Fußball
Russ leidet und schweigt

Mit unbedachten Aussagen über die Krankheit von Eintracht-Kapitän Marco Russ (Zweiter von links) sorgte Club-Torwart Raphael Schäfer (rechts) nach dem Relegationsspiel für Unmut. Auch im Spiel gerieten der Keeper und Frankfurts Verteidiger aneinander. Nach der Partie entschuldigte sich Schäfer - Russ schwieg. Bild: dpa

Auch nach dem Relegations-Hinspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg ist die schwere Erkrankung von Marco Russ das zentrale Thema. Die Frankfurter sind empört über den Umgang mit ihrem Abwehrmann, der "Club" entschuldigt sich für unbedachte Äußerungen.

Frankfurt/Main. Mit seinen zwei kleinen Kindern an der Hand stand Marco Russ auf dem Rasen und genoss zum vorerst letzten Mal die Ovationen der Fans. Während für Eintracht Frankfurt nach dem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg im ersten Bundesliga-Relegationsspiel das große Zittern um den Klassenverbleib weitergeht, beginnt für ihren an einem Tumor erkrankten Ersatz-Kapitän der schwerste Kampf seines Lebens. Bereits am Dienstag wird Russ operiert - ob und wann er zurückkehrt, ist offen.

Über die bisher wohl schlimmsten 24 Stunden seiner Karriere wollte Russ nach dem Abpfiff nicht reden. Weder über sein unglückliches Eigentor zum 0:1 - Mijat Gacinovic (65.) gelang später der Ausgleich -, noch über die Durchsuchung seiner Wohnung durch die Staatsanwaltschaft und schon gar nicht über seine Tumorerkrankung verlor der 30-Jährige ein Wort. "Wenn man so eine Diagnose erhält, sollte man ihn in Ruhe lassen", äußerte Frankfurts Trainer Niko Kovac Verständnis. "Ich weiß nicht genau, wie er sich fühlt, aber mit Sicherheit nicht gut." Dem Eintracht-Trainer waren die Vorfälle im Vorfeld des Spiels nahe gegangen. Und so redete er sich mehr und mehr in Rage. "Wie das bei uns im Trainingscamp abgelaufen ist, das war eine Frechheit. Das kann man so nicht machen", kritisierte er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen gegen Russ. "Ich bin geschockt gewesen."

Es sei unbenommen die Pflicht der Staatsanwaltschaft, nach der Kenntnisnahme eines möglichen Dopingfalles zu ermitteln. "Nur: Dann bekommt man vom Arzt eine Bestätigung, dass Russ erkrankt ist, und trotzdem kommt immer noch jemand und sagt, ich glaube dem nicht", ereiferte sich der Eintracht-Trainer.

Für Empörung bei den Frankfurtern hatten auch unbedachte Äußerungen von Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer und Trainer René Weiler über die Erkrankung von Russ gesorgt. "Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, kann er kein Fußball spielen", erklärte Schäfer nach dem Abpfiff. Noch in der Nacht ruderte er zurück: "Meine Worte waren dumm, dafür kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen. Ich habe mich voreilig geäußert, ohne Bescheid zu wissen. So etwas darf mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung." Trainer René Weiler, der die Bekanntmachung der Russ-Erkrankung zunächst als "Inszenierung" abgetan hatte, revidierte seine Aussage. "Es ist pietätlos, dass ein Klub und ein erkrankter Spieler fast dazu genötigt werden, die intimsten Dinge preisgeben zu müssen, um nicht als Dopingsünder in Verdacht zu stehen", sagte der "Club"-Coach.
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