Fußball
Niersbach droht Bann

Wolfgang Niersbach. Bild: dpa

Zürich. Wolfgang Niersbach muss mit dem endgültigen Ende seiner Karriere im Weltfußball rechnen. Im Zuge der Sommermärchen-Affäre fordern die Fifa-Ethikermittler eine Zwei-Jahres-Sperre für den ehemaligen DFB-Präsidenten. Bei einer Verurteilung müsste er auch seine letzten internationalen Ämter beim Fußball-Weltverband und bei der Uefa aufgeben.

Die Rechtsprechende Kammer der Ethikkommission eröffnete am Freitag ein offizielles Verfahren, teilte die Fifa mit. Niersbach bezeichnete den Antrag der Untersuchungskammer als "nicht nachvollziehbar". Der damalige Vizechef des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft in Deutschland will "mit allen möglichen Rechtsmitteln" gegen den drohenden Bann vorgehen. "Eine Sperre, die faktisch einem weltweiten Berufsverbot im Fußball gleichkommt" sowie die Höhe der beantragten Geldstrafe von 30 000 Schweizer Franken (27 000 Euro) stehe "in keinem Verhältnis zu dem mir gemachten Vorwurf", betonte er in einer schriftlichen Stellungnahme.

Sollte Niersbach gesperrt werden, würden die Ämter im internationalen Fußball nicht automatisch wieder dem Deutschen Fußball-Bund zufallen. Bei einem rechtzeitigen Urteil könnten sie beim Uefa-Kongress am 14. September in Athen, auf dem der Nachfolger von Präsident Michel Platini gewählt wird, vergeben werden. DFB-Präsident Reinhard Grindel gilt bei einer Niersbach-Sperre als logischer Kandidat für die Ämter. Vor knapp zwei Monaten hatte die Fifa-Ethikkommission offiziell Ermittlungen gegen die deutschen WM-Macher eingeleitet. Das Verfahren richtet sich neben Niersbach auch gegen Franz Beckenbauer, Helmut Sandrock, Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Stefan Hans.

Grundlage der Ermittlungen ist der Untersuchungsbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields, die vom DFB mit der Aufklärung der Affäre beauftragt worden war. Nach Erkenntnissen dieser internen Ermittlungen wusste Niersbach spätestens im Juni 2015 von verdächtigen Geldflüssen rund um die WM-Vergabe, hatte das DFB-Präsidium aber monatelang nicht darüber informiert. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Niersbach wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.
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