir müssen jetzt eine Standortbestimmung machen, wie es bei einigen Spielern aussieht", bemerkte Löw zum Ablauf.

Zu einer Schlüsselfigur wird Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dessen Diagnose Löw in zehn Jahren als Bundestrainer stets vertraut hat. "Wenn mir unser verantwortlicher Arzt Müller-Wohlfahrt sagt, der Spieler wird die nächsten Wochen jetzt nicht belastbar sein, ist klar, dass ich mich danach ein bisschen ausrichte", sagte Löw: "Da möchte ich schon ein gewisses Okay vom Arzt, dass das in den nächsten Wochen keine Risiken birgt."

Prognosen wichtig


Auf Müller-Wohlfahrts Prognosen war in der Vergangenheit absolut Verlass: Beim WM-Triumph 2014 schafften die im Vorfeld verletzten Philipp Lahm (Fuß) und Manuel Neuer (Schulter) auf den Punkt ihre Genesung. Auch Bayern-Kollege Schweinsteiger sowie Sami Khedira wurden nach Verletzungen im Turnierverlauf fit und in Brasilien letztendlich noch zu Erfolgsgaranten.

Jetzt stellt Löw selbst seinem Kapitän keinen Freibrief aus. Er berichtete aber von weiteren kleinen Fortschritten des im EM-Jahr permanent verletzten Mittelfeldspielers. "Bastian war auch auf dem Platz und hat mit dem Ball gearbeitet." Löw zweifelt und grübelt. Hummels, ursprünglich als Fixgröße im Abwehrzentrum neben Jérôme Boateng vorgesehen, kann nach einem Muskelfaserriss in der Wade selbst nicht einschätzen, wann er ins Turnier einsteigen könnte. "Vielleicht reicht es auch nicht für das zweite Spiel", spekulierte der Neu-Münchner inzwischen schon.

Löw befindet sich in einer Zwickmühle. Wobei die Kaderbesetzung auf den Feldspielerplätzen 18, 19, 20 kaum turnierentscheidend ist und Spielraum für Risikobesetzungen mit Führungskräften wie Hummels oder Schweinsteiger bietet. Die Turnierdebütanten Kevin Großkreutz, Erik Durm und Matthias Ginter wurden 2014 in Brasilien auch Weltmeister, ohne eine Spielminute auf dem Platz gestanden zu haben.

Streichpotenzial bietet sich Löw im vorläufigen 27-Mann-Aufgebot reichlich. Nicht zum Kreis der Wackelkandidaten gehört Turnierveteran Lukas Podolski, der nach dem Pokalsieg mit Galatasaray Istanbul am Sonntagabend mit im DFB-Flieger aus Augsburg zum Lago Maggiore flog und das Training aufnimmt. Es fehlt nur noch Champions-League-Sieger Toni Kroos, der sich noch einige Tage erholen darf.

Kein gutes Casting


Das letzte Casting gegen den EM-Teilnehmer Slowakei konnten gerade die jungen Spieler nicht wie gewünscht nutzen. Das lag einmal an den widrigen Bedingungen nach dem Unwetter, aber auch den gezeigten Leistungen. Das Trio Joshua Kimmich, Julian Weigl und Julian Brandt belohnte Löw immerhin wie Torhüter Bernd Leno mit dem Länderspieldebüt.

Löw übte Nachsicht. Er sprach von einer "gewisse Drucksituation" für die Jungen. "Logisch, dass da mal der eine oder andere Fehler passiert. Aber das will ich nicht überbewerten."

Wenn mir unser verantwortlicher Arzt Müller-Wohlfahrt sagt, der Spieler wird die nächsten Wochen jetzt nicht belastbar sein, ist klar, dass ich mich danach ein bisschen ausrichte.Bundestrainer Joachim Löw
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