Fußball
Three Lions schocken Wales

Und wieder erlebte die Fußball-EM einen Last-Minute-Sieg: Daniel Sturridge (links) schloss England in der Schlussphase zum 2:1 gegen Wales. (Foto: dpa)

Wieder ein Favoritensieg in letzter Minute! Nach Frankreich drehte nun England das Spiel. Im emotionalen britischen Bruderduell unterlag Wales mit 1:2. Englands Trainer Roy Hodgson beweist ein goldenes Händchen.

Lens. Breit grinsend stapfte Englands Matchwinner Daniel Sturridge mit einem Pizzakarton unterm Arm nach dem dramatischen EM-Sieg im britischen Bruder-Duell aus dem Stadion. Ausgelassen und vor allem erleichtert feierten Wayne Rooney & Co. den Torschützen zum 2:1 (0:1), bei dem die Three Lions die aufmüpfigen Waliser um Superstar Gareth Bale in letzter Minute geschockt hatten. Der 100-Millionen-Mann versuchte seine Teamkollegen hingegen nur Sekunden nach Schlusspfiff in einem Kreis schon wieder aufzurichten.

Dank Sturridge gelang England der ersten Erfolg bei einem großen Turnier seit vier langen Jahren und machte einen immensen Schritt in Richtung EM-Achtelfinale. "Es ist ein großes Gefühl, unglaublich. Es ist so schön sein Land zu repräsentieren und den Jungs zu helfen, das Spiel zu gewinnen", schwärmte der eingewechselte Stürmer des FC Liverpool. Zuvor hatte der ebenfalls zur Halbzeit ins Spiel gekommene Jamie Vardy den Rückstand durch den zweiten EM-Freistoßtreffer von Bale (42.) ausgeglichen.

Jäh verstummten mit Schlusspfiff die Waliser Schmähgesänge in Richtung des ungeliebten Erzrivalen - "England's going Home" hatten die Fans des EM-Debütanten zuvor schadenfroh skandiert. Zu früh gefreut. Der große Außenseiter muss nun im Gruppenfinale gegen Russland nach dem zunächst schon sicher geglaubten Sprung unter die Top 16 hingegen selbst wieder richtig zittern. Bale setzt auf das Prinzip Hoffnung: "Noch ist das Turnier nicht vorbei. Wir sind sehr enttäuscht. Ich bin aber sehr stolz auf mein Team." Die Three Lions übernahmen vor ihrem letzten Vorrundenspiel gegen die Slowakei am Montag zwar die Führung in der Gruppe B, sind aber auch noch nicht durch.

"Wir hatten es wirklich verdient", meinte Torschütze Vardy. Mit der Einwechslung des Stürmers von Meister Leicester City und Sturridge für die wirkungslosen Harry Kane und Raheem Sterling bewies Coach Roy Hodgson ein goldenes Händchen. "Es war ein wirklicher Wendepunkt", erklärte der Trainer-Routinier. Zum EM-Auftakt hatte England noch in letzter Minute das bittere 1:1 gegen Russland kassiert. "Ich habe schon gedacht, dass wir uns schon wieder über unser Unglück beklagen müssen", sagte Hodgson. Er habe sich beim Jubeln über den Sturridge-Treffer den Kopf an der niedrigen Trainerbank gestoßen, berichtete der 68-Jährige schmunzelnd.

In dem emotional aufgeheizten Insel-Duell sorgten englische und walisische Fußball-Fans im Stade Bollaert für Gänsehaut-Atmosphäre unter den 34 033 Zuschauern. In der hektischen Anfangsphase versuchten beide Teams im Umschaltspiel über wenige Stationen zum gegnerischen Tor zu kommen, boten phasenweise typisch britisches Kick & Rush. Im Duell der Superstars übernahm Bale viele Defensivaufgaben; Wayne Rooney war nicht so dominant wie im Auftaktspiel, drehte in der Schlussphase allerdings richtig auf. Englands Kapitän hatte mit einem Foul an Hal Robson-Kanu das 0:1 eingeleitet. Bale schoss den Freistoß aus rund 32 Metern nicht besonders platziert, Englands Schlussmann Joe Hart ließ den Ball durchrutschen.

Anschließend machten sich die englischen Wechsel bezahlt. Eine Hereingabe von Sturridge verlängerte Wales Kapitän George Williams unfreiwillig, Vardy verwandelte aus kurzer Distanz eiskalt. England drückte weiter. Sturridge sorgte am Ende für den unbändigen Jubel.

Es ist so schön sein Land zu repräsentieren und den Jungs zu helfen, das Spiel zu gewinnen.Siegtorschütze Daniel Sturridge
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