Fußball
Löw setzt auf Jugend

Bundestrainer Joachim Löw stellte am Dienstag den vorläufigen Kader für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich vor. Die Mannschaft startet am 24. Mai in der Schweiz mit der EM-Vorbereitung. Bild: dpa
 

Vier Weltmeistern sagt Löw ab. Brandt, Kimmich, Sané und Weigl heißen die neuen Hoffnungsträger. Doch das Wichtigste ist für den Bundestrainer die Mannschaft. Nur Podolski erhält eine Sonderrolle.

Berlin. Joachim Löw setzt klare Signale. Kein Freibrief für Kapitän Bastian Scheinsteiger, Treue zum "ewigen" Lukas Podolski - und gleich vier Junge dürfen im vorläufigen EM-Kader den Konkurrenzkampf kräftig anheizen. "Das Kollektiv ist wichtiger als jeder einzelne Spieler", sagte der Bundestrainer bei der Bekanntgabe seines 27-köpfigen Aufgebots in der Französischen Botschaft in Berlin. "Wir sind selbstbewusst, aber nicht überheblich. Wir sind stark, aber nicht unbesiegbar. Wir wissen, dass wir Einiges zu tun haben, um in Frankreich auf einem Toplevel zu spielen", erklärte Löw vor seinem fünften Turnier als Chefcoach.

Auch der nach seiner zweiten schweren Knieverletzung in der Rehabilitation kämpfende Schweinsteiger wird hart dafür arbeiten müssen, um am 31. Mai eines der 23 EM-Tickets zu bekommen. "Man muss sehen, ob er in der nächsten Woche ins Training einsteigen kann. Wenn es nicht reichen sollte, was ich nicht hoffe, werden wir uns entscheiden, wer Kapitän wird", sagte Löw. Zunächst sei er froh, dass der 114-malige Nationalspieler wieder "in voller Belastung" sei, "was das Lauftraining betrifft."

Die Länderspiel-Neulinge Bernd Leno, Julian Brandt (beide Leverkusen), Joshua Kimmich (FC Bayern) und Julian Weigl (Dortmund) gehen für Löw mit denselben Chancen in den Ausscheidungskampf wie die etablierten Kräfte. "Es gibt im Moment keine potenziellen Streichkandidaten", betonte der Coach. Auch der Schalker Leroy Sané mit erst einem Länderspiel gehört zur jungen Fraktion, die auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland ins A-Team hineinwachsen soll.

Den Dortmunder Weltmeistern Erik Durm und Matthias Ginter, dem Leverkusener Christoph Kramer sowie Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler teilte Löw mit, dass sie beim EM-Turnier keine Rolle spielen. "Da stößt man nicht auf Unverständnis, aber auf große Enttäuschung", sagte Löw.

Weitere vier Akteure, die die EM-Vorbereitung aufnehmen, muss der Bundestrainer bis Ende des Monats noch streichen. Am 12. Juni startet Deutschland in Lille gegen die Ukraine. Bis auf Toni Kroos, der mit Real Madrid im Champions-League-Finale steht, sowie Podolski können alle Akteure pünktlich in das Vorbereitungsprogramm einsteigen. Für Löw ein Luxus. Der 30-jährige Podolski wird nach dem türkischen Pokalfinale mit Galatasaray Istanbul am 26. Mai in die Schweiz nachreisen.

Löw wischte Zweifel an der sportlichen Tauglichkeit von Podolski auf höchstem Level mit entschiedener Stimme vom Tisch. "Ich weiß, dass Lukas die Leistung noch bringen kann, die wir von ihm erwarten", sagte er. Zudem sei der 127-malige Nationalspieler "eine große Persönlichkeit, die der Gruppe viel geben kann", unterstrich Löw. Ein Turnier-Comeback gibt es für Mario Gomez, der vor zwei Jahren als prominentester Spieler aussortiert worden war. Nach seiner guten Saison mit 26 Toren und dem Meistertitel mit Besiktas Istanbul wird der 30-Jährige seine dritte EM erleben.

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www.onetz.de/1668995
Wir wissen, dass wir Einiges zu tun haben, um in Frankreich auf einem Toplevel zu spielen.Joachim Löw
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