Fußball Premier League
Leicester im Freudentaumel

Die Begeisterung bei den Fans von Leicester City kennt keine Grenzen. Euphorisch wird in der Stadt in Mittelengland der sensationelle Titelgewinn in der Premier League gefeiert. Bild: dpa

Tausende feiern in Leicester den Sensationstitel in der englischen Fußball-Meisterschaft. Obwohl viel von einem Wunder die Rede ist, steckt hinter dem Erfolg weitaus mehr als Glück. Auch die deutschen Weltmeister Schweinsteiger, Podolski & Co. verneigen sich.

London. Als das Fußball-Märchen Realität geworden war, fielen die Helden von Leicester im Wohnzimmer von Torjäger Jamie Vardy wie kleine Kinder übereinander her. Robert Huth und Co. schrien, kreischten und sprangen wild durcheinander. "Die Jungs standen auf den Möbeln. Ich hoffe, in seinem Haus ist alles heil", sagte Kapitän Wes Morgan, als er am Dienstag nach einer Party-Nacht zum Training erschien. Tausende Fans waren am Montagabend vor das King Power Stadium geströmt und tanzten und sangen bis in den Morgen. Hupkonzerte erfüllten die Stadt in Mittelengland, euphorisierte Anhänger feierten den besten Tag ihres Lebens. Die deutschen Weltmeister Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos gratulierten, Fußball-Legenden wie Gary Lineker verneigten sich.

"Leicesters Krönung ist die großartigste Fußballgeschichte aller Zeiten", schrieb das Boulevardblatt "The Sun", für den "Daily Mirror" sind die Profis "Die Unglaublichen". Nur einer fehlte bei der Meistersause: Trainer Claudio Ranieri hatte schon vorher angekündigt, seine 96 Jahre alte Mutter in Italien besuchen zu wollen. Die italienischen Zeitungen "Corriere dello Sport" und "La Gazzetto dello Sport" tauften Ranieri "King Claudio". Der 64-Jährige ist der Architekt des kleinen Wunders. Und er hat oft gute Laune. Das scheint sich in dieser historischen Saison auf sein Team ausgewirkt zu haben.

Arm in Arm hatten Ranieris Spieler am Abend zuvor die letzten Minuten vor dem Bildschirm gestanden. Als Schiedsrichter Marc Clattenburg die Partie zwischen dem FC Chelsea und Tottenham Hotspur (2:2) abpfiff, war eine der größten Sensationen im Weltfußball vollbracht. "Was für eine unglaubliche Leistung über die gesamte Saison hinweg", twitterte DFB-Kapitän Schweinsteiger. "Großer Glückwunsch an Leicester City. Was für eine Geschichte", schrieb Real-Madrid-Profi Kroos.

Alle im Leicester-Fieber


Schon seit Tagen waren die ganze Stadt und das Umland im Leicester-Fieber. Schaufenster waren in blau und weiß, den Farben des Vereins, geschmückt. Die Kathedrale wurde nachts blau angestrahlt. Ranieri war es gelungen, sich die Unterstützung einer ganzen Region zu sichern. Mit diesem Rückenwind wuchs seine Mannschaft, die ohne große Stars auskommt, Spiel für Spiel über sich hinaus. Der Erfolg ist kein Wunder, sondern das Ergebnis harter Arbeit und einer klugen Strategie.

Erst einmal wird die Party in Leicester wohl noch weitergehen. Zwei Spiele stehen noch aus - und jedes wird zum Triumphzug für den Überraschungsmeister. Peter Schmeichel, fünfmaliger englischer Meister mit Manchester United und Vater von Leicester-Torwart Kasper Schmeichel, änderte sein Twitter-Profil: "Vater eines Premier-League-Siegers."
Die Jungs standen auf den Möbeln. Ich hoffe, in seinem Haus ist alles heil.Kapitän Wes Morgan nach der Party bei Jamie Vardy
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