Fußball
Ronaldo in den Schatten gestellt

Gerade einmal 18 Jahre ist Renato Sanches alt. Trotzdem reihte er sich im Spiel gegen Polen in die Torschützenliste ein. Portugals Star Ronaldo stellte der Neuzugang des FC Bayern damit in den Schatten. Bild: dpa

Portugal steht bereits zum fünften Mal in einem EM-Halbfinale. Das verdanken Ronaldo und Co. auch einem erst 18-jährigen Riesentalent, das für mindestens 35 Millionen Euro in die Bundesliga wechseln wird.

Marseille. Der FC Bayern München gratulierte schon wenige Sekunden nach dem Spiel. "Hat der Junge Nerven!", stand in einer der Twitter-Nachrichten, mit denen der deutsche Rekordmeister den Halbfinal-Einzug Portugals bei dieser Fußball-EM und vor allem den gewaltigen Beitrag seines neuen Millionen-Einkaufs Renato Sanches zu diesem Erfolg würdigte. Seit Freitag ist der junge Draufgänger mit den Rastalocken auch offiziell ein Bayern-Spieler. Er ist erst 18 Jahre, aber schon mindestens 35 Millionen Euro teuer. Am Donnerstag werden die Münchener wahrscheinlich selbst noch einige Glückwünsche zu seiner Verpflichtung erhalten haben.

Lob vom Trainer


"Renato Sanches hat sehr gut gespielt", sagte auch Portugals Trainer Fernando Santos hinterher. "Aber ich denke nicht, dass der Renato, den wir heute gesehen haben, schon der Renato ist, den wir in der Zukunft sehen werden. Er wird immer noch besser."

Dieses EM-Viertelfinale riss Sanches an sich. Nach der frühen Führung durch Lewandowski (2.) schoss er den 1:1-Ausgleich, als von Superstar Cristiano Ronaldo mal wieder nichts zu sehen war (33.). Und er knallte am Ende auch noch seinen Elfmeter in den oberen linken Torwinkel, als hätte er das unter dem Druck eines solchen Turniers schon 100 Mal gemacht.

Mit 5:3 im Elfmeterschießen gewann Portugal ein Spiel, das auch die große Frage hinterließ, was eigentlich beeindruckender war: Wie selbstsicher Renato Sanches es mit seinen erst 18 Jahren prägte - oder wie abgeklärt er diesen Abend in Marseille danach kommentierte. "Die Leute kritisieren uns, aber das ist uns egal. Wir sind im Halbfinale!", meinte er. "Wir waren sehr ruhig, cool und zuversichtlich im Elfmeterschießen. Also haben wir gewonnen." Und warum er sich im Gegensatz zu einem Routinier wie Pepe von Real Madrid getraut habe, selbst anzutreten? "Das Team vertraut mir. Also war ich auch selbstbewusst genug, zu schießen."

Egal, wie weit sein Team noch kommen wird: Renato Sanches hat seine Spuren längst hinterlassen. Der jüngste Spieler, der je für Portugal bei einem Turnier zum Einsatz kam, war er schon vor dem Spiel. Der drittjüngste Torschütze der EM-Historie ist er nach Johan Vonlanthen (Schweiz) und Wayne Rooney (England) jetzt auch.

"Er ist ein Phänomen", sagte der neue Bayern-Trainer Carlo Ancelotti erst in dieser Woche dem "Corriere dello Sport". Das gleiche lässt sich bei dieser Europameisterschaft auch über die Portugiesen sagen - wenn auch mit etwas weniger Bewunderung und dafür mehr Irritation in der Stimme. Sie stehen jetzt im Halbfinale, obwohl sie bislang in keinem ihrer fünf Spiele nach 90 Minuten vorne lagen - ein EM-Novum.

Ronaldo nicht in Top-Form


Sanches fiel auch deshalb so auf, weil Ronaldo erneut blass blieb. Der künftige Bayern-Star tauchte mal vor der Abwehr auf, mal auf dem Flügel und mal im Sturmzentrum auf. Er war überall zu finden. Die Energie eines 18-Jährigen und die Hoffnung, dass Ronaldo doch noch einmal trifft: Vor allem daran hält sich Portugal vor fest. "Das wird eine Riesen-Herausforderung", sagte Sanches.
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