Fußball
Müller überragt beim deutschen Sieg über Tschechien

Nicht immer filigran, aber erfolgreich: Zumindest im Nationaldress läuft es für Thomas Müller. In zwei Quali-Spielen erzielte der Bayern-Stürmer jetzt bereits vier Treffer. Bild: dpa

Die "Versöhnung" mit dem Hamburger Publikum gelingt eindrucksvoll. Gegen Tschechien demonstriert die deutsche Mannschaft, dass sie ihr Spiel bis zur WM in Russland auf ein neues Niveau heben will. Das Kürzel "WM" beflügelt besonders einen ausgewiesenen Spezialisten.

Hamburg. Feiernde Fans, glückliche Spieler - das Fußballfest des Weltmeisters in Hamburg weckte bei allen Beteiligten Lust auf eine Zugabe. Und Joachim Löw erinnerte auch gleich nach dem schwungvollen 3:0 gegen überforderte Tschechen daran, dass seine Sechs-Punkte-Vorgabe in der WM-Qualifikation erst zur Hälfte erfüllt sei. "Wir brauchen gegen Nordirland die gleiche Zielstrebigkeit, die gleichen Laufwege, die gleiche Passpräzision", verkündete der Bundestrainer mit dem Blick auf das letzte Heimspiel des Jahres am Dienstag (20.45 Uhr/RTL).

Die erfolgreiche "Versöhnung" mit dem kritischen Hamburger Publikum, von der Kapitän Manuel Neuer sprach, gelang mit einem Fußballvortrag, der den Idealvorstellungen von Weltmeister-Coach Löw recht nahe kam. "Jeder hat eine gute Leistung gezeigt - und zusammen haben wir guten Fußball gespielt. So stellen wir uns das vor", verkündete Neuer. "Das war eins der Länderspiele, das am meisten Spaß gemacht hat", sagte Abwehrspieler Mats Hummels. "Wir hatten Spielfreude auf dem Platz", meinte Regisseur Mesut Özil. "Der Sieg geht absolut in Ordnung, auch in dieser Höhe", urteilte Löw nach der "überzeugenden Leistung".

Während der 90 Minuten flaute die Lust am Fußball und die Gier nach Torschüssen in keiner Phase ab. "Wir haben immer wieder aufs Tor gedrängt, auch nach dem 1:0 und 2:0 nicht aufgehört", sagte Thomas Müller, als zweifacher Torschütze der Mann des Abends. Das 2:0 ging auf das Konto von Toni Kroos.

Mit sechs Punkten und 6:0 Toren setzt die deutsche Mannschaft zum Durchmarsch in Gruppe C an. Der Topstart in die neue Qualifikation verdeutlicht, dass die Weltmeister ihre Lehren gezogen haben aus der holprigen Ausscheidung zur EM in Frankreich. Löw und seine mit Weltklassepotenzial gespickte Mannschaft haben erkannt, dass wieder eine neue Schärfe und neue Elemente das Spiel bereichern müssen. Gegen Tschechien waren es präzise Diagonalbälle auf die hoch stehenden Außenverteidiger Hector und Joshua Kimmich, die die Abwehr des Gegners aufrissen. Das Kombinationsspiel war rasanter, die Pässe schärfer, der Zug zum Tor entschlossener. "Im Sechzehner werden die Tore erzielt. Wenn man gefährlich sein und zum Abschluss kommen will, ist es wichtig, dass man im Strafraum präsent ist", erklärte Löw.

Der Teamspieler Müller ist ein Fixpunkt im deutschen Team. Seine Tore sind unverzichtbar. Bei der EM blieb er 570 Minuten torlos, traf Latte, Pfosten oder schoss ins Leere. Nun prangt wieder das Kürzel "WM" auf dem Spielkalender. Und prompt fluppt es wieder beim WM-Spezialisten. "Jetzt hat er bei uns wieder einen guten Lauf", urteilte Löw über den erfolgreichsten aktiven DFB-Spieler.

Einzelkritik der DFB-SpielerNeuer: Einmal gefordert: Der Kapitän verhinderte gegen Dockal das 1:2. Ansonsten beschäftigungslos.

Kimmich: Das erinnert schon an Lahm: Rannte die Linie rauf und runter. Legte schön zum 2:0 auf.

Boateng: Bei der Rückkehr wieder mit viel Präsenz. Öffnete mit langen Pässen immer wieder das Spiel.

Hummels: Super Spieleröffnung, dynamisch seine Vorstöße durch das Mittelfeld. Selbst wenn er ausrutschte, behielt er noch den Ball.

Hector: Sehr offensiv eingestellt, fand sich immer wieder mit Draxler zu schnellen Aktionen zusammen.

Khedira: Spielte sehr diszipliniert, schloss die Lücken, stellte die Räume zu. Abgeklärt und körperlich wieder besser in Schuss.

Kroos: Feines Füßchen! Mit der rechten Innenseite traf er ins rechte untere Eck. 12. DFB-Tor. Gute Abstimmung mit Khedira.

Müller: Die torlose EM ist abgehakt. Im 80. Länderspiel sein 35. und 36. Tor, schon vier in der Quali.

Özil: Das ist seine Rolle! Machte als Zehner das Spiel schnell, spielte die Pässe schärfer als sonst. Leitete das 1:0 ein.

Draxler: Eine Klasse besser als in Wolfsburg. Sehr dynamisch und aggressiv im Zweikampf. Bei seinem Schlenzer fehlten Zentimeter.

Götze: Legte Müller zum 1:0 auf und zeigte seine Vorzüge auf engstem Raum. Hätte treffen müssen.

Höwedes: Löw belohnte die tadellose Rolle des Weltmeisters.

Gündogan: DFB-Comeback nach elf Monaten.

Brandt: Der Leverkusener kam noch zu seinem vierten Länderspiel. (dpa)
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