Fußball
Strategiepapier birgt Brisanz

DFL und DFB stehen vor Veränderungen. In der Liga werden neben der Einführung des Videobeweises eine Umverteilung der TV-Gelder und ein neuer Modus im DFB-Pokal diskutiert. Beim DFB ist eine Strukturreform angedacht, vorher soll Grindel zum DFB-Chef gekürt werden.

Frankfurt/Main. Der deutsche Fußball steht vor tiefgreifenden Veränderungen - alles mit dem großen Ziel, die Bundesliga international weiter nach vorn zu bringen. "Wir wollen alle auch in Zukunft eine wettbewerbsfähige Bundesliga - und deshalb muss man Konzepte erarbeiten", sagte Peter Peters als Vorstandsmitglied des FC Schalke 04 und Vize-Präsident des Ligaverbandes.

Nachdem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bereits am Donnerstag ihre Unterstützung für die Einführung des Videobeweises bekundet hatte, wurden nun weitere Reformvorschläge in einem Strategiepapier der Bundesligisten festgehalten. Dabei handele es sich laut Peters um "nichts Revolutionäres". Es sei ein "unverbindlicher Gedankenaustausch" von 16 Clubs, über den die "Bild"-Zeitung am Freitag zunächst berichtet hatte.

Doch das Papier birgt Brisanz. Bei dem Treffen der Vereine ging es insbesondere um die Verteilung der zukünftigen TV-Gelder. Dabei könnte die 2. Liga zukünftig weniger partizipieren als bisher. Bisher streichen die Clubs aus dem Unterhaus 20 Prozent der Einnahmen ein. Der Anteil könnte bis auf 14 Prozent schrumpfen. Das sorgte bei St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig für eine gehörige Verstimmung. Er sei über die Vorgehensweise enttäuscht."Im Zusammenhang mit unserem seinerzeit gestellten Antrag stand immer der Solidaritätsgedanke zwischen der Bundesliga und der 2. Bundesliga im Vordergrund. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns damals entschieden, unseren Antrag zurückzuziehen", sagte Rettig, der noch im Herbst angeregt hatte, konzern- oder investorengeführte Clubs wie Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg oder 1899 Hoffenheim künftig von der Verteilung der TV-Gelder auszuschließen.

Peters betonte indes, dass es nicht darum gehe, "die Solidarität mit der 2. Liga grundsätzlich in Frage zu stellen". Vielmehr hätten die Vereinsvertreter darüber diskutiert, welche anderen Kriterien bei der Aufteilung der Erlöse noch berücksichtigt werden sollen. So wollen einige Clubs nun Vorschläge erarbeiten, "wie zum Beispiel Fanbasis, Pay-TV-Abonnenten o.ä. berücksichtigt werden könnten".

In Sachen DFB-Pokal wird in dem Strategiepapier ein späteres Einsteigen der Bundesligisten und speziell der Europacup-Teilnehmer in den Wettbewerb angeregt. In den europäischen Topligen in Spanien, England und Italien ist dies bereits gängige Praxis. Für die nächsten drei Spielzeiten ist ein neuer Modus aber noch kein Thema. DFB-Interimspräsident Rainer Koch steht dem Vorschlag negativ gegenüber. Ziel der Amateurclubs sei ja gerade, in Runde eins einen Topverein aus dem Lostopf zu erwischen. Daher wäre eine solche Reform kaum im Sinne des Amateurlagers.

Deutlich konkreter sind bereits die angedachten Strukturveränderungen beim DFB. Der Verband soll grundsätzlich professionalisiert werden, dafür erklärte die Liga im Gegenzug ihre Unterstützung für den DFB-Präsidentschaftskandidaten Grindel. Dieser soll nun am 15. April auf einem Außerordentlichen DFB-Bundestag gekürt werden.

Guardiola: DFB-Pokal sehr attraktiv(dpa) Der am Saisonende scheidende Bayern-Trainer Pep Guardiola hat sich für eine Beibehaltung des DFB-Pokals im aktuellen Format ausgesprochen. "Es ist richtig perfekt", sagte Guardiola am Freitag in München. In der Diskussion ist, dass Topclubs wie der FC Bayern erst später in den Wettbewerb einsteigen könnten. "Kleine Mannschaften verdienen es auch, gegen die großen Mannschaften zu kämpfen", erklärte Guardiola. "In Spanien ist es mit zwei Spielen sehr kompliziert, aber hier ist es mit einem Spiel sehr attraktiv und sehr interessant", sagte der Katalane mit Blick auf die Chancen der unterklassigen Teams. Die angedachte Testphase des Videobeweises kommt für Guardiola nicht überraschend. Früher oder später werde der Videobeweis kommen, sagte der Startrainer.
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