Fußball
Tschechien erkämpft Punkt

Saint-Étienne. Mitfavorit Kroatien hat bei der Fußball-EM in Frankreich einen sicher geglaubten Sieg auf dem Weg ins Achtelfinale gegen Tschechien verschenkt. Gegen eigentlich hoffnungslos unterlegene Tschechen spielten die Stars um Luka Modric und Ivan Rakitic in Saint-Étienne nach einer 2:0-Führung nur noch 2:2 (1:0). Schuld waren auch eigene Fans, die am Freitag in Saint-Étienne Bengalos aufs Spielfeld warfen und für eine Spielunterbrechung sorgten. Das brachte die Kroaten komplett aus dem Rhythmus.

Ivan Perisic (37. Minute) und Rakitic (59.) hatten die Kroaten in Führung gebracht. Der Ausgleichstreffer per Elfmeter nach Handspiel für die Tschechen durch Tomas Necid fiel in der Nachspielzeit. Milan Skoda gelang zuvor mit einem präzisen Kopfball der Anschluss (76.). Tschechien hat mit dem Remis wieder alle Chance auf das Achtelfinale.

Knallkörper und Feuer


Kroatische Fans warfen gegen Spielende Knallkörper und bengalische Feuer auf das Spielfeld und lieferten sich untereinander wüste Schlägereien. Binnen weniger Minuten wurde aus einem kroatischen Fußball-Fest ein ganz bitterer Abend für das lange Zeit dominierende Team. Die Disziplinarkommission der Uefa wird am Samstag ihre Ermittlungen zu den Vorkommnissen im kroatischen Fanblock aufnehmen, sobald sie den Spielbericht erhalten hat.

Torschütze Rakitic entschuldigte sich nach dem Spiel bei der Uefa und beim Gegner. Verärgert musste er sich zurückhalten, die Randalierer im kroatischen Fanlager nicht übel zu beschimpfen: "Es gibt Worte, die darf man im Fernsehen nicht sagen."

Wie schon beim 1:0-Sieg gegen die Türkei beherrschten die Kroaten ihren Gegner zunächst in allen Belangen. Immer wieder angetrieben von Modric von Real Madrid und Rakitic vom FC Barcelona erarbeiteten sie sich jede Menge Spielanteile. Das Team von Trainer Ante Cacic war klar überlegen: Mehr Ballbesitz und gewonnene Zweikämpfe, mehr Torschüsse. Dass die Tschechen in der letzten Viertelstunde noch einmal zulegen konnte, lag an der von Rakitic bemängelten Chancenverwertung.

Die hässlichen Bilder begannen in der 86. Minute, als kroatische Fans die Bengalos warfen; es waren ähnliche Szenen wie schon im Spiel gegen die Türkei. Der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg unterbrach das Spiel. Polizei marschierte vor dem Kroaten-Block auf. Kroatische Spieler versuchten, ihre Anhänger zur Vernunft zu bringen.

Dabei hätte alles hätte für die Kroaten laufen müssen: In der 37. Minute dribbelte sich der Ex-Wolfsburger und -Dortmunder Perisic über halblinks in den Strafraum und kam nach einem Übersteiger frei zum Schuss: Er versenkte den Ball unhaltbar für Torwart Petr Cech unten rechts im Tor.

Als die Tschechen zu Beginn der zweiten Halbzeit versuchten, sich aus der Umklammerung zu lösen, passierte ein schwerer Fehler des Ex-Herthaners Roman Hubnik. Seinen Fehlpass fing Marcelo Brozovic ab und spielte den Ball schnell weiter an Rakitic, der Cech mit einem Lupfer überwand. Die Aufholjagd leitete der sonst schwache Spielmacher Tomas Rosicky ein, der die letzte Saison beim FC Arsenal wegen Verletzung fast komplett gefehlt hatte. Rosickys geniale Flanke nutzte Milan Skoda per Kopfball zum Anschluss, nach der Randale auf den Rängen fiel sogar der kaum erwartete Ausgleich.
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