Fußball
Meister der späten Tore

Ausgerechnet Antoine Griezmann erzielte kurz vor Schluss die Führung für Frankreich. Nach seinem enttäuschenden Aufritt im Spiel gegen Rumänien, saß er gegen Albanien zunächst nur auf der Bank. Bild: dpa

Marseille. Frankreich feiert seine "Nachspielzeit-Könige" - lediglich Trainer Didier Deschamps konnte dem furiosen Finale nach 96 nervenaufreibenden Minuten gegen Albanien nur bedingt etwas abgewinnen. "Es wird langsam eine Marotte, dass wir immer am Ende zuschlagen, aber ich kann ihnen sagen, mir wäre es lieber, wenn wir etwas früher zuschlagen könnten", sagte der Trainer des EM-Gastgebers über das von den Fans frenetisch bejubelte 2:0 und den damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale.

Seine Schützlinge hatten den Nervenkrimi besser verkraftet. "Es ist nichts Neues, dass wir spät treffen", stellte Dimitri Payet lapidar fest. Sein Treffer zum Endstand in der sechsten Minuten der Nachspielzeit geht als der bisher späteste in die EM-Geschichte ein. In der 90. Minute hatte der eingewechselte Antoine Griezmann die Franzosen mit der Führung gegen den tapferen, aber am Ende müden EM-Debütanten erlöst.

"Die Könige der Nachspielzeit", titelte die "L'Équipe" am Donnerstag. Für "Le Parisien" sind die Franzosen "Die Meister der Zielgeraden". Vier der sechs Frankreich-Siege in den bisher sechs Länderspielen dieses Jahres wurden in den Schlussminuten errungen.

Schon im Auftaktmatch gegen Rumänien hatte die Equipe tricolore bis zur 89. Minuten warten müssen, ehe Payet das 2:1 gelang. "Wir haben Reife gezeigt, weil wir bis zum Ende geduldig geblieben sind. Diese Geduld ist mit schönen Toren belohnt worden", sagte Torwart Hugo Lloris. Auch er abgekämpft, aber glücklich. "Wir müssen diesen Wettkampfspirit beibehalten", forderte der Keeper von Tottenham Hotspur mit Blick auf das letzte Gruppenspiel an diesem Sonntag in Lille gegen die Schweiz.

Gegen die Albaner wankten die Franzosen, wie sie es auch schon gegen die Rumänen taten. Die taktische Umstellung erwies sich als gescheitertes Experiment, obwohl Bayern-Profi Kingsley Coman bei seinem ersten EM-Spiel von Beginn an auf der rechten Seite Akzente setzen konnte. Erst in der zweiten Halbzeit wurde es besser, was auch an der Kabinenansprache des Trainers lag. "Didier Deschamps hat uns in der Pause gesagt: 'Leute, das ist ein Qualifikationsspiel, wenn wir das gewinnen, dann sind wir durch, und da müsst ihr euch noch ein wenig mehr reinhängen, ein wenig mehr zeigen und aggressiver und schneller spielen, das macht den Unterschied", verriet Coman.

Friedliche Stimmung


Sie befolgten die Anweisungen ihres Trainers. Allerdings machten es die Franzosen wieder gewaltig spannend. Dass ausgerechnet Griezmann, den Deschamps wie Paul Pogba zunächst auf der Bank gelassen hatte, und dann noch der ehemalige Olympique-Profi Payet in Marseille die Tore erzielten, passte zu einem erneut denkwürdigen Abend mit einer großartigen und vor allem friedlichen Stimmung in der Hafenstadt.

Es wird langsam eine Marotte, dass wir immer am Ende zuschlagen, aber ich kann ihnen sagen, mir wäre es lieber, wenn wir etwas früher zuschlagen könnten.Didier Deschamps
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