Fußball
Ulis großer Tag

Uli Hoeneß ist zurück. 270 Tage nach seiner Entlassung aus der Haft wird er beim FC Bayern wieder zum Präsidenten gewählt. Passend zu seinem großen Tag verkündet der Fußballkrösus Rekordzahlen.

München. Uli Hoeneß steht wieder an der Spitze seines FC Bayern. Mehr als drei Stunden musste der 64-Jährige am Freitagabend warten, bis er endlich von den über 7000 Mitgliedern wieder zum Präsidenten des deutschen Fußball-Rekordmeisters gewählt wurde. Hoeneß dankte in einer emotionalen und deutlichen Ansprache seinen "zwei Familien": der um seine Ehefrau Susi und eben dem Herzensclub. "Ich bitte Sie um eine zweite Chance", sagte Hoeneß. "Ich verspreche, dass ich alles tun werde, um die Erwartungen zu erfüllen."

Er will ein starker und wortgewaltiger Präsident sein. Er besitze weiterhin die Fähigkeit, Probleme deutlich anzusprechen, sagte er mit Blick auf seine frühere Funktion als "Abteilung Attacke" des FC Bayern. "Sie schläft nicht, sie ruht."

Begleitet von großem Beifall und "Uli, Uli"-Rufen kehrt Hoeneß damit 270 Tage nach seiner Haftentlastung wieder auf den Posten zurück, den er nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung aufgegeben hatte. "Ich habe einen großen Fehler gemacht, ich respektiere jeden hier im Saal, der mir heute seine Stimme wegen des Fehlverhaltens nicht gibt. Aber ich habe alles getan, um diesen Riesenfehler wieder gut zu machen", sagte Hoeneß, der von harten Stunden und vielen Tränen im Gefängnis berichtete. "Die Kraft hat mir dieser Verein zurückgegeben."

"Ich gönne Dir von Herzen die verdiente Rückkehr in Dein Amt als Präsident", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit Dir. Wir kennen uns nun ja schon 42 Jahre", sagte Rummenigge. Vor dem Blick in die Zukunft rühmte der Vorstandschef besonders die vergangenen Jahre mit Titeln wie am Fließband: "Jahre wie diese haben wir selbst noch nicht erlebt."

Pünktlich zur Jahreshauptversammlung schwächelt der deutsche Serienmeister unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti, verlor zweimal in Serie und ist nicht mehr Tabellenführer. Zudem platzte in die Versammlung die Nachricht vom Leipziger Sieg in Freiburg, mit dem sich der Rückstand auf die Sachsen auf sechs Punkte erhöhte. "Jetzt geht's los", sagte Rummenigge zur Jagderöffnung.

"Lieber Carlo, wir gewinnen hier zusammen, wir verlieren hier zusammen. Aber eines ist das Wichtigste, du hast unser vollstes Vertrauen", sagte Rummenigge zu dem anwesenden Ancelotti. Der 57-Jährige bekam großen Willkommensapplaus.

Der scheidende Präsident Karl Hopfner wurde am Tag der besten Zahlen der Clubgeschichte von der Vereinsschar mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet. "Das berührt mich wirklich", sagte Hopfner, der über drei Jahrzehnte für den FC Bayern arbeitete.

Ich habe einen großen Fehler gemacht, ich respektiere jeden hier im Saal, der mir heute seine Stimme wegen des Fehlverhaltens nicht gibt.Uli Hoeneß
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