Fußball
Mit Tränen durchs große Tor

Nach dem finalen Drama als Bayern-Trainer ist Pep Guardiola einfach nur Mensch. Emotionen überwältigen den Katalanen. Der letzte Eindruck bleibt: Das Double überdeckt den Europa-Makel. Der BVB trauert. Und der hadernde Tuchel ist auch froh, seinen Inspirator los zu sein.

Berlin. Adiós Pep. Nach dem letzten Hurra mit dem FC Bayern war der so unnahbare spanische Startrainer plötzlich nur Mensch. Die extreme Anspannung der vergangenen Monate entlud sich nach dem Happy End mit dem Pott in der Berliner Nacht in großen Gefühlen, wie man sie in seinen drei Jahren in Deutschland nie zuvor beobachten konnte. Ja, Pep Guardiola weinte. Minutenlang. Überwältigt von diesem großen Abschiedsgeschenk, seinem zweiten Bayern-Double nach 2014, das ihm seine Meisterspieler im letzten gemeinsamen Spiel gemacht hatten.

4:3 im Elfmeterschießen gegen die von einem Finalfluch verfolgte Dortmunder Borussia, nach 120 torlosen Spielminuten, in denen auch Guardiola am Spielfeldrand ein letztes Mal alles gegeben hatte. "Die letzten fünf Monate waren nicht einfach", gestand der Katalane, der ausnahmsweise in sein Inneres blicken ließ. Seit seiner kühlen Ankündigung im Winter, den FC Bayern im Sommer Richtung Manchester City zu verlassen, seien ihm die Leute plötzlich anders begegnet, viel reservierter, kritischer, sogar ablehnend. Umso wichtiger war für ihn dieser gelungene Abschied, der das Gesamtbild der Pep-Ära positiv abrundete - trotz des Champions-League-Makels.

Höchstnote vergeben


"Jetzt verlassen wir die Saison durch das große Tor", verkündete Weltmeister Thomas Müller. Die Mannschaft, der Verein - und dieser stilprägende und sehr spezielle Trainer. Torhüter Manuel Neuer zog sogar die Höchstnote für das letzte Jahr mit dem Katalanen: "Eins!"

Der Pott bedeutete ja am Ende so ungemein viel für den deutschen Rekordchampion, der 2016 zum 26. Mal Meister wurde, zum 18. Mal Pokalsieger und das elfte Double der Vereinsgeschichte feierte. "Es war eine Riesenehre für mich, hier zu sein", sagte Guardiola. "Die drei Jahre mit diesen Spielern waren eine große Erfahrung."

Die nationale Vorherrschaft der Bayern blieb gegen den Rivalen und Herausforderer Borussia Dortmund dank der besseren Elfmeterschützen bestehen. Bei Bayern verschoss nur Youngster Joshua Kimmich, beim BVB versagten die im Spiel bärenstarken Verteidiger Sven Bender und Sokratis. So konnten in der langen Münchner Partynacht in Berlin Elogen auf Guardiola angestimmt werden. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge legte dem scheidenden Coach beim Bankett kumpelhaft den Arm über die Schulter und schwelgte: "Wir haben drei Jahre mit Pep erlebt, es waren drei großartige Jahre." Double und Tusch!

Der Katalane habe verhindert, dass der Serienmeister nach dem historischen Triple mit Vorgänger Jupp Heynckes 2013 in ein Loch gefallen sei. "Dank diesem Mann haben wir das Loch zum Glück nicht erlebt, sondern haben weiter eine Erfolgsstory beim FC Bayern erlebt, die ihresgleichen sucht", lobte Rummenigge. Nur eines bedauerte der Bayern-Chef: "Was mich ein bisschen ärgert, ist, dass wir nicht noch eine Woche zusammenleben. Eigentlich hätten wir es verdient, nächsten Samstag noch in Mailand zu sein." Das große Königsklassen-Endspiel gegen Real Madrid darf Halbfinalgegner Atlético Madrid bestreiten. Vom ausgelassenen Feiern hielt das am Wochenende aber keinen ab.

Traurige Dortmunder


Die Dortmunder Kollegen durchlitten derweil die vierte traurige Finalnacht seit dem verlorenen Champions-League-Endspiel gegen die nervigen Bayern 2013. "Was heute passiert ist, schmerzt sehr", sagte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Zum dritten Mal nacheinander haben die Dortmunder ein Pokalfinale verloren - Negativrekord. Gerade für den zum FC Bayern wechselnden Mats Hummels war es "ein Scheiß-Ende".
Wir haben drei Jahre mit Pep erlebt, es waren drei großartige Jahre.Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge
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