Fußball
Nationalmannschaft auf Tour durch Rom

So locker und privat sieht man die Weltmeister nur selten: Die Nationalspieler lassen den Fußball ruhen und machen auf Touristen. Nach dem ungewöhnlichen Rom-Abstecher inklusive "Mannequin-Challenge" soll eine Bestmarke gegen einen alten Angstgegner geknackt werden.

Rom. In aller Ruhe schlenderte Joachim Löw neben Oliver Bierhoff durch die Ruinen des antiken Rom, im Schlepptau die Fußball-Nationalspieler als prominente Reisegruppe. Mit dem guten Gefühl einer bislang perfekten WM-Qualifikation konnte der Bundestrainer das gemeinsame Touristen-Wochenende in der Ewigen Stadt so richtig genießen. In Joggingschuhen und mit großer, dunkler Sonnenbrille war Löw am Vormittag völlig entspannt aus dem noblen Teamhotel unterhalb der Villa Borghese getreten.

"Heute geht es ins Kolosseum. Italien ist erst morgen wieder wichtig", sagte er vor der Abfahrt in zwei Reisebussen. Nur die Motorradeskorte der Polizei war ein Hinweis auf die prominenten Rom-Besucher. Das vom Bundestrainer verordnete Kulturprogramm kam bei Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Co. offenbar bestens an. Wie ganz normale Touristen posierten sie zum Gruppenbild vor historischem Hintergrund und posteten ihre Fotos vor den Sehenswürdigkeiten in den sozialen Netzwerken.

Zu Eis erstarrt


Und der Höhepunkt des ungewöhnlichen Abstechers stand noch bevor. Für Löw wurde aus Vorfreude auf den Besuch bei Papst Franziskus nach dem 8:0 in San Marino sogar der zum Jahresabschluss mögliche historische Sieg-Hattrick gegen den einstigen Angstgegner Italien im Test am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Mailand zweitrangig.

"Das ist etwas Außergewöhnliches. Ich war vor einigen Jahren im Vatikan. Das hat mir sehr imponiert. Was da für eine Geschichte dahintersteckt, was für eine Schönheit auch. Das ist für jeden Spieler, für uns alle, eine außergewöhnliche Sache", sagte Löw vor der am Montag gleich nach dem Frühstück geplanten Audienz beim Heiligen Vater im Apostolischen Palast.

Die Rom-Reise hatte extrem gesellig begonnen. Bis nach Mitternacht feierte das Weltmeisterteam am Samstagabend in einem von Trainer-Azubi Miroslav Klose ausgesuchten Restaurant - inklusive lustiger Spielchen wie einer "Mannequin-Challenge", bei der alle plötzlich wie zu Eis erstarrt verharren mussten. Die lustigen Bilder, wie Hummels seinen Kollegen Benedikt Höwedes spaßeshalber würgt oder Löw-Assistent Thomas Schneider einen tiefen Schluck aus der Pulle nimmt, postete der DFB am Sonntag per Video. Mario Götze machte sich derweil schon seine Gedanken über den Papstbesuch. "Ich hoffe, er reißt mir nicht den Kopf ab", sagte der WM-Siegtorschütze über die Visite bei dem als Fußball-Fan bekannten Argentinier.

Drei Siege in Serie möglich


Ganz bewusst nutzte DFB-Chefcoach Löw die kurze Pause zwischen dem einkalkulierten Kantersieg in Serravalle in der optimal laufenden Ausscheidungsrunde Richtung Russland 2018 und dem letzten Länderspiel 2016 im Fußball-Tempel von San Siro. Löw will Reizpunkte gegen den ewigen Profi-Trott zwischen Hotel und Trainingsplatz setzen. Einen Spannungsabfall befürchtet er dabei nicht. Im Gegenteil: "Wir werden das Testspiel sicher ernst nehmen", betonte der 56-Jährige.

So ganz kann der Weltmeister-Coach die sportlichen Belange eben nicht beiseite schieben. "Zum Abschluss ein Sieg gegen Italien, das wäre natürlich wünschenswert und schön", sagte Löw. Gegen den Erzrivalen ist eine historische Bestmarke möglich. Noch nie wurde Italien von Deutschland in 34 Spielen seit 1923 dreimal in Serie bezwungen, geschweige denn in einem Kalenderjahr.

Ich hoffe, er reißt mir nicht den Kopf ab.Mario Götze über die Privat-Audienz am Montag bei Papst Franziskus
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