Fußball
Mit mehr Risiko zum Sieg

Joachim Löw (links) leitete gesundheitlich leicht angeschlagen am Montag das Abschlusstraining. Zusammen mit seinem Assistenten Thomas Schneider bastelt er an einer Strategie, um gegen die Nordiren erfolgreich zu sein. Bild: dpa

Die Weltmeister fühlen sich bereit für das Gruppenfinale gegen Nordirland. Bedenken werden strikt zur Seite geschoben. Mit einem Sieg soll auch die EM-Stimmung in der Heimat angeheizt werden. Bundestrainer Löw fordert volles Risiko.

Paris. Der Bundestrainer ist leicht geschwächt, die deutschen Fußball-Weltmeister müssen gegen Nordirland aber endlich ihre wahre EM-Stärke beweisen. "Umschalten im letzten Drittel, Tempo und alles riskieren, das müssen wir hinkriegen", formulierte Bundestrainer Joachim Löw die Marschroute für das Gruppenfinale am Dienstag (18.00 Uhr/ARD) in Paris.

Unabhängig von allen Konstellationen zur Achtelfinal-Qualifikation will sich das Weltmeister-Team unbedingt Platz eins in der Gruppe C sichern. "Wir werden ein bisschen mehr Risiko suchen", kündigte Innenverteidiger Mats Hummels an. "Wir wollen von der ersten Minute an zeigen, dass wir das bessere Team sind. Damit die Nordiren gar nicht erst den Glauben entwickeln, gegen uns gewinnen zu können."

Löw fehlte wegen einer leichten Erkältung bei der offiziellen Uefa-Pressekonferenz am Montag, leitete bei strömendem Regen in der französischen Hauptstadt aber sogar in kurzen Hosen das Abschlusstraining mit allen 23 Spielern. "Die eine oder andere frische Kraft würde uns bei diesem Spiel gut tun", stellte Löw eine Veränderung der Startelf in Aussicht. Zudem soll Kapitän Bastian Schweinsteiger weitere Spielpraxis sammeln - allerdings nicht von Beginn an. "Natürlich ist der Bastian ein Spieler, den wir jetzt ein bisschen heranführen müssen, weiter einbauen müssen für die entscheidenden Spiele bei dem Turnier", erklärte der Bundestrainer. "Er ist schon wichtig."

Wie immer in dritten Vorrundenspielen unter Turniertrainer Löw soll auch gegen hartnäckig verteidigende und mit viel Euphorie konternde Nordiren nicht allein der Sprung als Vorrundenerster in die K.-o.-Runde gelingen. Abwehrboss Jérôme Boateng und seine Kollegen möchten auch dafür sorgen, dass sich bei den Fans in der Heimat die Skepsis in Zuversicht verwandelt. Denn noch hat der Weltchampion bei der Europameisterschaft in Frankreich das Feuer nicht entzündet. Selbstzweifel sind dem DFB-Tross fremd. "Wir haben viele Spieler, die ständig solche Spiele haben, die sehen es ganz nüchtern. Sie wissen um ihre Stärke. Das werden wir entsprechend umsetzen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Ob jedoch nach einer eher quälenden Qualifikation, nach Defensivlücken zum Endrundenauftakt gegen die Ukraine (2:0) und Offensivschwächen gegen Polen (0:0) auf Knopfdruck der Schalter umgelegt werden kann, bleibt abzuwarten.

Weder an der Art des Widerstandes beim Gegner noch an der personellen und taktischen Ausrichtung von Löws Team wird sich im dritten Gruppenspiel Entscheidendes ändern. "Sie werden auf jeden Fall mit sehr vielen Spielern rund um den eigenen Strafraum agieren. Es ist dann egal, wie hoch die fußballerische Qualität mit dem Ball ist. Es wird auf keinen Fall ein Spaziergang", sagte Thomas Müller. Für größere Korrekturen seiner Turnierstrategie sieht der Bundestrainer keinen Grund. Ihm mangelt es aber offenbar an Alternativen im 23-Mann-Kader. Hoffnungsträger wie Marco Reus, Ilkay Gündogan und Antonio Rüdiger fehlen verletzt, andere Akteure wie Sebastian Rudy oder Karim Bellarabi sortierte Löw kurz vor EM-Start aus. Für die Jungprofis Joshua Kimmich oder Leroy Sané kommt ein Alles-oder-nichts-Match bei der EM aus Sicht von Löw noch zu früh.

Nur als Joker


Da Schweinsteiger nach seiner auskurierten Knieverletzung noch keine Option für 90 Minuten ist und Mario Gomez als klassischer Mittelstürmer wieder nur als Joker in Frage kommt, dürften die bisherigen Stammkräfte einschließlich des bisher wenig überzeugenden Götze wieder von Beginn an auflaufen. Möglicherweise rückt nur der Wolfsburger André Schürrle für Julian Draxler in die Startformation.

Sie werden auf jeden Fall mit sehr vielen Spielern rund um den eigenen Strafraum agieren. Es ist dann egal, wie hoch die fußballerische Qualität mit dem Ball ist. Es wird auf keinen Fall ein Spaziergang.Thomas Müller über die Nordiren
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