Fußball
Schweinsteigers Abschiedsspiel

Der langjährige Kapitän Bastian Schweinsteiger verabschiedet sich am Mittwoch mit seinem 121. Länderspiel aus der Nationalmannschaft. Bild: dpa

Düsseldorf. Sichtlich erholt nach dem langen Sommerurlaub hat Joachim Löw den Startschuss für sein womöglich letztes großes Projekt als Bundestrainer gegeben. Der 56-Jährige blickte beim Neustart der Fußball-Nationalmannschaft am Montag in Düsseldorf nicht mehr groß zurück auf den in Frankreich verpassten EM-Triumph, sondern richtete den Fokus bereits konsequent nach vorne: Mit der erfolgreichen Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland will Löw seine Amtszeit nach dann zwölf Chef-Jahren nochmals vergolden. "Die nächste spannende Aufgabe ist die WM-Qualifikation", erklärte Löw.

Mittwoch gegen Finnland


Die Zukunft beginnt aber erst nach dem Abschiedsspiel für Bastian Schweinsteiger am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in Mönchengladbach gegen Finnland. Erst am Tag danach will Löw seinen neuen Kapitän benennen, der am 15. Juli 2018 in Moskau den WM-Pokal in Händen halten soll. "Der neue Kapitän wird am Donnerstag öffentlich gemacht", verkündete Löw. Die Entscheidung hat er schon getroffen, sie ist für ihn aber nicht so bedeutungsschwer wie für die Öffentlichkeit und wohl auch die am heißesten gehandelten Kandidaten. "Das Thema ist für mich nicht so dominant", sagte Löw.

Manuel Neuer der Favorit


Als Favorit auf die Schweinsteiger-Nachfolge wird Torwart Manuel Neuer gehandelt, der schon bei der EM quasi als Turnierkapitän fungiert hatte. Der noch verletzte Weltmeister Jérôme Boateng und der von Löw als Führungskraft ebenfalls sehr geschätzte Sami Khedira gelten als heißeste Mitbewerber. Löw verwies extra auf einen "guten Spielerkreis", aus dem er seine Wahl treffen konnte. Toni Kroos wird nach Schweinsteigers Rücktritt in den Mannschaftsrat aufrücken.

Löw bezeichnete es als "tolle Sache", dass Schweinsteiger noch ein 121. Mal das Nationaltrikot tragen wird. Seine einzige Sorge gilt dem bislang geringen Interesse der Fans. "Es wäre schade für Bastian, wenn das Stadion nicht ausverkauft wäre", erklärte Löw. Der aktuell verletzte Lukas Podolski soll im März 2017 bei einem Test-Länderspiel in Deutschland ebenfalls noch ein 130. Mal für das DFB-Team auflaufen, wie der Bundestrainer berichtete.

Für ihn sei es "eine Ehrensache" gewesen, seinen langjährigen Wegbegleitern ein vom DFB eigentlich abgeschafftes Abschiedsspiel im Rahmen eines Freundschaftsspiels zu ermöglichen. "Sie haben die Nationalmannschaft geprägt und das Größtmögliche erreicht, Weltmeister zu werden", begründete Löw. Er sagte aber auch, dass das Duo "einen sehr guten Zeitpunkt" für den Rücktritt gewählt habe.

Die Zeitenwende wird Löw gegen Finnland personell dokumentieren. Schweinsteiger wird "eine jüngere Mannschaft mit Perspektive" anführen. Denn Löw verriet bereits vor der ersten Trainingseinheit, an der nur acht der 23 Akteure unter Anleitung der Löw-Assistenten teilnahmen, dass etwa die drei 20 Jahre alten Silbermedaillengewinner von Rio, der Schalker Max Meyer, Leverkusens Julian Brandt und der Hoffenheimer Länderspiel-Neuling Niklas Süle, Einsatzzeit erhalten. Danach wird das Trio eventuell vorzeitig zurück zu seinen Clubs reisen. Im ersten WM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Oslo gegen Norwegen sind dann wieder die etablierten Kräfte gefordert.
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